22. Dezember 2015

10.000endster Besucher im „STOLLEN DER ERINNERUNG“

Am 11. Dezember 2015 konnte das Mauthausen Komitee Steyr die 10.000endste Besucherin im „Stollen der Erinnerung“ begrüßen. Frau Doris Pulicar (77) war aus der niederösterreichischen Marktgemeinde Straßhof a.d.Nordbahn (Bezirk Gänserndorf) nach Steyr gekommen, um die Ausstellung im „Stollen der Erinnerung“ zu besichtigen. Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier überreichte ihr das Buch „Unterirdisches Oberösterreich“ von Josef Bouchal und Josef Weichenberger. Darin ist ein kurzer Abschnitt dem „Stollen der Erinnerung“ gewidmet.

Der „Stollen der Erinnerung“ wurde vor zwei Jahren, am 25. Oktober 2013 eröffnet. Die Besucher der letzten zwei Jahre kamen nicht nur aus Oberösterreich, sondern auch aus anderen Bundesländern wie Wien, Tirol und dem Burgenland. Es gab viele ausländische Gäste aus England, Frankreich, Italien, Deutschland, Holland, der Schweiz und den USA. Prominentester Besucher war im April 2014 Bundespräsident Heinz Fischer. Im Mai 2014 besuchte das Internationale Mauthausenkomitee mit Delegationen aus allen europäischen Staaten den „Stollen der Erinnerung“. Insgesamt wurden bereits 420 Führungen durchgeführt. „Am meisten freut mich“, so Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier, „dass wir mit dem ‚Stollen der Erinnerung’ quer durch alle Bevölkerungsschichten Interesse am Thema ‚KZ- und Zwangsarbeit in Steyr’ wecken konnten und dass die Kooperation mit dem Museum Arbeitswelt so gut funktioniert.“ Der „Stollen der Erinnerung“ gehört inzwischen zu den fünf wichtigsten Erinnerungsorten in Oberösterreich. 2014 wurde er mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet, 2015 mit dem Hans Marsalek-Preis und mit einer Special Mention beim German Design Award 2016. Der „Stollen der Erinnerung“ ist inzwischen aus der Steyrer Museumslandschaft nicht mehr wegzudenken. Geöffnet ist der Stollen der Erinnerung für Einzelbesucher jeden 2. Freitag im Monat von 14.00 bis 17.00 Uhr. Nächste Öffnungszeiten sind: Freitag, 8. Jänner 2016 und Freitag, 12. Februar 2016.

Ab Jänner 2016 wird jeden Samstag um 15.00 Uhr um € 9.- eine Führung angeboten.
Treffpunkt: Eingang Museum Arbeitswelt. Dauer: 1,5 Stunden. Warme Kleidung wird sehr empfohlen.

31. Oktober 2015

GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF

Die Gedenkfeier am Jüdischen Friedhof in Steyr findet heuer am Montag, 9. November 2015 um 17.00 statt. Auf den Tag genau vor 77 Jahren, am 9. November 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen zerstört und jüdische Bürger verhaftet. 18 Steyrer Juden wurden in der Berggasse eingesperrt, darunter auch drei Kinder. Die Israelitische Kultusgemeinde Steyr wurde schon ein Monat davor aufgelöst. 2008 wurde am Friedhof das Holocaust-Denkmal mit 86 Namen der Steyrer Opfer errichtet.

Heuer wird besonders an die Opfer der Todesmärsche der ungarischen Juden im April 1945, also vor 70 Jahren, gedacht. Ein Massengrab mit 100 Opfern erinnert an ihr Schicksal. Nur von 15 Personen sind die Namen bekannt.

Die Gedenkrede hält heuer der Buchautor und Journalist Hans Henning Scharsach. Er ist bekannt als Kämpfer für die Menschenrechte und engagiert sich seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus. 2012 veröffentlichte er das Buch „Strache – Im braunen Sumpf“.

Musikalisch gestaltet wird die Feier vom Chor der Körnerschule Linz unter der Leitung von Mag.a Martina Walenta. Vertreter der Parteien und Organisationen werden mit Kränzen der Opfer gedenken. Alle Teilnehmer können als persönlichen Akt des Gedenkens vor dem Holocaust-Denkmal „Steine des Erinnerns“ niederlegen. Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Anschließend an die Gedenkfeier findet um 19.00 Uhr im Museum Arbeitswelt Steyr die Buchpräsentation „Nirgendwo – Todesmärsche durch OÖ.“ statt.

Im April 1945 wurden tausende ungarische Zwangsarbeiter quer durch Österreich in das KZ Mauthausen getrieben.

Zu finden ist der Friedhof am Taborweg, zwischen Schnallentor und Taborrestaurant. Der Friedhof weist 141 Gräber auf und wurde 1873 angelegt. 1945 sollte der Friedhof zerstört werden, aber das Kriegsende vereitelte diesen Plan. Das letzte Begräbnis fand 1992 statt. Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich das Mauthausen Komitee Steyr um den Friedhof und konnte ihn so vor dem Verfall retten. 2013 wurde dem Komitee dafür der Steyrer Panther, eine Auszeichnung der Stadt Steyr für Verdienste um den Denkmalschutz, verliehen.

Einladung zur Gedenkfeier

1. Oktober 2015

Lange Nacht der Museen – Samstag, 3. Oktober 2015

Stollen der Erinnerung“ bis 1 Uhr früh geöffnet

Eine besondere Möglichkeit den „Stollen der Erinnerung“ zu besichtigen bietet das Mauthausen Komitee Steyr bei der Langen Nacht der Museen am Samstag, 3. Oktober 2015.

Von 18.00 bis 1.00 Uhr früh kann der Stollen besichtigt werden. Um 18.00 und 22.00 Uhr gibt es eine Führung. Den Besuchern wird empfohlen warme Kleidung zu tragen. Die Temperatur im Stollen beträgt nur 8° bis 12° Grad. Der Eingang befindet sich bei Zwischenbrücken.

„Diese Möglichkeit den ‚Stollen der Erinnerung‘ in der Nacht zu besichtigen, gibt es sonst das ganze Jahr nicht. In der Nacht sich mit der dunklen Geschichte von Steyr zu beschäftigen, das ist wirklich etwas Besonderes“, ist Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee überzeugt.

Der 140 Meter lange Stollen unter dem Schloss Lamberg, der von KZ-Häftlingen gebaut wurde, ist Schauplatz der Ausstellung. Der Weg beginnt mit den Krisen der 1930er Jahre, dem ‚Anschluss‘ 1938 und dem Ausbau der Steyr-Werke zu einem führenden Rüstungskonzern. Das Schicksal der Zwangsarbeiter/innen und KZ-Häftlinge in Steyr wird anhand von Fotos, Dokumenten, Zeichnungen, Originalgegenständen und persönlichen Berichten anschaulich vermittelt. Die Befreiung 1945, der Umgang mit den Tätern, das jahrzehntelange Schweigen nach dem Krieg und der Widerstand sind weitere Themen.