14. Oktober 2014

ENTHÜLLUNG des Kunstobjektes “KRISTALLTAG” in der RATHAUSPASSAGE STEYR

Johannes Angerbauer hat schon durch viele Kunstprojekte im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam gemacht. Am Donnerstag, 6. November 2014 wird um 19.00 eines seiner Schlüsselwerke in der Rathauspassage in Steyr enthüllt. Die beiden Vizebürgermeister Wilhelm Hauser und Gunther Mayrhofer werden dabei Grußworte sprechen. Katrin Auer, Historikerin und Geschäftsführerin des Museums Arbeitswelt wird in ihrer Rede die Hintergründe des Kunstwerkes erhellen. Zu hören wird auch das “Kristallknistern” sein, das bei der Entstehung 1998 zu hören war.

Das Instrumentalensemble des BRG Steyr unter der Leitung von Christian Hatzenbichler sorgt für die musikalische Umrahmung.

Johannes Angerbauer schuf das Kunstobjekt “Kristalltag” anlässlich des 60. Jahrestages der ‘Reichpogromnacht’ 1998. Hand- und Fußspuren von 38 Menschen, die das Schicksal der Verfolgung und Vertreibung erleiden mussten, sind in diesem Kunstwerk vereint. Die ersten Spuren hinterließ die Auschwitz-Überlebende Alice Rusz, die aus einer jüdischen Familie aus Steyr stammte. Am 9. November 1998 wurden im Haus des letzten Steyrer Juden symbolhaft dem Glas – ein Konnex zur sog. “Reichskristallnacht” – zwei Schläge versetzt, um damit auf die Schicksals-schläge heutiger und damaliger Vertriebener hinzuweisen. Durch das Zerbrechen des Glases wurde das Kunstobjekt vollendet. 2012 wurde es bei der internationalen Großausstellung “GOLD” im Belvedere gezeigt.

25. GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF

Bei der ersten Gedenkfeier im November 1989 wurde an der Außenmauer des jüdischen Friedhofes eine Gedenktafel enthüllt. Heuer findet am Donnerstag,

6. November 2014 um 17.00 die 25. Gedenkfeier am Jüdischen Friedhof in Steyr statt. Zu finden ist der Friedhof am Taborweg, zwischen Schnallentor und Taborrestaurant. Der Friedhof weist 141 Gräber auf und wurde 1873 angelegt. 1945 sollte der Friedhof zerstört werden, aber das Kriegsende vereitelte diesen Plan. Das letzte Begräbnis fand 1992 statt. 2008 wurde das Holocaust-Denkmal mit 86 Namen der Steyrer Opfer errichtet. Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich das Mauthausen Komitee Steyr um den Friedhof und konnte ihn so vor dem Verfall retten. 1938 wurde die jüdische Kultusgemeinde Steyr von den Nationalsozialisten ausgelöscht.

Am 9. November 1938 – also vor 76 Jahren -, inszenierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen zerstört und jüdische Bürger verhaftet. 18 Steyrer Juden wurden in der Berggasse eingesperrt, darunter auch drei Kinder.

Die Gedenkrede hält heuer Mag. Dr. Eleonore Lappin-Eppel, Historikerin bei der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Expertin der Todesmärsche durch das Ennstal. Musikalisch gestaltet wird die Feier vom Hornensemble der Musikschule Steyr unter der Leitung von Wilhelm Rosenberger. Vertreter der Parteien und Organisationen werden mit Kränzen der Opfer gedenken. Alle Teilnehmer können als persönlichen Akt des Gedenkens vor dem Holocaust-Denkmal „Steine des Erinnerns“ niederlegen. Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Großes Interesse

Das Mauthausen Komitee Steyr konnte am Tag des Denkmals und bei der Langen Nacht der Museen ein großes Interesse an zeitgeschichtlichen Themen feststellen.

Am Tag des Denkmals – Sonntag, 28. September 2014 – besuchten 90 Personen den Jüdischen Friedhof in Steyr. 160 Interessierte besichtigten an diesem Tag bei schönstem Herbstwetter den “Stollen der Erinnerung”.

Bei der Langen Nacht der Museen – Samstag, 04. Oktober 2014 – gab es 178 Besucher im “Stollen der Erinnerung”.

An den beiden Tagen wurden jeweils zwei Führungen angeboten, die alle sehr gut besucht waren.