1. März 2015

„Stollen der Erinnerung“ am Weltfrauentag offen

STEYR. Anlässlich des Weltfrauentages am Sonntag, 8. März 2015 öffnet das Mauthausen Komitee Steyr den „Stollen der Erinnerung“ von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Besondere Beachtung gebührt an diesem Tag den Schicksalen der Frauen, den Zwangs-arbeiterinnen und einer Widerstandskämpferin. Das 16-jährige polnische Mädchen Leokadia Stanislawska wurde 1942 nach Steyr verschleppt und musste hier täglich 11 Stunden Zwangsarbeit leisten. „Es war Akkordarbeit und ich konnte sie nicht schaffen. Die Arbeit war zu schwer“, sagte sie. Ohne Unterstützung ihrer Arbeitskollegen hätte sie es nicht geschafft. Untergebracht war sie im Dunklhof-Lager in der heutigen Waldrandsiedlung. In selben Lager war auch Nina Kowaltschuk aus der Ukraine. „Wir wurden sehr schlecht versorgt“, sagte sie. „Das Essen war schwer hinunterzuschlucken“, pflichtete ihr Leokadia Stanislawska bei und trotzdem musste hart gearbeitet werden. Die französische Zwangsarbeiterin Paulette Callendreau kam 1944 mit 22 Jahren bei einem Bombenangriff ums Leben. Sie ist auf dem Friedhof in Steyr begraben. Die Krankenschwester Herta Schweiger gehörte einer illegalen kommunistischen Widerstandsgruppe an und unterstützte KZ-Häftlinge. Sie half auch Zwangsarbeitern und sammelte Geld für Frauen und Kinder von verhafteten Nazi-Opfern. Im Polizeigefängnis in Linz wurde sie zu Tode gefoltert. Die Schicksale dieser Frauen werden in der Ausstellung im „Stollen der Erinnerung“ mit Fotos und Dokumenten ins Bewusstsein gerufen. Der Eintritt beträgt 5 Euro (ermäßigt 3,50 Euro). Die Temperatur im Stollen beträgt ca. 8°-12° Grad. Es wird daher warme Kleidung empfohlen.

30. November 2014

Kristalltag – Goldenes Licht der Zukunft

Enthüllung der Kunstinstallation „Kristalltag“ und Eröffnung der „Goldenen Rathaus-Passage“ in Steyr

Gemeinsam mit dem Mauthausen Komitee Steyr lud der Künstler Johannes Angerbauer-Goldhoff am 6. November – im Gedenken an das antisemitische Pogrom von 1938 – zur Enthüllung des Kunstwerks „Kristalltag“ in der Steyrer Rathaus-Passage.

Ermöglicht durch die Schenkung des Künstlers und den einhelligen politischen Willen ist die Kunstinstallation der Erinnerung an damals und heute verfolgte und vertriebene Menschen gewidmet.

Angerbauer-Goldhoff, der aus persönlichen Gründen nicht anwesend sein konnte, aber intensiv in Gedanken der Feierlichkeit bewohnte, schuf das Kunstwerk im November 1998. Damals hinterließen 38 Personen, die selbst als Vertriebene auf der Flucht waren, auf dem von Blattgold überzogenen Portrait von Herschel Grünspan ihre Spuren, die wiederum mit Sicherheitsglas konserviert wurden. Die Glasscheibe wurde im Gedenken an die jüdischen Opfer der sogenannten „Reichskristallnacht“ zerschlagen.

Vize-Bürgermeister Willi Hauser würdigte das Geschenk Angerbauer-Goldhoffs an die Stadt Steyr. Vor allem der Platz in der Rathaus-Passage sei gut gewählt: „In einem Haus, in dem über die Handlungen, Normen und Zukunft der Stadt Entscheidungen fallen und das auch als Passage für viele Menschen zugänglich ist“, so Hauser, der Angerbauer-Goldhoff als einen der bedeutendsten Künstler der Jetzt-Zeit in Steyr schätzt.

Gunter Mayrhofer, Vize-Bürgermeister und Stadtrat für Kultur, dankte dem Künstler ebenso für seine Initiative und betonte die Bedeutung des Namens „Kristalltag“ als Gegensatz zur „Kristallnacht“. Denn das Novemberpogrom 1938 war eine Nacht, „die Europa nicht nur an diesem Abend, sondern auch viele Jahre danach umschlungen hielt.“ Es dauerte Jahre, bis das Licht wieder zurückkehrte.

Katrin Auer, Geschäftsführerin des Museum Arbeitswelt Steyr, verwies in ihrer Festrede auf die Intention des Künstlers, dass Gold, dessen Gewinnung nur durch Ausbeutung und Zerstörung von Mensch und Natur möglich ist und dessen Aneignung meist mit Raub und Krieg verbunden ist, Schuld in sich trägt und Verantwortung bedeutet. „Denn auch wie Gold immer wieder geschmolzen und in neue Formen gegossen werden kann, müssen wir wachsam sein, dass verbrecherische Ideologien wie der Nationalsozialismus oder Faschismus nicht in neues Gewand gekleidet wieder unser Leben bestimmen.“

Umrahmt von der musikalischen Begleitung des Instrumentalensembles des BRG Steyr unter der Leitung von Christian Hatzenbichler wurde „Kristalltag“ von Vize-Bürgermeister Hauser und Gemeinderätin Michaela Frech enthüllt, um fortan in der „Goldenen Rathaus-Passage“ den Bürgern von Steyr als Denk-Ort zum Nachdenken über Flucht und Vertreibung zu dienen.

Zur Fotogalerie “Enthüllung des Kunstobjektes Kristalltag von Johannes Angerbauer” auf e-steyr.com

Homepage von Johannes Angerbauer-Goldhoff

Fotos von Peter Röck

19. November 2014

“Stollen der Erinnerung” bekommt Förderpreis zum Österreichischen Museumspreis 2014

STEYR. Der mit € 10.000 dotierte Förderpreis zum Österreichischen Museumspreis 2014 geht an den Stollen der Erinnerung in Steyr.

„Mit dem Österreichischen Museumspreis weisen wir sichtbar auf die Qualität der vielfältigen österreichischen Museumslandschaft hin, und regen viele andere Museen dazu an, es den ausgezeichneten Häusern nachzumachen”, begründet Kulturminister Josef Ostermayr den Museumspreis, der heuer bereits zum 21. Mal vergeben wird. Den Hauptpreis erhielt das Webereimuseum Haslach, den Förderungspreis der Stollen der Erinnerung in Steyr und den Würdigungspreis das Jüdische Museum in Wien. 

Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass dem “Stollen der Erinnerung” in Steyr “ein völlig neues und unkonventionelles Museumskonzept zugrunde liegt. Geschichts-vermittlung am authentischen Ort, in der beklemmenden Atmosphäre einer unter-irdischen Stollenanlage, kann nicht nachvollziehbarer, nicht berührender empfunden werden, als es hier der Fall ist.” Seit Oktober 2013 wird im “Stollen der Erinnerung” eine Ausstellung über das Konzentrationslager Münichholz und die ZwangsarbeiterInnen von Steyr gezeigt, das die Perspektive dieser Menschen ins Zentrum der gesamten Vermittlung stellt. “Erinnerung, Widerstand und Menschenwürde sind inhaltliche Schwerpunkte, deren Thematisierung insbesondere für den schulischen Vermittlungs-bereich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, wobei anerkennend festgestellt werden muss, dass die Dramaturgie der Ausstellungskonzeption dazu führt, dass sich der Ort gleichsam selbst vermittelt“, so die weitere Begründung der hochkarätigen Jury.

Das Mauthausen Komitee Steyr ist natürlich stolz auf diese große Würdigung. Immerhin ist es seit mehr als 14 Jahren das erste Museum, das mit einer zeitgeschichtlichen Thematik diesen Preis bekommt. “Dieser Förderungspreis ist eine große Auszeichnung, die unser 15-köpfiges Komitee sehr freut und die uns bestärkt unser Engagement gegen das Vergessen fortzusetzen”, sagt Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.

Die Preisverleihung findet am 3. Dezember 2014, um 19 Uhr, im Webereimuseum in Haslach statt, der Kulturminister wird die Preise persönlich übergeben.