19. September 2014

TAG DES DENKMALS – Sonntag, 28. September 2014

Jüdischer Friedhof geöffnet

Kopfbedeckung für männliche Besucher

Am „Tag des Denkmals“, Sonntag, 28. September 2014, kann der ansonsten versperrte Jüdische Friedhof in Steyr von 14.00 bis 16.00 besichtigt werden. Der Eingang liegt am Taborweg, zwischen Schnallentor und Taborrestaurant.

Das „Haus der Gräber“ – auf Hebräisch „Beth Hachivot“ – weist 141 Gräber auf, viele auch mit hebräischen Inschriften. Der Jüdische Friedhof in Steyr wurde 1873 angelegt, nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts jüdische Familien aus Böhmen und Mähren nach Steyr zogen. 1945 sollte der Friedhof zerstört werden, aber das Kriegsende vereitelte diesen Plan. Das letzte Begräbnis fand 1992 statt.
Zu sehen ist auch das 2008 errichtete Holocaust-Denkmal mit 86 Namen der Steyrer Opfer, eine Marmorplatte mit den Spendern der ehemaligen Synagoge, ein Denkmal für die Opfer des Todesmarsches der ungarischen Juden und eine 2012 errichte Gedenkplatte mit 15 Namen von Opfer dieses Todesmarsches.
Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich das Mauthausen Komitee Steyr um den Friedhof und konnte ihn so vor dem Verfall retten. 2013 bekam das Komitee dafür den „Steyrer Panther“ – ein Preis für Verdienste um den Denkmalschutz – verliehen. Im Sommer 2014 wurden wieder 10 Grabsteine saniert. 1938 wurde die jüdische Kultusgemeinde Steyr von den Nationalsozialisten ausgelöscht, die Grabsteine des Friedhofes erzählen aber weiter etwas über das jüdische Leben in Steyr.

Die männlichen Besucher werden gebeten, dem jüdischen Brauch entsprechend, eine Kopfbedeckung zu tragen.

“Stollen der Erinnerung” geöffnet

Der “Stollen der Erinnerung” in Steyr kann am Tag des Denkmals, Sonntag, 28. September 2014, von 14.00 bis 17.00 besichtigt werden. Um 14.14 und um 15.15 werden Führungen angeboten. Den Besuchern wird empfohlen warme Kleidung zu tragen. Die Temperatur im Stollen beträgt nur 8° bis 12° Grad. Der Eingang befindet sich bei Zwischenbrücken.
Ein 140 Meter langer Stollen unter dem Schloss Lamberg, der von KZ-Häftlingen gebaut wurde, ist Schauplatz der Ausstellung. Der Weg beginnt mit den Krisen der 1930er Jahre, dem ‘Anschluss’ 1938 und dem Ausbau der Steyr-Werke zu einem führenden Rüstungskonzern. Das Schicksal der Zwangsarbeiter/innen und KZ-Häftlinge in Steyr wird anhand von Fotos, Dokumenten, Zeichnungen, Originalgegenständen und persönlichen Berichten anschaulich vermittelt. Die Befreiung 1945, der Umgang mit den Tätern, das jahrzehntelange Schweigen nach dem Krieg und der Widerstand sind weitere Themen.

5. August 2014

Gedenkfeier beim Italiener-Denkmal

10. Mai 2014

Am 10.Mai 2014 kam eine große Delegation der ANED ((Associazione nazionale ex deportati nei lager nazisti) aus Mailand nach Steyr. Beim Italiener-Denkmal am Steyrer Friedhof wurde eine Gedenkfeier abgehalten. Anwesend waren auch wieder Guiseppe Valota, dessen Vater in Steyr umkam und Raffaela Lorenzi, deren Vater u.a. auch im Nebenlager Steyr war und 14 Tage nach der Befreiung von Mauthausen an den Folgen der Lagerhaft starb.

Der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier stellte in seiner Gedenkrede den Steyrer Kripo-Beamten Franz Reichleitner, unter dessen Kommandantur im Vernichtungslager Sobibor 150 000 Juden ermordet wurden, Bischof Michael Memelauer von St.Pölten gegenüber, der 1941 das Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten öffentlich anprangerte.

Guido Valota, der Vater von Guiseppe Valota und Cesare Lorenzi, der Vater von Raffaela Lorenzi stellten sich mutig der Ideologie und dem System der Nationalsozialisten entgegen.

“Guido Valota, Cima Pericle, Cesare Lorenziund all die anderen haben für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens gekämpft. Sie haben im Grunde schon vorweggenommen, was dreieinhalb Jahre nach ihrem Tod die Vereinten Nationen in der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte formulieren werden: ” Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen.” (Art. 1), meinte Karl Ramsmaier.

Beim Gedenkstein wurden schließlich Blumen niedergelegt und eine Gedenkminute abgehalten.

 

Ehemaliger KZ-Häftling Jean-Marie Delabre bei der Befreiungsfeier in Steyr

12. Mai 2014

Neben dem neuen Präsidenten des Comite´ International de Mauthausen Guy Dockendorf konnte der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier bei der heurigen Befreiungsfeier auch einen ehemaligen Häftling des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz begrüßen. Jean-Marie Delabre aus Frankreich musste als Häftling unter unbeschreiblichen Bedingungen Luftschutzstollen für die Steyrer Bevölkerung graben. Vor der Feier besichtigte er mit der französischen Delegation die Ausstellung im “Stollen der Erinnerung”. Anwesend waren auch der Präsident der Amicale de Mauthausen Daniel Simon, Nationalrat Ing. Markus Vogl, Vizebürgermeister Wilhelm Hauser und Vertreter der katholischen und evangelischen Kirche.

Die Feier anlässlich des 69. Jahrestages der Befreiungwidmete sich dem Thema “Wert des Lebens”. Vizebürgermeister Wilhelm Hauser meinte: “Das, was in den sechs Jahren des Zweiten Weltkrieges passiert ist, macht uns heute noch fassungslos: Völkermord, Vernichtungskrieg, Rassenwahn, die Herrschaft des absolut Bösen.”

Der Gedenkredner und Historiker Martin Hagmayr wies darauf hin, dass auch 70 Menschen aus dem Raum Steyr in der Euthanasieanstalt Hartheim ermordet wurden. Darunter war auch ein noch nicht einmal zehnjähriges Mädchen aus seinem Heimatort Wolfern. Neben Gedenktafeln in den Gemeinden benötige es auch Menschen, die das Erinnern hochhalten.

Daniel Simon sprach vom mörderischen Wahnsinn der Nationalsozialisten, denen die Lebenden und das Leben vollkommen gleichgültig waren. “Wir sind befreit von der Logik des Mordes, die Menschlichkeit hat wieder Einzug gehalten – noch immer zerbrechlich, sie braucht unsere Wachsamkeit und unser Engagement.”

Musikalisch wurde die Feier vom “Instrumentalensemble” des BRG Steyr unter der Leitung von Mag. Christian Hatzenbichler gestaltet. Aufgrund des Schlechtwetters fand die Feier im Feuerwehrhaus Münichholz statt. Im Anschluss an die Feier formierte sich ein Gedenk-marsch vom Feuerwehrhaus zum KZ-Denkmal in der Haagerstraße. Dort wurden zahlreiche Kränze niedergelegt und eine Gedenkminute für alle KZ-Opfer des Nebenlagers Münichholz, aber auch für alle Euthanasie-Opfer des Raumes Steyr abgehalten.

Organisiert wurde die Feier vom Mauthausen Komitee Steyr. 20 Vereine, Parteien und Organisationen traten als Mitveranstalter auf.