23. Juni 2015

Mauthausen Komitee Steyr bekam Hans-Maršálek-Preis für den „Stollen der Erinnerung“

Im Beisein von Bundeskanzlers Werner Faymann wurde am 15. Juni 2015 im Bundeskanzleramt in Wien erstmals der Hans-Maršálek-Preis verliehen. Gestiftet wurde der Preis vom Mauthausen Komitee Österreich und der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Maršálek für herausragende Leistungen im Bereich der Gedenk-, Erinnerungs- und Bewusstseinsarbeit. „Diejenigen, die wir heute auszeichnen, haben einen ganz wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung geleistet. Aber wir müssen aus dem Gedenken an die Schrecken der Geschichte auch die richtigen Schlüsse für heute ziehen“, meinte Bundeskanzler Faymann bei der Preisverleihung.

Den ersten Platz errang das Projekt „Stollen der Erinnerung“ in Steyr. In einer 140 Meter langen, hufeneisenförmigen Stollenanlage unter dem Schloss Lamberg wird die Geschichte der KZ-und Zwangsarbeit in Steyr dargestellt. Fast 8500 Besucher aus dem In- und Ausland haben die Ausstellung bereits gesehen, über 330 Führungen wurden bereits durchgeführt. Das Projekt hat österreichweit, aber auch international bereits große Bekanntheit erlangt. Altbischof Maximilian Aichern hob in seiner Laudatio die Besonderheit der Ausstellung und den langen Weg zu ihrer Verwirklichung hervor. 10 Jahre wurde ehrenamtlich an der Verwirklichung gearbeitet, viele Hindernisse mussten überwunden werden. Willi Mernyi, der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Österreich meinte, dass ein solches Projekt nur durch große Hartnäckigkeit zu realisieren gewesen sei.

„Wir freuen uns sehr über die großartige Auszeichnung. Letztendlich war es die Begeisterung und die Unterstützung vieler, die dieses außergewöhnliche Projekt möglich gemacht haben“, so der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier. Begleitet wurden die Mitglieder des Mauthausen Komitees Steyr und die MitarbeiterInnen des Museums Arbeitswelt bei der Preisverleihung auch von Vizebürgermeister Walter Oppl.

Die zweiten Plätze belegten der Verein Kuland mit „Aus dem Gedächtnis in die Erinnerung. Die Opfer des Nationalsozialismus im Oberen Drautal“ sowie Lisa Rettl und Gudrun Blohberger für die Neugestaltung des Museums am Permanhof und die Begleitpublikation Perman. Den Würdigungspreis erhielt die Neue Mittelschule Mauthausen für ihr Projekt: „Eine Schule in Mauthausen . . . Das Leben geht weiter.“

Hans Maršálek wurde 1941 von den Nationalsozialisten wegen Widerstandstätigkeit verhaftet und im Herbst 1942 in das KZ-Mauthausen deportiert, wo er unmittelbar Zeuge der Verbrechen in Mauthausen wurde. Nach dem 2. Weltkrieg baute er das Mauthausen-Archiv und das Museum der KZ-Gedenkstätte Mauthausen auf. Er ist Autor zahlreicher Publikationen und war auch lange Zeit Leiter der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Hans Maršálek hat in den letzten Jahrzehnten ganze Generationen von ForscherInnen und Studiernden mit seinem umfangreichen Wissen über das KZ-Mauthausen versorgt. Er war bis zum Schluss sehr aktiv in der Aufklärungsarbeit über die Verbrechen der Nationalsozialisten und lange Zeit Vorsitzender der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen.

29. April 2015

BEFREIUNGSFEIER beim KZ-Denkmal

Anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz findet am Montag, 11.Mai 2015 um 17.30 beim KZ-Denkmal in der Haagerstraße die alljährliche Befreiungsfeier statt. Gedenkredner wird der ehemalige KZ-Häftling Prof. Rudolf Gelbard sein. Er war von Anfang Oktober 1942 bis Mai 1945 als Kind im KZ Theresienstadt inhaftiert. Seine Eltern starben an den Folgen der KZ-Haft. Er holte nach der Befreiung seine Ausbildung nach, arbeitete aIs Handelsvertreter und war 15 Jahre lang Redakteur beim „Kurier“. Für seine antifaschistische Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen u.a. das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Thema der heurigen Befreiungsfeier ist „Steinbruch und Zwangsarbeit“. Musikalisch gestaltet wird die Feier von der Gruppe „Solid Brass“. Bürgermeister Gerald Hackl wird die Grußworte der Stadt Steyr überbringen. Erwartet wird auch eine Delegation der Amicale de Mauthausen (Angehörige französischer KZ- Opfer).

Beim KZ-Denkmal werden Kränze niedergelegt und eine Gedenkminute abgehalten.

 Einladung zur Befreiungsfeier

„Stollen der Erinnerung“ am 1. Mai 2015 geöffnet

Das Mauthausen Komitee Steyr öffnet am 1. Mai den „Stollen der Erinnerung“ als Beitrag zum „Tag der Arbeit“. „Bis zu 10.000 Menschen aus allen europäischen Ländern wurden in Steyr in der NS-Zeit als Zwangsarbeiter ausgebeutet. Dazu kommen noch 1.500 bis 3000 KZ-Häftlinge, die unter unmenschlichsten Bedingungen Sklavenarbeit verrichten mussten. Sie arbeiteten in der Rüstungs-industrie, im Straßenbau, im Stollenbau und in der Landwirtschaft. Das sollten wir an diesem Tag nicht vergessen“, meint Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr.

Joseph Pastre aus Frankreich wurde 1943 in das Reithoffer-Lager versetzt. „12 Stunden Arbeit auf dem Montagefließband für die Armaturbretter der Messerschmidt-Flugzeuge. Die geringste Verspätung bei der Arbeit, der kleinste Fehler zog Repressalien nach sich: Fußtritte, Schläge mit dem Gewehrkolben, ständige Beschimpfungen. Wir waren keine Menschen mehr, sondern einfache Arbeitsgegenstände. Wir waren unserer Identität beraubt und lebten in ständiger Angst vor Schlägen oder Bestrafungen“, schildert er seine Zeit in Steyr.

Seine Worte, 2002 im Alter von 80 Jahren an das Mauthausen Komitee Steyr geschrieben, geben gerade am 1.Mai zu denken.

Ich wünsche niemanden die Hölle, die ich erlebt habe, zu erleben… Ich hoffe, dass die jungen Generationen die Lehren aus der Vergangenheit ziehen können, um eine Zukunft des Friedens in Brüderlichkeit zu schaffen. Ich bewahre die Hoffnung, dass man niemals wieder das erlebt, was ich so schwer vergessen kann.“

Sein Schicksal und das Schicksal der anderen Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge werden im „Stollen der Erinnerung“ mit Fotos, Dokumenten und Zeitzeugen-berichten ins Bewusstsein gerufen. Der Eintritt beträgt 5 Euro (ermäßigt 3,50 Euro). Die Temperatur im Stollen beträgt nur ca. 8°-12° Grad. Es wird daher warme Kleidung empfohlen. Geöffnet ist die Ausstellung am 1.Mai 2015 von 10.00 bis 14.00 Uhr.