20. Oktober 2016

GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF

Vor 78 Jahren, am 9. November 1938, inszenierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen zerstört und jüdische Bürger verhaftet. Auch in Steyr wurden Juden verhaftet und eingesperrt. Die Steyrer Synagoge blieb verschont, weil sie schon vorher arisiert wurde. Aus diesem Grund findet am Mittwoch, 9.November 2016 um 17.00 eine Gedenkfeier am Jüdischen Friedhof in Steyr statt.

Gedenkreden halten heuer Dr. Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums in Wien und Mag. Julia Wagner, Mitarbeiterin im Mauthausen Komitee Steyr. Julia Wagner ist verwandt mit der jüdischen Familie Sommer, die in Reichraming eine Messingfabrik besaß.

Musikalisch gestaltet wird die Feier vom Jugendchor „re-member“ unter der Leitung von Mag.Ursula Stöckl. Vertreter der Parteien und Organisationen werden mit Kränzen der Opfer gedenken. Alle Teilnehmer können als persönlichen Akt des Gedenkens vor dem Holocaust-Denkmal „Steine des Erinnerns“ niederlegen. Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Der Friedhof befindet sich am Taborweg, zwischen Schnallentor und Taborrestaurant.

Der Friedhof mit seinen 141 Gräbern wurde 1874 eingeweiht. 1945 sollte er zerstört werden, aber das Kriegsende vereitelte diesen Plan. Das letzte Begräbnis fand 1992 statt. Das Mauthausen Komitee Steyr rettete den Friedhof vor dem Verfall. 1989 wurde an der Außenmauer eine Gedenktafel errichtet, 2008 das Holocaust-Denkmal mit 86 Namen der Steyrer Opfer.

14. September 2016

TAG DES DENKMALS – Sonntag, 25. September 2016

Jüdischer Friedhof geöffnet

Kopfbedeckung für männliche Besucher

Am „Tag des Denkmals“, Sonntag, 25.September 2016, kann der ansonsten versperrte Jüdische Friedhof in Steyr von 14.00 bis 16.00 besichtigt werden. Der Eingang liegt am Taborweg, zwischen Schnallentor und Taborrestaurant. Führungen werden um 14.15 Uhr und um 15.15 Uhr angeboten.

Das „Haus der Gräber“ – auf Hebräisch „Beth Hachivot“ – weist 141 Gräber auf, viele auch mit hebräischen Inschriften. Der Jüdische Friedhof in Steyr wurde 1873 angelegt, nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts jüdische Familien aus Böhmen und Mähren nach Steyr zogen. 1945 sollte der Friedhof zerstört werden, aber das Kriegsende vereitelte diesen Plan. Das letzte Begräbnis fand 1992 statt.

Zu sehen ist auch das 2008 errichtete Holocaust-Denkmal mit 86 Namen der Steyrer Opfer, eine Marmorplatte mit den Spendern der ehemaligen Synagoge, ein Denkmal für die Opfer des Todesmarsches der ungarischen Juden und eine 2012 errichte Gedenkplatte mit 15 Namen von Opfern dieses Todesmarsches.

Seit mehr als 20 Jahren kümmert sich das Mauthausen Komitee Steyr um den Friedhof und konnte ihn so vor dem Verfall retten. 2013 bekam das Komitee dafür den „Steyrer Panther“ – ein Preis für Verdienste um den Denkmalschutz – verliehen. Im Sommer 2014 wurden 10 Grabsteine saniert, 2015 die Gedenktafel für Tempelvorstand Moritz Wurmfeld restauriert. 1938 wurde die jüdische Kultusgemeinde Steyr von den Nationalsozialisten ausgelöscht, die Grabsteine des Friedhofes erzählen aber weiter etwas über das jüdische Leben in Steyr.

Die männlichen Besucher werden gebeten, dem jüdischen Brauch entsprechend, eine Kopfbedeckung zu tragen.

„Stollen der Erinnerung“ geöffnet

Der „Stollen der Erinnerung“ in Steyr kann am Tag des Denkmals, Sonntag, 25.September 2016, von 14.00 bis 17.00 besichtigt werden. Um 14.00 und um 15.30 werden Führungen angeboten. Den Besuchern wird empfohlen warme Kleidung zu tragen. Die Temperatur im Stollen beträgt nur 8° bis 12° Grad. Der Eingang befindet sich bei Zwischenbrücken. Empfohlen wird der Besuch ab 14 Jahren.

Ein 140 Meter langer Stollen unter dem Schloss Lamberg, der von KZ-Häftlingen gebaut wurde, ist Schauplatz der Ausstellung. Der Weg beginnt mit den Krisen der 1930er Jahre, dem ‚Anschluss‘ 1938 und dem Ausbau der Steyr-Werke zu einem führenden Rüstungskonzern. Das Schicksal der Zwangsarbeiter/innen und KZ-Häftlinge in Steyr wird anhand von Fotos, Dokumenten, Zeichnungen, Originalgegenständen und persönlichen Berichten anschaulich vermittelt. Die Befreiung 1945, der Umgang mit den Tätern, das jahrzehntelange Schweigen nach dem Krieg und der Widerstand sind weitere Themen.

Kontakt:

Mauthausen Komitee Steyr
Mag. Karl Ramsmaier,
Tel. 07252/ 48765
Email: k.ramsmaier@eduhi.at
Homepage: www.mkoe-steyr.net

28. Juni 2016

25. BEFREIUNGSFEIER beim KZ-Denkmal

Am Pfingstmontag, 16.Mai 2016 fand die 25.Befreiungsfeier wegen der schlechten Witterung im Feuerwehrhaus des Löschzuges 5 in Steyr statt. Anlass war der 71. Jahrestag der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr- Münichholz. Mauthausen Komitee – Vorsitzender Karl Ramsmaier konnte viele Gäste aus dem Ausland begrüßen: den Präsidenten des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf aus Luxemburg, den Präsidenten der ‚Amicale de Mauthausen’ Daniel Simon aus Frankreich mit seiner 25-köpfigen Delegation, die Vertreter der ‚Amicale de Mauthausen Luxemburg’ und die Delegation des Deutschen Mauthausen Komitees mit Cornelia Domaschke an der Spitze. Gekommen waren auch Nationalrat Ing. Markus Vogl und Bürgermeister Gerald Hackl sowie Vertreter der Parteien und der Kirchen. 15 Organisationen fungierten als Mitveranstalter.

Internationale Solidarität“ war das Thema der heurigen Feier. Im KZ Steyr- Münichholz befanden sich Häftlinge aus allen europäischen Staaten. „Solidarität war oft eine Frage des Überlebens“, so Ramsmaier in seiner Begrüßung. Anhand von drei Beispielen schilderte er diese Erfahrungen der Solidarität im Lager. 71 Jahre zuvor – am 16.Mai 1945 – erließen die befreiten Häftlinge in Mauthausen einen Appell der Freiheit und Solidarität.

Die Aufgabe unserer Generation ist es, gegen das Vergessen anzukämpfen. Intoleranz, Rassismus und Willkür sind nicht mit dem Dritten Reich verschwunden. Man muss heute nicht weit reisen, um in Länder zu gelangen, in denen schon wieder selbsternannte Führer und Heilsbringer gegen andere Menschen hetzen, in denen versucht wird, Demokratie durch Diktatur zu ersetzen“, so Bürgermeister Gerald Hackl in seinen Grußworten.

Der Schriftsteller Erich Hackl zitierte in seiner Gedenkrede den syrisch-deutschen Erzähler Rafik Schami. „Wirken kann nur die mutige Liebe, die kein Opfer scheut, die anderen gibt, ohne Grund und Berechnung, die es ermöglicht, Krisen zu überwinden…“ Als Beispiel dafür nannte er den Vater des 14-jährigen Jose Alcubierre Perez, der seinem Sohn in Mauthausen immer wieder ein Stück Brot zusteckte. Wenige Monate später, so erzählte der heute 90-jährige, wurde sein Vater in Gusen erschlagen. Hackl berichtete auch über den Katalanen Josep Figueras – der damals nur mehr 35 Kilo wog –, „wie er hier im Lager Steyr-Münichholz dank der Hilfe eines Leidensgefährten dem sicheren Tod entkam. Josep musste mit anderen Häftlingen einen Lastwagen mit Schotter beladen, war jedoch so schwach, dass er die Schaufel nicht mehr heben konnte, als er von einem SS-Mann beobachtet wurde. Seine Nummer wurde registriert, er sollte am andern Tag mit 25 Peitschenhieben für sein Nichtstun bestraft werden und ahnte, dass er die Tortur nicht überleben würde. Er war, wie er sagt, reif fürs Krematorium. Sein Kamerad rettete ihn, indem er das Blatt Papier verschwinden ließ, auf dem Joseps Häftlingsnummer vermerkt worden war.“ Hackl stellte dann noch die Frage, wie sich heute angesichts der großen Flüchtlingswanderung „Gleichgültigkeit, Angst und Haß in Mitleid, Mitleid in Hilfe, Hilfe in Solidarität, Solidarität in Aktion verwandelt.“

Daniel Simon, der Präsident der ‚Amicale de Mauthausen’ verwies in seiner Rede auf die große Schwierigkeit der Solidarität unter den extremen Bedingungen des Lagers. Zwei Umstände sind für ihn sehr bedeutsam: 1. Die meisten Häftlinge „haben niemals zuvor die Grenzen ihres eigenen Landes überschritten“ oder eine andere Sprache gehört. Sie machten unter schlimmsten Bedingungen die Erfahrung der Unterschiedlichkeit des anderen.“ 2. Nur eine kleine Gruppe der Häftlinge hatte eine „internationale Kampferfahrung“ wie etwa die republikanischen Spanier. Schon im Lager wurde ein internationales Komitee des Widerstandes und der Befreiung gegründet. „Heute zeigt das Internationale Mauthausen Komitee die Bedrohungen auf, die die Menschenrechte auf unserem Kontinent bedrohen.“

Der Präsident des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf schlug in seinen kurzen Worten eine Brücke zu dem Terroranschlag in Paris im November 2015. Er zitierte den französischen Journalisten Antoine Leiris, dessen Frau bei dem Anschlag ums Leben kam, sich nicht vom Hass der Terroristen anstecken zu lassen. „Meinen Hass bekommt ihr nicht“, schrieb Leiris.

Beeindruckend war auch die musikalische Gestaltung der Feier durch „Die Chorreichen 17“ und den „Chor Mix-Dur“. Das Lied „Die Moorsoldaten“ war für die Franzosen sehr wichtig. Die italienische Gruppe der ANED konnte leider nicht dabei sein. Mit dem Lied „Bella Ciao“ waren sie aber trotzdem irgendwie vertreten. Die Besucher – es waren mehr als 200 gekommen – konnten an einer Wand auch Bilder von jungen Flüchtlingen betrachten.

Nach der Feier führte ein Gedenkmarsch durch Münichholz zum KZ-Denkmal in der Haagerstraße. Hier wurden Kränze niedergelegt und eine Gedenkminute abgehalten.