2. August 2018

„Stollen der Erinnerung“ als einziges österreichisches Projekt in einem deutschen Architekturbuch

In dem kürzlich in Deutschland erschienen Architekturbuch „spaces of culture and art“ werden „Museen, Veranstaltungsräume und Bibliotheken, die sich als Sprachrohr und Schauplatz von Kultur auszeichnen, sich aber vor allem als Orte verstehen, die vereinen, Begegnung fördern, Diskussionen anregen und Plätze für einen interkulturellen Austausch schaffen“ vorgestellt. 42 besonders eindrucksvolle Projekte werden in dem Buch in Deutsch und Englisch präsentiert. Die Projekte stammen aus der ganzen Welt, aus Korea, Japan, Indien, China, Angola, Israel, Frankreich, Deutschland, Kanada, Norwegen, USA, Uruguay, der Schweiz, Polen , Spanien und der Türkei. Der „Stollen der Erinnerung“ von Architekt Bernhard Denkinger ist das einzige Projekt aus Österreich. Das Projekt eines zweiten österreichischen Architekten wurde in den Niederlanden gebaut. Mit der Aufnahme des „Stollens der Erinnerung“ als Ausstellung in einem unterirdischen Raum wird die hohe Qualität dieser Ausstellungsgestaltung gewürdigt. Mit diesem Projekt in einem Buch mit Architekturprojekten von internationalem Rang vertreten zu sein, zeigt, dass der „Stollen der Erinnerung“ nicht nur ein zeitgeschichtlich besonders gelungenes Projekt ist, sondern auch gestalterisch Anerkennung über die Grenzen Österreichs hinaus gefunden hat. Schon 2014 wurde der „Stollen der Erinnerung“ mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet und 2015 mit dem Hans Marsalek-Preis. 2016 war er unter den Preisträgern des German Design Award, des renommiertesten Designer-Preises in Deutschland.

Dieser Beitrag über den ‚Stollen der Erinnerung’ in dem Buch ‚spaces of culture and art’ ist für uns eine besondere Auszeichnung. Das wird einem umso mehr bewusst, wenn man das Buch durchblättert und die sensationellen Projekte sieht, die hier beschrieben werden“, meint der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier. „Dass dieses Projekt aus Steyr aufgenommen wurde, ist schon eine kleine Sensation“, so Ramsmaier weiter. Der „Stollen der Erinnerung“ existiert nun seit fünf Jahren. Er wurde am 25.Oktober 2013 eröffnet und bisher von mehr als 17.000 Personen besucht. Fast 800 Führungen wurden bereits durchgeführt. Das Buch hat 271 Seiten, kostet € 49,95 und ist im Deutschen Architektur Verlag erschienen. ISBN 978-3946154303

26. Juli 2018

Buch „JUSTIZANSTALT GARSTEN 1938-1945“ erschienen

Am 14.März 2018, dem 80.Jahrestag der Ermordung des ehemaligen Anstaltsleiters Othmar Bereiter, wurden in der Justizanstalt Garsten zwei Gedenktafeln für die Gegner und Verfolgten des NS-Regimes enthüllt. Zu diesem Anlass verfasste der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr das Buch „Justizanstalt Garsten 1938-1945“

Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland im März 1938 kam es im ‚Zuchthaus’ Garsten zu den ersten Verhaftungen von Gegnern des NS-Regimes. Strafanstaltsdirektor Othmar Bereiter wurde schon am 14.März 1938 ermordet. Die Suche nach den Mördern wurde nach dem Krieg eingestellt, die Hintergründe nie restlos aufgeklärt. Verhaftet wurden auch Assistent Paul Fessler, der später im KZ Buchenwald ermordet wurde, Staatsanwalt Franz Nicoladoni und der Anstaltsarzt Dr. Rudolf Wichtl.

Erstmals wird in dem Buch auch die Rolle des Anstaltsleiters während der NS-Zeit Georg Blecha näher beleuchtet.

Die Gefangenen fungierten als billige Arbeitskräfte für die Steyr-Werke, den Luftschutz-bunkerbau und den Kraftwerksbau in Ternberg. Biografische Spuren der Gefangenen stellen die unschuldig inhaftierten Menschen in den Mittelpunkt: Politische Gefangene, Jüdische Gefangene, Priester, Zeugen Jehovas und Menschen, die individuell Widerstand leisteten. Die Befreiung 1945, der Umgang mit der NS-Geschichte der Strafanstalt nach 1945 und die 2018 errichteten Gedenktafeln ergänzen die biografischen Spuren.

Das Buch umfasst 72 Seiten und ist beim Mauthausen Komitee Steyr erhältlich.

Fotos: Klaus Mader

25. Juli 2018

Franzosen besorgt über Rechtstrend

Besorgt zeigte sich der Präsident der französischen Lagergemeinschaft Mauthausen Daniel Simon bei der Befreiungsfeier anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz über den Rechtstrend in Österreich und Europa. Angesichts der Flüchtlinge, die oft unsagbares Leid erfahren hätten, würde nicht selten die allgemeine Gültigkeit der Menschenrechte in Frage gestellt. Österreich müsse sich auch die Frage stellen, ob es die Erinnerung an jene Menschen wirklich bewahrt habe, die Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus als Flüchtlinge verlassen mussten.

Stadtrat Dr. Michael Schodermayr wies darauf hin, dass am Beginn des Nazi-Terrors nicht Mauthausen stand, sondern die Ausgrenzung von Menschen, die als störend, schädlich und lebensunwert gebrandmarkt wurden. “Am Beginn des Grauens stand die Spaltung der Gesellschaft“, so Schodermayr. Die bekannte Philosophin und Publizistin Dr. Isolde Charim aus Wien setzte sich in ihrer eindrucksvollen Rede mit dem Verlust von Heimat auseinander.

„Diejenigen, die ihre Heimat verlassen müssen, scheinen die Heimat derjenigen, zu denen sie flüchten, zu bedrohen. … Zum Verlust ihrer alten Heimat kommt die Verweigerung einer neuen Heimat hinzu.“ Heimat kann für Isolde Charim in einer pluralen Gesellschaft immer nur das Zusammensein von Verschiedenen sein.

Für Mauthausen Komitee-Vorsitzenden Karl Ramsmaier ist heute angesichts der Regierungsbeteiligung der FPÖ Erinnern nötiger denn je. Immer wieder kämen in dieser Partei Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus zum Vorschein, sodass man nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann. Er warnte vor jeder Verharmlosung des Rechtsextremismus.

Neben dem Präsidenten des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf aus Luxemburg und Martina Tauberova von der Tschechischen Botschaft, konnte Ramsmaier auch Bürgermeister Gerald Hackl, zahlreiche Stadt- und Gemeindräte, Vertreter der Kirchen und weiterer 25 Organisationen begrüßen. Eine feierliche Kranzniederlegung und eine Gedenkminute beim KZ-Denkmal beendete die Feier.