2. August 2011

20. Befreiungsfeier des Komitees Mauthausen-Steyr

Etwa 150 Besucher versammelten sich am 09. Mai 2011 beim Denkmal des Konzentrationslagers Steyr – Münichholz in der Haagerstraße, um die Befreiung des Außenlagers von Mauthausen in Steyr in Erinnerung zu rufen! 66 Jahre sind seit der Befreiung vergangen. 20 Jahre gibt es nun schon unsere Befreiungsfeier. Viele Besucher kennen wir von früheren Veranstaltungen. Aber immer wieder kommen neue Kundgebungsteilnehmer, die sich mit der Steyrer Vergangenheit auseinandersetzen wollen und mit Ihrer Teilnahme an der Befreiungsfeier ihr Interesse für das dunkle Kapitel unserer Lokalgeschichte bekunden.

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Befreiungsfeier in Steyr und Gedenkmarsch zum KZ-Denkmal

Neben lokalen Politikern und Vertretern der Religionsgemeinschaften beehrten uns eine Delegation der französischen Lagergemeinschaft „Amicale de Mauthausen“, unter ihnen sind auch acht Überlebende der Konzentrationslager, Vertreter der polnischen Botschaft in Wien, darunter auch Generalkonsul Tadeusz Oliwinski, erstmals auch der Betriebsrat von MAN, Herr Markus Vogl und unter den Jugendorganisationen erstmals auch Vertreter der Gewerkschaftsjugend Österreich!

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Jugendliche des ÖGJ

Künstlerischen Beiträge leisteten dieses Jahr die Schüler und Schülerinnen der HAK Steyr mit Mag. Annemarie Löv-Steiner, und die Berufsschule 2 mit Mag. Gunnar Fosen. Dem negativ besetzten „Netzwerk des Terrors“ stellten die SchülerInnen der HAK Steyr ein „Netzwerk der Menschlichkeit“ gegenüber. Von einem gespannten Netz hingen weiße Bänder, auf denen die Namen von NGO´s, Menschenrechtsorganisationen oder Menschenrechtsaktivisten angebracht worden sind.

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Netzwerk der Menschlichkeit

Die Kunstinstallation der Berufschule 2 hat bereits einen Fixplatz bei unserer Befreiungsfeier. Die Namen von verstorbenen Häftlingen des Lagers Steyr-Münichholz wurden auf weiße Holzstelen geschrieben und im Abstand von einem Meter zueinander in der Wiese unterhalb des Denkmals aufgestellt!

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Gedenkstäbe der Berufschule 2 Steyr

Musikalisch gestaltet wurde die Feier von der 4.B-Klasse des BG und WIKU Körnerstraße Linz unter der Leitung von Richard Benedik, der auch unter dem Künstlernamen „RIK“ bekannt war. Leider verstarb Richard Benedik unerwartet drei Wochen nach der Befreiungsfeier bei einem Autounfall. Wir danken Dir, lieber RIK für Dein Engagement und Dein uneigennütziges Mitwirken bei karitativen Veranstaltungen.

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Schulchor der Körnerschule mit Rik

Zum Thema der diesjährigen Befreiungsfeiern, „Netzwerk des Terrors“, hielten der Obmann des Steyrer Komitees, Mag. Karl Ramsmaier, der Bürgermeister von Steyr, Gerald Hackl, der Präsident der „Amicale de Mauthausen“, Daniel Simon, und die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich, Frau Mag. Hannah Lessing, Reden.

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Daniel Simon und Hanna Lessing, Bürgermeister Gerald Hackl, Karl Ramsmaier und Waltraud Neuhauser

Zum Abschluss wurden Kränze beim Denkmal in der Haagerstraße feierlich niedergelegt und eine Gedenkminute für die Opfer des Naziterrors abgehalten.

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Teilnehmer aus Frankreich, Kranzniederlegung, MAN-Betriebsrat Markus Vogl (links)


Die Reden der Befreiungsfeier:

Begrüßung bei der Befreiungsfeier am Montag 09.. Mai 2011 um 17.30

KZ-Denkmal in der Haagerstraße in Steyr

Sehr geehrte Damen und Herrn!

Netzwerke sind heute in der Politik, in der Wirtschaft und im sozialen Bereich wichtig geworden. „net working“ ist ein Begriff in der Managersprache geworden. Wenn wir nach Informationen suchen, gehen wir ins „Netz“ und meinen damit das Internet.

In den 1930-er und 1940-er Jahren des vorigen Jahrhunderts überzogen die Nationalsozialisten ganz Europa mit einem „Netzwerk des Terrors“. Konzentrations- und Vernichtungslager wurden aufgebaut, eigene Verfolgungsbehörden für politisch Andersdenkende geschaffen und Dienststellen zur Organisation der Vernichtung von Juden und Roma eingerichtet. Systematisch wurden Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus vielen Staaten Europa geholt um in der Rüstungsproduktion ihre Arbeitskraft ausbeuten zu können. Eigene Lager wurden für sie eingerichtet, so auch in Steyr. Man sprach hier sogar von einer „Stadt der Lager“.

Zu diesem institutionalisiertem Netzwerk kam noch ein informelles Netzwerk von Spitzeln und Denunzianten, von Mittätern und Mitläufern. Auch hier in Steyr wurden Menschen denunziert und kamen daher in das Gefängnis oder in ein KZ. Die Widerstandsgruppe in den Steyr-Werken wurde verraten, viele der Mitglieder bezahlten das mit ihrem Leben. Ohne dieses informelle Netzwerk hätte das Terrorsystem der Nationalsozialisten nie so gut funktionieren können.

Von März 1942 bis Mai 1945 stand wenige Meter von hier eine Teil von diesem „Netzwerk des Terrors“ – das KZ-Nebenlager Steyr-Münichholz. Es war eingebunden in das ganze Lagersystem von Mauthausen. Die Häftlinge mussten in der Rüstungsproduktion der Steyr-Werke und im Luftschutz-bunkerbau der Stadt Steyr schuften und jeden Tag um das eigene Leben fürchten. Am 5. Mai 1945 – also vor 66 Jahren – wurden sie durch US-amerikanische Truppen aus dieser Barbarei befreit.

Wir gedenken heute der Opfer dieses „Terror-Netzwerkes“, wir erinnern uns an die Befreiung des Lagers und versuchen uns bewusst zu machen, was heute nötig ist, damit Menschenwürde und Menschenrechte nie wieder so mit Füßen getreten werden wie damals.

Ich darf Sie alle dazu ganz herzlich begrüßen. Es ist die 20. Befreiungsfeier, die das Mauthausen Komitee Steyr organisiert, und somit auch ein kleines Jubiläum.

Besonders begrüße ich:

  • die Delegation der französischen Lagergemeinschaft „Amicale de Mauthausen“ – unter ihnen sind auch 8 Überlebende – mit ihren Präsidenten Daniel Simon, auch die Vertreter des österreichischen KZ-Verbandes.

  • den polnischen Generalkonsul Herrn Tadeusz Oliwinski und den Obmann der „Polnischen Vereinigung“ in Oö. Herrn Mario Wojciow

  • die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich Frau Mag. Hannah M. Lessing

  • Landtagspräsidentin Gerda Weichsler-Hauer

  • Bezirkshauptfrau Mag. Cornelia Altreiter-Windsteiger

  • Herrn Bürgermeister Gerald Hackl, Altbürgermeister David Forstenlechner

  • alle Stadt- und Gemeinderäte, die Vertreter der Parteien, den Bezirkssprecher der Grünen Kurt Apfelthaler

  • Herrn Dechant Ludwig Walch (r.k. Kirche), Mag. Insa Rößler (ev. Kirche) und den Pfarrer von Münichholz

P. Thomas Szczawinski.

  • den Betriebsrat von MAN Herrn Markus Vogl

  • alle Mitglieder des Mauthausen Komitees Steyr und des MKÖ

  • die Schüler und Schülerinnen der HAK Steyr mit Mag. Annemarie Löv-Steiner

(und der Berufsschule 2 mit Mag. Gunnar Fosen)

  • den Schulchor der Körnerschule Linz unter der Leitung von Herrn Richard Benedik

Haben damals die Nationalsozialisten ein „Netzwerk des Terrors“ über Europa gebreitet, so gilt es heute ein „Netzwerk der Menschlichkeit“ aufzubauen. Das beginnt in unseren Gemeinden und Städten, das betrifft das Engagement für die Menschrechte in ganz Europa und weltweit und das zeigt sich im entschiedenen Kampf gegen rechtsextreme Umtriebe in unserem Land. Im letzten Jahr hat sich gezeigt, dass hier durchaus mehr Initiative von den staatlichen Organen erwartet werden darf.

Das Mauthausen Komitee Steyr wird als Beitrag zu diesem „Netzwerk der Menschlichkeit“ in den kommenden beiden Jahren das Projekt „Lambergstollen – Stollen der Erinnerung“ realisieren. Es handelt sich dabei um eine Ausstellung über KZ und Zwangsarbeit in einer Stollenanlage im Stadtzentrum von Steyr. Steyrer KZ-Häftlinge haben diese Stollenanlage in den 1940-er Jahren gebaut. Nun soll darin vor allem Jugendlichen etwas über das „Netzwerk des Terrors“ der Nationalsozialisten bewusst werden und wir hoffen, dass sich daraus ein Engagement für Menschenwürde und Menschlichkeit entwickelt. Dieses „Netzwerk der Menschlichkeit“ aufzubauen ist für uns alle Auftrag und Verpflichtung. Darf mich bei Generalsekretärin Hannah Lessing und Bürgermeister Gerald Hackl auch ganz herzlich für Unterstützung dieses Projektes bedanken.

Nun bitte ich Herrn Bürgermeister Gerald Hackl um seine Grußworte.


Geschätzte Frau Generalsekretärin,

verehrte Kundgebungsteilnehmer!

Vor 20 Jahren hat das Mauthausen Komitee Steyr erstmals eine Befreiungsfeier für das Nebenlager Münichholz des Konzentrationslagers Mauthausen organisiert. Seither findet diese Veranstaltung regelmäßig statt. Für dieses vorbildliche Engagement bedanke ich mich sehr herzlich im Namen der Stadt und natürlich auch persönlich.

Ich bedanke mich aber nicht nur für das Engagement, sondern vor allem auch für den langen Atem und die Ausdauer. Nur so war und ist es möglich Nachhaltigkeit zu erzielen und Bewusstsein zu schaffen – Bewusstsein für die Schrecken der damaligen Zeit, Bewusstsein für grenzenlosen Hass, Intoleranz und Menschenverachtung, die in einem Ausmaß und in einer Tragweite Realität wurden, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann und am liebsten auch nicht mehr vorstellen möchte.

Aber genau das ist der Punkt. Das „sich nicht mehr vorstellen wollen“, das „nicht mehr konfrontiert werden wollen“ mit diesen unglaublichen Verbrechen an der Menschlichkeit – das kann und darf nicht möglich werden. Vielmehr müssen wir uns immer wieder ganz bewusst mit diesem Schreckensregime, mit diesen Verbrechen und Gräueln der NS-Zeit auseinandersetzen und sie nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Und wir sind in diesem Punkt vor allem auch unserer Jugend verpflichtet.

Es ist unsere Pflicht und Schuldigkeit, sie auch über die Schattenseiten unserer Geschichte offen und ehrlich zu informieren.

Nur mit dem schonungslos offenen Umgang mit den geschichtlichen Tatsachen, nur mit einem Weg, der nichts verschweigt, der nichts beschwichtigt oder gar beschönigt, können wir sicherstellen, dass aus der Geschichte gelernt, dass aus diesem so häufig formulierten Appell „Nie wieder“ auch tatsächlich ein „Nie wieder“ wird und bleibt.

In diesem Sinne verneigen wir uns hier und heute einmal mehr tief betroffen vor den Millionen Opfern des NS-Terrorregimes und im Besonderen vor den Opfern im KZ Mauthausen und seinem Nebenlager hier im Stadtteil Münichholz.

09.Mai 2011 Bürgermeister Gerald Hackl


Netzwerk für Menschlichkeit

Wir wollen ein Netzwerk gegen den Terror und ein Netzwerk für Menschlichkeit bilden.

Sich wertschätzend und achtsam begegnen,

respektvoll miteinander umgehen auch mit den ganz anderen, mit den Fremden,

sich einsetzen für Gerechtigkeit, auch wenn es einem keinen unmittelbaren Vorteil bringt,

besonders im Kleinen und Unscheinbaren das Wertvolle und Kostbare sehen –

das verstehen wir unter „Menschlichkeit“.

Die vielen Namen, die hier zu lesen sind stehen für „Menschlichkeit“ – von Aung San Suu Kyi bis Liu Xiaobo

von Allianz für Kinder bis SOS Menschenrechte. Auch mein Name, der Name von jedem einzelnen, jeder einzelnen der hier versammelten kann hier stehen – das Engagement von uns allen ist bedeutsam, damit unser Netz der Menschlichkeit sich nicht dem Terror beugt.

09.Mai 2011 HAK Steyr


Hannah M. Lessing

Rede bei der Befreiungsfeier Steyr

Thema: „Netzwerk des Terrors“

9. Mai 2011

Sehr geehrter Herr Bürgermeister!

Cher Monsieur Simon! 1

Mesdames et messieurs!

Liebe Gäste!

Ich möchte zunächst dem Mauthausen Komitee Steyr und an dessen Spitze Mag. Karl Ramsmaier für die Einladung danken – es ist mir eine Ehre, heute einige Worte an Sie zu richten. Besonders herzlich begrüßen möchte ich alle, die heute aus Frankreich ihren Weg hierher gefunden haben, um gemeinsam zu gedenken, allen voran Monsieur Daniel Simon, den Vorsitzenden der französischen Lagergemeinschaft. Auch möchte ich Ihnen die Grüße von Nationalratspräsidentin
Mag.a Barbara Prammer übermitteln, die heute zu ihrem Bedauern nicht hier sein kann.

J’aimerais saluer tous ceux qui sont venus de la France pour commémorer avec nous – avant tous le président de l’Amicale de Mauthausen, Monsieur Daniel Simon . Aussi permettez-moi de vous transmettre les meilleures salutations de la Présidente de l’Assemblée Nationale de l’Autriche, Barbara Prammer , qui regrette ne pas pouvoir être avec nous aujourd’hui.

Am 14. März 1942 wurde an dem Ort, an dem wir uns jetzt befinden, das Konzentrationslager Steyr-Münichholz eingerichtet – 30-40 primitive Holzbaracken standen hier, umgeben von zwei Reihen Stacheldraht.

Am 5. Mai 1945 wurde Steyr-Münichholz von amerikanischen Truppen befreit.

Zwischen diesen beiden Daten lagen 3 Jahre, 2 Monate und 22 Tage des Schreckens für die Menschen, die das nationalsozialistische Lagersystem hierher verschlug. Eine unendlich lange Zeit für die Gefangenen – ihre Zahl schwankte zwischen 1.000 und 2.000 Menschen, die gleichzeitig hier untergebracht waren:

Sie alle mussten unter unmenschlichen Bedingungen versuchen zu überleben: In Baracken, die sie nicht gegen die Kälte der oberösterreichischen Winter schützten, ohne ausreichende Bekleidung, nur mangelhaft ernährt und kaum medizinisch versorgt. Ausgesetzt der Willkür sadistischer Bewacher – unter ihnen auch Männer aus dieser Stadt –, ausgebeutet, misshandelt, ermordet.

Entre le 14 Mars 1942 et le 5 Mai 1945 , la terreur pris place en ce lieu du nom de Steyr-Münichholz. Chaque homme qui fut emprisonné ici, dut essayer de survivre sous des conditions inhumaines – dans des barraques qui ne protégeaint pas du froid, sans être suffisament habillé ni nourri, sans assistance médicale. A la merci des gardes sadiques – entre ceux-ci aussi des hommes de cette ville –, exploité, torturé et assassiné.

Ein ehemaliger Gefangener hat sich des Szenarios später mit folgenden Worten erinnert:

„Der Tod lauerte überall und hatte viele erschreckende Gesichter, ohne dass man Unterschiede unter den Toten ausmachen konnte: spanische Republikaner, Franzosen der Résistance, Jugoslawen, Russen oder Juden. Allen war der Stempel der Nazibarbarei aufgedrückt.“

Steyr-Münichholz war ein Nebenlager des KZ Mauthausen, eingerichtet, um Häftlinge in den Steyr-Daimler-Puch-Werken für die deutsche Rüstungsindustrie einzusetzen – eines von 40 Nebenlagern.

„Netzwerk des Terrors“ ist nicht erst seit der gegenwärtigen terroristischen Bedrohung ein sprechender Begriff für das Böse – er ist eigentlich eine Erfindung des Nationalsozialismus und seines Lagersystems: Die Ausbeutung und Ermordung von Menschen war mit zynischer Präzision gut durchdacht und wohl organisiert. Die Lager standen in reger Verbindung, sie waren vernetzt und tauschten zwischen Standorten in ganz Europa ihr „Menschenmaterial“ aus – ganz nach Bedarf zu Zwecken der Arbeit oder zu Zwecken der sofortigen Vernichtung.

In Steyr-Münichholz war der Zweck die Ausbeutung und Vernichtung durch Zwangsarbeit: Die Gefangenen mussten unter unerträglichen Bedingungen im wahrsten Sinn des Wortes um ihr Leben arbeiten. Sie arbeiteten, bis sie nicht mehr konnten und an Erschöpfung starben. Kranke und Schwache wurden meist nach Mauthausen zurückgeschickt und dort ermordet. Manche wurden auch hier im Lager umgebracht.

Les camps de concentration des Nazis formaient un véritable réseau de terreur . Steyr-Münichholz etait un de 40 camps adjoints du camp de concentration de Mauthausen , dont les prisonniers étaient employés chez Steyr-Daimler-Puch dans l´industrie d´armement allemande.

Le but de ce camps etait d´exploiter et d´annéantir par le travail forcé .

Le nombre exact des victimes de ce camps est inconnu jusqu´aujourd´hui.

Un prisonnier se souvient:

La mort guettait les hommes partout, elle avait de differents visages sans qu’on puisse distinguer entre les nations: des Républicains espagnols, des Francais de la Résistance, des Yougoslaves, des Russes, des Juifs. Tous portaient le signe de la barbarie Nazie. “

Die genaue Zahl der Opfer des KZ Steyr-Münichholz ist bis heute unbekannt.

Über das Schweigen.

„Niemals vergessen“ – diese Inschrift findet sich auf einem Gedenkstein auf dem Steyrer Urnenfriedhof, an dem Platz, wo 1948 die Asche von KZ-Häftlingen beigesetzt wurde. Und dennoch: Die Geschichte des Lagers – und mit ihr die Erinnerung an die Opfer – geriet in den auf das Kriegsende folgenden Jahren nur allzu rasch in Vergessenheit. Nach dem Krieg hat man sich in Österreich für das Schweigen entschieden – sei es aus Furcht, sei es aus Gleichgültigkeit. Das letzte Gebäude des Lagers, das noch an die Geschichte dieses Ortes erinnerte, war die Lagerkantine – man hat sie noch 1993 abgerissen.

Für diejenigen, die diesen Ort überlebt haben – einige sind heute unter uns – war hingegen ein Vergessen nicht möglich. Sie wurden durch die Erfahrungen, die sie hier machen mussten, für ihr ganzes Leben gezeichnet. Jedes Jahr kommen sie und ihre Angehörigen hierher zurück, um an dieser Gedenkfeier teilzunehmen, um sich zu erinnern und der ermordeten Kameraden zu gedenken. So wie über die Geschichte des KZ Steyr-Münichholz lange Zeit ein Mantel des Schweigens gebreitet blieb, so bedurfte es in ganz Österreich vieler Jahre, bis die Menschen bereit waren, sich der Vergangenheit zu stellen.

Le silence.

„ Jamais oublier“ – on trouve ces mots inscrits sur un monument commémoratif au cimetière de Steyr, où les cendres des victimes de ce camps de concentration fûrent enterrés en 1948.

Mais après la guerre, en Autriche, on a vite oublié l’histoire de ce camps – et on a aussi oublié les victimes. L’Autriche a choisi le silence – soit à cause de peur, soit à cause d’indifférence.

Mais pour vous – les deportés et leurs familles – il était impossible d´oublier cette place et son histoire. Vous y revenez chaque année pour vous souvenir de la souffrance et pour vous souvenir des camerades assassinés.

Des décennies sont passées jusqu’à ce que l’Autriche à commencé de penser au passé et que les Autrichiens ont osé regarder dans l’abîme de leur histoire.

Se confronter avec son passé n’est jamais facile – mais indispensable – même impératif.

Erinnerungsarbeit ist niemals leicht – und doch ist sie unerlässlich.

Über den Wert von Erinnerung.

Immer wieder seit Kriegsende standen die Menschen vor dieser Frage: Erinnern oder Vergessen? Nur allzu groß war das Bedürfnis, die schreckliche Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen.

Aber Geschichte lässt sich nicht einfach auslöschen, und Schweigen macht nichts ungeschehen. Die österreichische Gesellschaft hat in den letzten Jahren – nicht zuletzt dank des Generationenwechsels – begonnen zu begreifen: Es gibt keine Stunde Null, Geschichte ist ein Kontinuum. Die Vergangenheit wirkt in der Gegenwart fort. Die unbeantworteten Fragen, denen sich die Generationen unserer Großeltern und Eltern nicht gestellt haben, holen uns, die Generationen der Enkel und Urenkel immer wieder ein.

„Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar“, hat Ingeborg Bachmann einmal gesagt.2

Ich würde noch einen Schritt weiter gehen: Die Wahrheit über die eigene Vergangenheit und die Suche danach ist nicht nur zumutbar – sie ist sogar notwendig. Eine Gesellschaft, die ihre Vergangenheit – und sei es nur zum Teil – verleugnet, ist auf Sand gebaut. Ihr fehlt das feste Fundament, und ihren Bürgerinnen und Bürgern das Bewusstsein, woher sie kommen und wer sie sind.

La valeur de la mémoire.

Depuis la fin de la guerre les hommes se posaient la question suivante: Commémorer ou oublier?

Mais l´histoire ne se laisse pas éffacer aussi simplement – et le silence n´annule rien. La société autrichienne a pris des années – aussi grâce à la prochaine génération – pour comprendre qu´ il n´y a pas de départ à zéro, que l´histoire est un continuum. Le passé influence le présent.

Ingeborg Bachmann prononça: „La vérité est exigible de l’homme“.
Elle avait raison, et en plus: La poursuite de la vérité du passé est même necessaire:

Une société qui n´est pas consciente de son passé, est construite sur un fondament bien faible.

Der Opfer gedenken.

Wir stehen heute an diesem Mahnmal, um der Opfer dieses Ortes zu gedenken. Es ist nicht egal, wo Erinnern stattfindet: Erinnerung braucht Namen und Orte, an denen sie festgemacht werden kann.

Viele, die hier ermordet wurden, sind bis heute namenlos – und sie werden es wohl auch für immer bleiben. Umso wichtiger ist es für ihre Angehörigen, dass es diesen Ort der Trauer gibt, der den Opfern ihre Würde zurückgibt.

Für Österreich ist dieses Mahnmal darüber hinaus ein Ort, an dem das kollektive Gedächtnis einen Ankerpunkt findet – ein lieu de mémoire im Sinne des französischen Historikers Pierre Nora.

Und es ist Ausdruck der Verantwortung für die Taten der Vergangenheit – nicht nur auf nationaler Ebene, sondern gerade dort, wo die Menschen leben, in ihren Städten und Gemeinden. Denn Verfolgung fand überall statt: Täter und Opfer lebten nicht irgendwo in der Ferne, sondern mitten unter uns.

Dem Engagement des Mauthausen Komitee Steyr ist es zu verdanken, dass die jährliche Gedenkveranstaltung an diesem Mahnmal die Menschen dazu aufruft, sich der Geschichte ihrer engsten Heimat bewusst zu erinnern.

Se souvenir des victimes.

Nous nous sommes réunis aujourd´hui devant un mémorial, pour commémorer les victimes. Il n´est pas égal où la commémoration a lieu. La mémoire a besoin de noms et de lieux – lieux de mémoire selon l’historien francais Pierre Nora .

Beaucoup de ceux qui ont été assassinés ici sont restés sans noms et le resterons probablement pour toujours. Il est donc d´autant plus important pour leurs proches, que ce lieu de deuil existe, un lieu qui rend un peu de dignité aux victimes.

En plus, ce lieu est aussi une éxpression de la résponsabilité du peuple autrichien de ses actes du passé.

Themenschwerpunkt aller Gedenk- und Befreiungsfeiern in Österreich 2011 ist das „Netzwerk des Terrors“: Die Vernichtungsmaschinerie des Nationalsozialismus konnte ihre zerstörerische Wirkung nur entfalten dank der willfährigen Mitwirkung selbst der kleinsten Rädchen dieses Systems. Viele der Menschen, die in diesem Lager ermordet wurden, haben versucht, diesem mörderischen System etwas entgegenzusetzen.

Unser Vermächtnis ist es, ihre Fackel weiter zu tragen und uns ihren Mut und ihr Engagement zum Beispiel zu nehmen.

Der französische Widerstandskämpfer Stéphane Hessel hält 93-jährig in seiner Streitschrift „Empört euch!“ ein bewegendes Plädoyer gegen die Gleichgültigkeit:

Ich wünsche allen, jedem einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert. Man verbindet sich mit dem Strom der Geschichte, und der große Strom der Geschichte nimmt seinen Lauf dank dem Engagement der Vielen – zu mehr Gerechtigkeit und Freiheit.“

Notre héritage spirituel est de continuer de porter le flambeau des survivants de même que des victimes, les prendre comme éxample de leur courage et de leur engagement.

Le Combattant francais Stephane Hessel a écrit à l´âge de 93 ans le pamphlet „Indignez-vous“ – un plaidoyer contre l´indifférence.

Je cite:

Je vous souhaite à tous, à chacun de vous, d’avoir votre motif d’indignation. C’est précieux. Quand quelque chose vous indigne comme j’ai été indigné par le nazisme, alors on devient militant, fort et engagé. On rejoint ce courant de l’histoire et le grand courant de l’histoire doit se poursuivre grace à chacun. Et ce courant va vers plus de justice, plus de liberté.”

Nous nous prosternons devant les victimes de la barbarie nazie qui – forts et engagés – sont morts en ce lieux pour la liberté et la paix du monde. Ils ne doivent jamais être oubliés.

Wir verneigen uns vor den Opfern des Nationalsozialismus, die sich in diesem Sinne empört haben und die hier ihr Leben verloren haben. Ihr Leiden und Sterben für Freiheit und Frieden soll nicht vergessen sein.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

Merci.

1 Daniel Simon, Präsident der französischen „Amicale de Mauthausen

2 Ingeborg Bachmann, Dankrede anlässlich der Verleihung des „Hörspielpreises der Kriegsblinden“, 17. März 1959, Festakt im Bundeshaus in Bonn, heute ihre Grabinschrift auf dem Friedhof Klagenfurt-Annabichl.