28. Februar 2014

Fulminanter Erfolg: Besucherandrang im „Stollen der Erinnerung“

Nach zehn Jahren unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit für den „Stollen der Erinnerung“ kann das Mauthausen Komitee Steyr in seiner 25-jährigen Tätigkeit den bisher größten Erfolg vorweisen. Schon bei der feierlichen Eröffnung am 25. Oktober 2013 zählte das Museum Arbeitswelt 450 Gäste. Dieser Erfolg wurde beim „Tag der offenen Tür“ sogar verdreifacht. Bei strahlend schönem Herbstwetter sahen am Nationalfeiertag insgesamt 1.200 BesucherInnen den „Stollen der Erinnerung“. Schon beim Betreten macht der unterirdische Stollen die Enge, Angst und Aussichtslosigkeit der Jahre 1938 bis 1945 spürbar. Viele BesucherInnen verließen darum beeindruckt von der architektonischen Gestaltung durch Bernhard Denkinger und bewegt von der Fülle an Informationen, die das ehrenamtliche Team um Karl Ramsmaier und Kuratorin Regina Wonisch zusammengestellt hatte, die Ausstellung. Mitten im Herzen der Stadt, an jenem historischen Ort, der von KZ-Häftlingen zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Luftangriffen unter großen Mühen in den Fels gehauen wurde, befindet sich die Ausstellung zu KZ und NS-Zwangsarbeit in Steyr. In der 140 Meter langen, hufeisenförmigen Stollenanlage unter dem Schloss Lamberg beginnt die Ausstellung mit der Armut und Arbeitslosigkeit der 1930er Jahre, dem Erstarken des Nationalsozialismus, dem „Anschluss“ 1938 und dem Ausbau der Steyr-Werke zu einem großen Rüstungskonzern. Das Schicksal von ZwangsarbeiterInnen und KZ-Häftlingen aus vielen europäischen Ländern bildet den Schwerpunkt der Ausstellung. Deren Geschichten werden anhand von ZeitzeugInnenberichten, Fotos, Dokumenten, Zeichnungen und Originalgegenständen anschaulich vermittelt. Die Verbrennung von 4.500 Häftlingsleichen im Krematorium Steyr, der sensationelle Fund von tausend namentlich gekennzeichneten Urnen mit der Asche von KZ-Opfern, der Todesmarsch der ungarischen Juden, die Geschichte des antifaschistischen Widerstandes in Steyr, Biographien der Täter, die Befreiung im Mai 1945 sowie die Erinnerungsarbeit sind Themen der Ausstellung.

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bedankte sich in seinen Grußworten beim Mauthausen Komitee Steyr für die Gestaltung der Ausstellung und sprach sich für das „Wachhalten der Erinnerung“ aus. Für den israelischen Botschafter Aviv Shir–On ist die neue Ausstellung nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Erinnerung an die Opfer, sondern auch ein „beispielhaftes Umgehen mit der Vergangenheit“.

Mag.a Hannah Lessing, die Generalsekretärin des Nationalfonds der Republik Österreich meinte, erinnern bedeute „die Vergangenheit als Teil der eigenen Geschichte anzunehmen.“ „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“, war die zentrale Aussage von Landtagspräsident Viktor Sigl. Bürgermeister Gerald Hackl sprach von einem Gedenkort, der nicht stumm macht, sondern zur Auseinandersetzung ermutigt. Daniel Simon, der Präsident der ‚Amicale de Mauthausen’ aus Paris freute sich, dass das Schicksal der Häftlinge in den Mittelpunkt der Ausstellung gestellt wurde. Giuseppe Valota schilderte das Schicksal seines Vaters, der im April 1945 auf der Ennsbrücke in Steyr erschossen wurde. Raffaela Lorenzi übermittelte die Grußworte der Bürgermeisterin der italienischen Industriestadt Sesto San Giovanni. Der Historiker Dr. Bertrand Perz sprach von der historischen Verantwortung für die Geschichte gerade in einer Stadt wie Steyr, die durch die Steyr-Werke „Teil der NS-Kriegsmaschinerie“ war. Architekt Bernhard Denkinger brachte schließlich den Besuchern wichtige Gestaltungselemente der Ausstellung nahe. Waltraud Neuhauser vom Mauthausen Komitee Steyr erinnerte an das Schicksal der französischen Zwangsarbeiterin Paulette Callandreau und meinte, dass wir „mit dem Blick auf die Vergangenheit in der Gegenwart handeln“ müssen, gerade was das Thema Flüchtlinge betrifft. Musikalisch umrahmt wurde die Feier von der Lehrlingskapelle „MAN in black“ unter der Leitung von Manfred Banglmayr.

Nach dem Festakt im Museum Arbeitswelt wurde der „Stollen der Erinnerung“ beim Eingangstor offiziell eröffnet. Auf dem Weg dorthin regten Kunstobjekte mit dem Titel „Schatten der Vergangenheit“, gestaltet von der Gruppe Art 64, zum Nachdenken an. Leider wurden die Kunstwerke dann in der Nacht darauf mutwillig zerstört und in den Steyr-Fluss geworfen.

„Mit dem ‚Stollen der Erinnerung’ ist in unserer Stadt ein Meilenstein gegen das Vergessen gesetzt worden“, so Karl Ramsmaier, der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr. Nach der Besichtigung der Ausstellung waren viele positive Reaktionen der Besucher zu hören. Das Mauthausen Komitee Steyr war vom Interesse der Bevölkerung überwältigt.

Der Besuch im „Stollen der Erinnerung“ ist für Einzelbesucher/innen jeweils am 2.Freitag im Monat von 14.00 bis 17.00. Der Eintritt beträgt € 5.-, ermäßigt € 3,50

Gruppen können den „Stollen der Erinnerung“ gegen Voranmeldung mit Vermittlungsangeboten besuchen. Auskunft erteilt das Museum Arbeitswelt Steyr (07252/77351, www.museum-steyr.at).