8. April 2018

BEFREIUNGSFEIER beim KZ-Denkmal

Anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz findet am Montag, 07.Mai 2018 um 17.30 beim KZ-Denkmal in der Haagerstraße die alljährliche Befreiungsfeier statt.

Gedenkrednerin ist die bekannte Philosophin und Publizistin Dr. Isolde Charim. In ihrem neuen Buch „Ich und die Anderen“ beschäftigt sie sich mit der Frage, was es für den Einzelnen heißt, in einer pluralistischen Gesellschaft zu leben. In der heutigen Gesellschaft gibt es keine selbstverständliche Zugehörigkeit mehr, jede Kultur steht neben anderen, so eine ihrer Thesen. Sie setzt sich nicht nur mit der Integration von Flüchtlingen auseinander, sondern auch mit einer neuen Definition des Begriffes Heimat.

Zum Thema der heurigen Befreiungsfeier „Heimat und Flucht“ sind daher interessante Aussagen zu erwarten. Im KZ Steyr- Münichholz befanden sich Häftlinge aus fast allen europäischen Staaten. Aus ihrer Heimat vertrieben, mussten in Steyr unter unmenschlichsten Bedingungen arbeiten, in ständiger Angst um ihr Leben. Ein Fluchtversuch bedeutete den sicheren Tod. Am 5.Mai 1945 befreiten amerikanische Truppen das KZ Steyr-Münichholz. Die Überlebenden nahmen unbeschreibliche Strapazen auf sich, um wieder in ihre Heimatländer zurückzukehren.

Musikalisch gestaltet wird die Feier von Musikgruppe „Acustica“ aus Linz und auch eine Schülergruppe des ORG ROSE wird einen Beitrag gestalten.

Die Grußworte der Stadt Steyr wird diesmal Stadtrat Dr. Michael Schodermayr sprechen. Auch der Präsident der Amicale de Mauthausen, der Angehörigenorganisation französischer KZ-Opfer, wird das Wort ergreifen. Nach einer Gedenkminute werden beim KZ-Denkmal Kränze niedergelegt.

1938/2018 – Plakataktion zum Gedenken

Mauthausen Komitee in Stadt Steyr aktiv

Zitat aus Flugschrift der „Weiße Rose“-NS-Widerstandsgruppe als Plakat

500 leuchtend türkis-pinke Plakate in der Stadt Steyr sollen dem Gedenken und als Weckruf dienen: Das Mauthausen Komitee Steyr führt in diesem März – 80 Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland – eine Plakataktion durch. Im Mittelpunkt steht ein Zitat aus dem Flugblatt 1 der „Weißen Rose“, der Münchener Widerstandsgruppe um die Geschwister Sophie und Hans Scholl. Das Erinnern an den März 1938 und die NS-Diktatur soll im Gedenkjahr 2018 aktuelle Brisanz und zukunftsweisende Wirkung haben.

„Vergesst nicht, dass ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt“, schrieb die „Weiße Rose“ in ihrem ersten Flugblatt. 1943, vor 75 Jahren, wurden die Mitglieder der Widerstandsgruppe von der NS-Justiz zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Verbindung zu Steyr und Oberösterreich

In Österreich wurden die Aktivitäten dieser Kämpfer gegen den Nationalsozialismus vor allem mit München und Bayern assoziiert. Es gibt aber eine direkte Verbindung zu Steyr. Der dort aktive und schließlich verhaftete kommunistische Widerstandskämpfer Max Petek (gestorben in Steyr im Jahr 2012) war einer der letzten, der Kontakt zu Hans Scholl hatte. Im Gefängnis München-Stadelheim wurde Petek in der Nachbarzelle Scholls gefangen gehalten, bevor dieser unter das Fallbeil kam. Der auf seine Hinrichtung Wartende ist laut Petek bis zu seinem Ende optimistisch gewesen. „Es wird schon wieder anders werden“, hätten seine letzten Worte zu dem Zellennachbarn aus Oberösterreich gelautet.

Nicht zuletzt deshalb soll im März 2018 der Aufruf dieser Helden des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus in der Stadt Steyr zum Nachdenken anregen. Insgesamt intensiviert das Mauthausen Komitee im Gedenkjahr 2018 seine Aktivitäten. So ist der „Stollen der Erinnerung“ am 10. März rund um den Jahrestag des „Anschlusses“ (12. März 1938; Anm.) geöffnet. Das Komitee ist auch Mitveranstalter einer Theateraufführung des Stücks „Der Fall Gruber“ von Thomas Baum in der Michaelerkirche (23. März; Beginn: 19.30 Uhr).

Mit den Plakaten will man schließlich einen Schritt über Veranstaltungen hinausgehen und sich an die breite Öffentlichkeit wenden.

Das Gedenken an die Ereignisse des Jahres 1938 soll nicht nur eine Erinnerung an Vergangenes sein. Die NS-Gegner und Widerstandskämpfer handelten nicht nur für ihre Gegenwart. Ihr Einsatz mit dem Leben bildete auch eine Grundlage für die Demokratie in ihrer heutigen Form in Staaten wie Österreich und Deutschland.

Für das Mauthausen Komitee Steyr hat das Erinnern an die Ereignisse von 1938 und den Widerstand gegen das NS-Regime aber auch einen Zukunftsaspekt. Die Gesellschaft müsse gefährlichen Tendenzen, die Demokratie und Menschenrechte infrage stellen, frühzeitig entgegen treten.

Die Plakate mit dem Zitat aus dem Flugblatt der „Weißen Rose“ sollen buchstäblich leuchtend auf die Verbindung von Zeitgeschichte, Gegenwart und Zukunft aufmerksam machen. Wachsamkeit ist angebracht. Man denke nur an das Gedankengut, das in den Diskussionen über manche Burschenschaften in den vergangenen Wochen verstärkt publik geworden ist.