26. Juli 2018

Buch „JUSTIZANSTALT GARSTEN 1938-1945“ erschienen

Am 14.März 2018, dem 80.Jahrestag der Ermordung des ehemaligen Anstaltsleiters Othmar Bereiter, wurden in der Justizanstalt Garsten zwei Gedenktafeln für die Gegner und Verfolgten des NS-Regimes enthüllt. Zu diesem Anlass verfasste der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr das Buch „Justizanstalt Garsten 1938-1945“

Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland im März 1938 kam es im ‚Zuchthaus’ Garsten zu den ersten Verhaftungen von Gegnern des NS-Regimes. Strafanstaltsdirektor Othmar Bereiter wurde schon am 14.März 1938 ermordet. Die Suche nach den Mördern wurde nach dem Krieg eingestellt, die Hintergründe nie restlos aufgeklärt. Verhaftet wurden auch Assistent Paul Fessler, der später im KZ Buchenwald ermordet wurde, Staatsanwalt Franz Nicoladoni und der Anstaltsarzt Dr. Rudolf Wichtl.

Erstmals wird in dem Buch auch die Rolle des Anstaltsleiters während der NS-Zeit Georg Blecha näher beleuchtet.

Die Gefangenen fungierten als billige Arbeitskräfte für die Steyr-Werke, den Luftschutz-bunkerbau und den Kraftwerksbau in Ternberg. Biografische Spuren der Gefangenen stellen die unschuldig inhaftierten Menschen in den Mittelpunkt: Politische Gefangene, Jüdische Gefangene, Priester, Zeugen Jehovas und Menschen, die individuell Widerstand leisteten. Die Befreiung 1945, der Umgang mit der NS-Geschichte der Strafanstalt nach 1945 und die 2018 errichteten Gedenktafeln ergänzen die biografischen Spuren.

Das Buch umfasst 72 Seiten und ist beim Mauthausen Komitee Steyr erhältlich.

Fotos: Klaus Mader

25. Juli 2018

Franzosen besorgt über Rechtstrend

Besorgt zeigte sich der Präsident der französischen Lagergemeinschaft Mauthausen Daniel Simon bei der Befreiungsfeier anlässlich des 73. Jahrestages der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz über den Rechtstrend in Österreich und Europa. Angesichts der Flüchtlinge, die oft unsagbares Leid erfahren hätten, würde nicht selten die allgemeine Gültigkeit der Menschenrechte in Frage gestellt. Österreich müsse sich auch die Frage stellen, ob es die Erinnerung an jene Menschen wirklich bewahrt habe, die Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus als Flüchtlinge verlassen mussten.

Stadtrat Dr. Michael Schodermayr wies darauf hin, dass am Beginn des Nazi-Terrors nicht Mauthausen stand, sondern die Ausgrenzung von Menschen, die als störend, schädlich und lebensunwert gebrandmarkt wurden. “Am Beginn des Grauens stand die Spaltung der Gesellschaft“, so Schodermayr. Die bekannte Philosophin und Publizistin Dr. Isolde Charim aus Wien setzte sich in ihrer eindrucksvollen Rede mit dem Verlust von Heimat auseinander.

„Diejenigen, die ihre Heimat verlassen müssen, scheinen die Heimat derjenigen, zu denen sie flüchten, zu bedrohen. … Zum Verlust ihrer alten Heimat kommt die Verweigerung einer neuen Heimat hinzu.“ Heimat kann für Isolde Charim in einer pluralen Gesellschaft immer nur das Zusammensein von Verschiedenen sein.

Für Mauthausen Komitee-Vorsitzenden Karl Ramsmaier ist heute angesichts der Regierungsbeteiligung der FPÖ Erinnern nötiger denn je. Immer wieder kämen in dieser Partei Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus zum Vorschein, sodass man nicht mehr von Einzelfällen sprechen kann. Er warnte vor jeder Verharmlosung des Rechtsextremismus.

Neben dem Präsidenten des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf aus Luxemburg und Martina Tauberova von der Tschechischen Botschaft, konnte Ramsmaier auch Bürgermeister Gerald Hackl, zahlreiche Stadt- und Gemeindräte, Vertreter der Kirchen und weiterer 25 Organisationen begrüßen. Eine feierliche Kranzniederlegung und eine Gedenkminute beim KZ-Denkmal beendete die Feier.