21. April 2020

Symbolische Kranzniederlegung anlässlich 75 Jahre Befreiung

Befreiungsfeier beim KZ-Denkmal abgesagt

Die Befreiungsfeier anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz am Montag, 11. Mai 2020 beim KZ-Denkmal in der Haagerstraße musste aufgrund des Veranstaltungsverbotes der Bundesregierung abgesagt werden.

Wir werden aber trotzdem der Opfer gedenken und an die Menschen erinnern, die hier gelitten haben und zu Tode gekommen sind“, sagt Mauthausen-Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier. „Wir werden symbolisch einen Kranz niederlegen und stellvertretend für die französische Lagergemeinschaft ‚Amicale de Mauthausen ein Blumenbukett“, so Ramsmaier weiter. Auch beim Denkmal der Italiener am Steyrer Friedhof wird das Komitee ein Blumenbukett niederlegen und stellvertretend eines auch für die Italiener, die jedes Jahr mit 200 Personen aus Mailand nach Steyr gekommen sind. „Wenn die Angehörigen aufgrund der Corona-Krise nicht persönlich kommen können, dann machen wir das stellvertretend für sie“, ist Ramsmaier überzeugt. Das Mauthausen Komitee ist seit Jahrzehnten mit beiden Organisationen befreundet. Die Fotos von der Kranzniederlegung werden nach Frankreich und Italien geschickt.

Das Komitee wird aus Anlass des 75. Jahrestages auch ein eigenes Plakat drucken lassen, das an die Befreiung vor 75 Jahren erinnert. Zusätzlich sollen die lokalen Medien über Biographien einzelner Opfer berichten.

Gedenkredner wäre der Spitzendiplomat Dr. Wolfgang Petritschgewesen. Er war Botschafter in Belgrad und EU-Sonderbeauftragter für den Kosovo. Als solcher war er 1999 EU-Chefverhandler bei den Friedensverhandlungen von Rambouillet. Als Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina 1999 bis 2002 leitete er die Umsetzung des Friedensvertragens von Dayton. 2007 wurde er vom Europäischen Gerichtshof mit dem Europäischen Menschenrechtspreis ausgezeichnet. Er unterrichtete 2013/14 an der Havard University in den USA und ist derzeit Präsident der Austrian Marshall Plan Foundation in Wien. In seinem neuen Buch „Epochenwechsel. Unser digital-autoritäres Jahrhundert“ – 2018erschienen – beklagt Petritsch, dass die Verteidigung der Menschenrechte, die einst als unverhandelbar galten, von der Agenda verschwunden seien.

Das Themades heurigen Gedenkens „Menschlichkeit ohne Grenzen“ bleibt trotzdem aktuell. Die Nationalsozialisten erreichten durch ihre Propaganda auch schon vor ihrer Machtergreifung, dass viele Menschen ihr menschenfeindliches, rassistisches und antisemitisches Gedankengut übernahmen. Grenzen in den Gedanken wurden zu Grenzen zwischen Menschen. Auf der einen Seite die wertvollen Menschen und auf der anderen Seite die Minderwertigen. Man sprach bei Menschen mit Beeinträchtigung sogar von ‚lebensunwertem’ Leben. Juden, Roma und Sinti, politische Gegner und viele andere wurden verfolgt und ermordet. Auch im KZ-Nebenlager Steyr trennte ein Stacheldraht die KZ-Häftlinge von den anderen Bewohnern. Selbst in den Lagern wurde eine Kategorisierung der Häftlinge durch den „Häftlingswinkel“ eingeführt. Das beeinflusste die Chance auf das Überleben und sollte der Menschlichkeit zwischen den Häftlingen entgegenwirken.

Im KZ-Nebenlager Steyr Münichholz waren 1500 bis 3000 Häftlinge aus allen europäischen Staaten untergebracht. Unter ihnen befand sich auch der polnische Priester Edward Lubowiecki, der Sekretär des Erzbischofs von Krakau war. Er war beim Bau der Stollenanlage beim Krankenhaus eingesetzt. Manchmal konnten ihm Krankenschwestern eine Kleinigkeit zum Essen zustecken. Er überlebte und kümmerte sich nach dem Krieg um die polnischen Flüchtlinge. Am 5.Mai 1945 befreiten amerikanische Truppen das KZ Steyr-Münichholz. Die Überlebenden litten noch Jahrzehnte an ihrer menschlichen Entwürdigung, viele Angehörige wussten oft Jahre nicht, wo ihre Verwandten zu Tode kamen.