25. BEFREIUNGSFEIER beim KZ-Denkmal

Am Pfingstmontag, 16.Mai 2016 fand die 25.Befreiungsfeier wegen der schlechten Witterung im Feuerwehrhaus des Löschzuges 5 in Steyr statt. Anlass war der 71. Jahrestag der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr- Münichholz. Mauthausen Komitee – Vorsitzender Karl Ramsmaier konnte viele Gäste aus dem Ausland begrüßen: den Präsidenten des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf aus Luxemburg, den Präsidenten der ‚Amicale de Mauthausen’ Daniel Simon aus Frankreich mit seiner 25-köpfigen Delegation, die Vertreter der ‚Amicale de Mauthausen Luxemburg’ und die Delegation des Deutschen Mauthausen Komitees mit Cornelia Domaschke an der Spitze. Gekommen waren auch Nationalrat Ing. Markus Vogl und Bürgermeister Gerald Hackl sowie Vertreter der Parteien und der Kirchen. 15 Organisationen fungierten als Mitveranstalter.

Internationale Solidarität“ war das Thema der heurigen Feier. Im KZ Steyr- Münichholz befanden sich Häftlinge aus allen europäischen Staaten. „Solidarität war oft eine Frage des Überlebens“, so Ramsmaier in seiner Begrüßung. Anhand von drei Beispielen schilderte er diese Erfahrungen der Solidarität im Lager. 71 Jahre zuvor – am 16.Mai 1945 – erließen die befreiten Häftlinge in Mauthausen einen Appell der Freiheit und Solidarität.

Die Aufgabe unserer Generation ist es, gegen das Vergessen anzukämpfen. Intoleranz, Rassismus und Willkür sind nicht mit dem Dritten Reich verschwunden. Man muss heute nicht weit reisen, um in Länder zu gelangen, in denen schon wieder selbsternannte Führer und Heilsbringer gegen andere Menschen hetzen, in denen versucht wird, Demokratie durch Diktatur zu ersetzen“, so Bürgermeister Gerald Hackl in seinen Grußworten.

Der Schriftsteller Erich Hackl zitierte in seiner Gedenkrede den syrisch-deutschen Erzähler Rafik Schami. „Wirken kann nur die mutige Liebe, die kein Opfer scheut, die anderen gibt, ohne Grund und Berechnung, die es ermöglicht, Krisen zu überwinden…“ Als Beispiel dafür nannte er den Vater des 14-jährigen Jose Alcubierre Perez, der seinem Sohn in Mauthausen immer wieder ein Stück Brot zusteckte. Wenige Monate später, so erzählte der heute 90-jährige, wurde sein Vater in Gusen erschlagen. Hackl berichtete auch über den Katalanen Josep Figueras – der damals nur mehr 35 Kilo wog –, „wie er hier im Lager Steyr-Münichholz dank der Hilfe eines Leidensgefährten dem sicheren Tod entkam. Josep musste mit anderen Häftlingen einen Lastwagen mit Schotter beladen, war jedoch so schwach, dass er die Schaufel nicht mehr heben konnte, als er von einem SS-Mann beobachtet wurde. Seine Nummer wurde registriert, er sollte am andern Tag mit 25 Peitschenhieben für sein Nichtstun bestraft werden und ahnte, dass er die Tortur nicht überleben würde. Er war, wie er sagt, reif fürs Krematorium. Sein Kamerad rettete ihn, indem er das Blatt Papier verschwinden ließ, auf dem Joseps Häftlingsnummer vermerkt worden war.“ Hackl stellte dann noch die Frage, wie sich heute angesichts der großen Flüchtlingswanderung „Gleichgültigkeit, Angst und Haß in Mitleid, Mitleid in Hilfe, Hilfe in Solidarität, Solidarität in Aktion verwandelt.“

Daniel Simon, der Präsident der ‚Amicale de Mauthausen’ verwies in seiner Rede auf die große Schwierigkeit der Solidarität unter den extremen Bedingungen des Lagers. Zwei Umstände sind für ihn sehr bedeutsam: 1. Die meisten Häftlinge „haben niemals zuvor die Grenzen ihres eigenen Landes überschritten“ oder eine andere Sprache gehört. Sie machten unter schlimmsten Bedingungen die Erfahrung der Unterschiedlichkeit des anderen.“ 2. Nur eine kleine Gruppe der Häftlinge hatte eine „internationale Kampferfahrung“ wie etwa die republikanischen Spanier. Schon im Lager wurde ein internationales Komitee des Widerstandes und der Befreiung gegründet. „Heute zeigt das Internationale Mauthausen Komitee die Bedrohungen auf, die die Menschenrechte auf unserem Kontinent bedrohen.“

Der Präsident des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf schlug in seinen kurzen Worten eine Brücke zu dem Terroranschlag in Paris im November 2015. Er zitierte den französischen Journalisten Antoine Leiris, dessen Frau bei dem Anschlag ums Leben kam, sich nicht vom Hass der Terroristen anstecken zu lassen. „Meinen Hass bekommt ihr nicht“, schrieb Leiris.

Beeindruckend war auch die musikalische Gestaltung der Feier durch „Die Chorreichen 17“ und den „Chor Mix-Dur“. Das Lied „Die Moorsoldaten“ war für die Franzosen sehr wichtig. Die italienische Gruppe der ANED konnte leider nicht dabei sein. Mit dem Lied „Bella Ciao“ waren sie aber trotzdem irgendwie vertreten. Die Besucher – es waren mehr als 200 gekommen – konnten an einer Wand auch Bilder von jungen Flüchtlingen betrachten.

Nach der Feier führte ein Gedenkmarsch durch Münichholz zum KZ-Denkmal in der Haagerstraße. Hier wurden Kränze niedergelegt und eine Gedenkminute abgehalten.