Gedenkfeier zu den Novemberpogromen des Jahres 1938 in Steyr

Das Geschehene soll nicht vergessen, sondern Mahnung sein!

Veranstaltungen zwischen dem Erinnern an die NS-Verbrechen, neuen Begegnungen mit dem Judentum und aktuellen Gefahren nach dem mörderischen Anschlag auf die jüdische Synagoge in Halle in Deutschland.

Von größerer Aktualität könnten diese Veranstaltungen des Mauthausen Komitees Steyr rund um den Jahrestag der Novemberpogrome des Jahres 1938 nicht sein: Nur wenige Tage nach dem Anschlag eines Rechtsradikalen auf eine Synagoge in Halle in Deutschland und zwei Todesopfern findet die jährliche Gedenkfeier am jüdischen Friedhof von Steyr (Donnerstag, 7. November; 17.00 Uhr) mit einer Rede des Schweizer Autors Thomas Mayer statt, der in seinen Werken („Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“ und aktuell „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“) Leben und Schicksale des Judentums beleuchtet.

Gerade diese literarischen Werke mit hohem Anspruch stehen am 7. November im Anschluss an die eigentliche Gedenkfeier, die in diesem Jahr zum 30. Mal stattfindet, im Mittelpunkt einer Lesung von Thomas Mayer „Museum Arbeitswelt“ (19.00 Uhr) mit Texten aus seinem gerade zweiten im Diogenes Verlag herausgekommenen „Wolkenbruch-Roman“ und Diskussionsrunde.

Stand im ersten Buch (2012/2014) noch die Selbst-Emanzipation eines jungen Mannes aus orthodoxem jüdischen Elternhaus im Mittelpunkt, ist es nun in seinem zweiten Roman in diesem Umfeld auch die Verbreitung von Hass und Hetze im Internet: ein höchst aktuelles und längst nicht nur im Umfeld von Terrorakten registriertes Phänomen.

Verschüttet und vergessen – jetzt wieder lebendig: Steyrs jüdisches Erbe

Viele Jahrzehnte lang war das Erbe des durch den Nationalsozialismus vernichteten Judentums auch im oberösterreichischen Steyr verschüttet und vergessen. Das lokale Mauthausen Komitee versucht gemeinsam mit engagierten Mitstreitern, diesen Teil der Geschichte rund um das Gedenken an die Pogrome zumindest zu einem Teil wiederzubeleben: durch Kulinarik!

Im „Museum Arbeitswelt“ gibt es nach Lesung und Diskussion die berühmte „Goldene Brühe“, die aus dem Jüdischen stammende Hühnersuppe, flüssiger „Bernstein“, in der Farbe mit einer Prise Safran verstärkt: Die Medizin weiß längst – es ist das „rezeptfreie jüdische Penicillin“ wegen seiner angeblich keimabtötenden Wirkung. Die Knödel aus Matzenmehl waren eine Spezialität für das Pessachfest (Ostern). Und dann gibt es noch Apfelkuchen als jüdisches Standardgebäck.

Auf ins „kleine Schwarze“!

Einen gemütlichen und sagenhaft süßen Rahmen stellt das Kaffeehaus „Das kleine Schwarze“ in Steyr am Grünmarkt her: Donnerstag, 7. November und am Freitag, 8. November, gibt es dort den bekannt köstlichen Kaffee – und traumhafte jüdische Süßigkeiten.

Für den Abschluss – immerhin beginnt ja Freitagnachmittag der jüdische Schabbat – findet im „kleinen Schwarzen“ am 8. November (16.00 Uhr) mit allen Anwesenden der Start ins Wochenende statt. Mit L’Chaim wird angestoßen.

Damit nicht genug: Mag.a Julia Wagner vom Mauthausen Komitee Steyr wird dabei erklären, welche Bedeutung der Schabbat hat, und wo er sich – zum Teil versteckt – auch in nicht-jüdische Alltagskultur eingeschlichen hat. Was hat der Schabbat zum Beispiel mit einem Sabbatical zu tun?

Als Draufgabe gibt es zu Kaffee und Süßigkeiten auch Aufklärung darüber, warum der US-Trompeter- und Jazzlegende Louis Armstrong Jiddisch gesprochen hat, welches musikalische Schwergewicht sich hinter dem Namen Robert Zimmermann verbirgt und was das alles mit Stars wie David Guetta und Amy Winehouse zu tun hat.

Gedenkfeier und Rahmeprogramm im Überblick:

  • Do 07.11.19 Gedenkfeier Jüdischer Friedhof
    Ort: Taborweg 6, 4400 Steyr
    17:00 Uhr
  • Do 07.11.19 Lesung und Diskussion Thomas Meyer „Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin“
    Ort: Museum Arbeitswelt Steyr
    19:00 Uhr
  • Fr 08.11.19 Süßes & Bitteres- auf ins jüdische Wochenende im „Kleinen Schwarzen“
    Ort: Das kleine Schwarze – Grünmarkt 4, 4400 Steyr
    16:00 Uhr