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Der Todesmarsch der ungarischen Juden

Im März und April 1945 wurden tausende Juden, die bei der Errichtung des sog. ,,Südostwalls“ – einer Befestigungsanlage zur Abwehr der Roten Armee – Zwangsarbeit verrichten mussten, aus dem Burgenland nach Mauthausen und weiter nach Ebensee und Gunskirchen getrieben. Sie waren schon beim Abmarsch völlig entkräftet. Eine Route führte vom Südburgenland über Graz, Bruck a.d.Mur, Leoben, Eisenerz, Hieflau, Kleinreifling, Weyer, Großraming, Reichraming Losenstein, Ternberg und Garsten nach Steyr. Von dort führte der Marsch über Hargelsberg und Enns nach Mauthausen ging. Einer dieser Märsche dürfte auch über das Steyr- und Kremstal geführt haben.

Unbeschreibliche Szenen spielten sich bei diesen Märschen ab, wie Zeitzeugen, Pfarr-und Gemeindechroniken berichten: „Ausgehungerte, zum Skelett abgemagerte Jammergestalten,.., schleppten sich kraftlos durch das Ennstal“. „Der Zug bot ein Bild des Grauens, wie die ausgemergelten Gestalten dahinwankten“. Genächtigt wurde unter freiem Himmel und es gab oft tagelang keine Nahrung, sodass die Häftlinge oft Gras und Schnecken aßen. Wer nicht mehr weiter konnte, wurde erschossen oder in die Enns geworfen. Der Auftrag an die Bewachung war, dass höchstens 10% überleben sollten. Die Bewacher, hauptsächlich Volkssturmleute aus dem Ennstal unter der Leitung einer SS-Gruppe, ließen ihrem Sadismus freien Lauf. Exhumierungen nach dem Krieg bestätigten, dass viele Juden auch mit dem Gewehrkolben erschlagen wurden. Vereinzelt gab es in der Bevölkerung Versuche, den Juden Brot oder gekochte Erdäpfel zuzustecken. Die Wachen reagierten darauf mit brutalen Drohungen.Wenn sich die Häftlinge dann danach bückten, wurde auf sie geschossen. Die Toten wurden auf einem Leiterwagen aufgesammelt oder einfach im Straßengraben liegengelassen und später dort beerdigt. „Die grausamsten Bilder, zugleich furchtbare Dokumente der Verrohung und Entchristlichung unseres Volkes, sah man …auf den Straßen. Die Straßen waren voller Blutlachen“, schreibt der Pfarrer von Aschach a.d.Steyr in die Pfarrchronik. Tatsächlich ist dieser Marsch eines der verdrängtesten Kapitel der Eisenstraße und zugleich eines der dunkelsten. „Dieses Judentreiben war die größte Kulturschande, die das Ennstal je gesehen hat“, schreibt die Pfarrchronik von Kleinreifling.