Home Informationen Todesmarsch Ennstal

Der Todesmarsch im Ennstal

Kleinreifling

„In den ersten Tagen dieser Woche (ab 8.4.) gingen drei größere Judentransporte auf der Eisenstraße durch. Kzler, die Kaum noch einem Menschen gleichsahen, wurden von der Untersteiermark her durchgetrieben. Vier Wochen waren sie schon auf der Tour und zu essen bekamen sie buchstäblich nichts. Sie konnten auch kaum mehr weiter und viele blieben tot liegen. Der erste Trieb umfasste 1.800, der zweite 600, der dritte 560 Leute.“ (Pfarrchronik Kleinreifling)

Weyer

„Der Zug bot ein Bild des Grauens, wie die ausgemergelten Gestalten dahinwankten…..Zwei der Juden, die nicht mehr weiter konnten, wurden über die Brücke in die Enns geworfen. (Pfarrchronik Weyer)

Großraming

Die Pfarrchronik spricht von einem „schauderhaften Ereignis“, als am 11. und 12.April 1945 an die 5.000 Juden durchgetrieben wurden. „Viele gingen auf dem Wege zugrunde. Sie verzehrten Schnecken und Gras am Wegesrand, wenn sie irgendwo lagerten“ Vor lauter Hunger vertilgten sie ein verendetes Pferd bis auf die Knochen. (Pfarrchronik Großraming) Die Gendarmerie berichtet, dass einige Juden, die krank waren und nicht mehr gehen konnten, erschossen und in die Enns geworfen wurden, wo sie abtrieben.

Reichraming

In Reichraming gab es einige, die gekochte Erdäpfel vor die Türe gestellt haben, wenn sie erfahren haben, dass wieder Juden getrieben wurden. Andererseits gab es Volkssturmleute aus diesem Ort, die mit besonderer Brutalität gegen die Juden vorgingen. Völlig erschöpfte Juden wurden brutal erschossen oder mit dem Gewehrkolben erschlagen. Manche rühmten sich auch noch ihrer schändlichen Taten. Nach dem Krieg wurden einige zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

Losenstein

Der Losensteiner Volkssturmkommandant erteilte seinen Leuten den Befehl: “ Männer! Ich lege euch dies ans Herz, dass man zum Niederschlagen nicht die Gewehrkolben verwenden soll, weil um das Gewehr schade ist, sondern legts die Juden gleich um, weil sie ohnehin nicht mehr nach Mauthausen kommen sollen.“ In Losenstein gab es aber auch Leute, die einen Waschkessel gekochte Erdäpfel an die Häftlinge verteilen konnten obwohl gegen derartige Aktionen immer harte Strafen angedroht wurden. „Wer das gesehen hat, kann es nicht mehr vergessen“, sagt ein Zeitzeugin.

Ternberg

In Ternberg wurden von Volkssturmleuten 16 total erschöpfte Juden einfach erschossen. „Ich habe gesehen, wie sie Gras ausgerissen haben vor Hunger, und Rüben. Wenn sie erwischt wurden, wurden sie brutal ausgepeitscht“, erzählt eine Zeitzeugin. Ingesamt wurden in Ternberg 30 Juden im Straßengraben verscharrt und nach dem Krieg exhumiert. Dabei wurden schwere Schädelverletzungen durch die Anwendung stumpfer Gewalt festgestellt.

Garsten

„Sie wurden in einem unbeschreiblichen Zustand auf der Straße nach Steyr getrieben; langsam können sie sich nur fortbewegen, voll Hunger und übermüdet; Gras, Schnecken und was ihnen halt unterkommt suchen sie und essen es mit Gier; viele bleiben liegen, werden aber wieder aufgetrieben mit Schlägen und Tritten; wer gar nicht mehr weiterkommt, wird einfach erledigt, mit dem Gewehrkolben oder mit Fußtritten oder Genickschuss und dann in die Enns geworfen. Niemand darf ihnen etwas geben… (Pfarrchronik Garsten)

Steyr

„Rechts und links der Straße sah man die vollkommen abgemagerten Gestalten hinfallen und sterben. (…) Lebende und Tote wurden auf ein Lastauto geworfen und zum Friedhof geführt. Die Totengräberin weigerte sich, Lebende zu begraben, das sei in Steyr nicht üblich“ Auch ein Aufseher des KZ Steyr-Münichholz beaufsichtigte diesen Marsch und schlug Juden.

Hargelsberg

Auch hier stellten Leute gekochte Erdäpfel an den Straßenrand. Wenn sich die KZ-Häftlinge aber darum bückten, wurde ihnen in die Hand geschossen. Ein Bauer sammelt auf einem Leiterwagen die Toten. 10 Juden wurden im Gemeindegebiet von Hargelsberg erschossen. Eine Zeitzeugin aus Hargelsberg nannte die Juden dieses Marsches „wandernde Tote“.

Kronstorf

Im Friedhof von Kronstorf sind Opfer dieses Marsches bestattet.

Mauthausen

Tausende ungarische Juden hatten kaum Mauthausen erreicht, als dieser Marsch des Todes schon weiterging. Von Mauthausen führte der Weg über Enns, Asten, St. Florian, Ansfelden, Weißkirchen, Schleißheim, Thalheim und Wels nach Gunskirchen.

15.000 kamen dort an, wo sie in Baracken ohne Wasser und Nahrung dahinsiechten und starben. Am 4. Mai 1945 wurde dieses Lager von den Amerikanern befreit. Zwischen 15.000 und 18.000, meist ungarische Juden, lebten zu diesem Zeitpunkt unter unbeschreiblichen Bedingungen im Lager.

1979 wurden die Massengräber aufgelassen und die Überreste der 1.227 getöteten Häftlinge in den Friedhof der Gedenkstätte Mauthausen überführt. Heute steht in Gunskirchen an der Bundesstraße 1 ein Gedenkstein