Home Informationen Jüdisches Steyr Broschüre „Der jüdische Friedhof in Steyr“

Auf den Spuren der Steyrer Juden: Neue Broschüre über den Friedhof am Tabor

STEYR. Seit dem Jahr 1992 kümmert sich das Mauthausen Komitee um den Friedhof.

Karl Ramsmaier mit der Infobroschüre über den am 4. Mai 1874 eingeweihten jüdischen Friedhof in Steyr, der vom Mauthausen Komitee Steyr betreut und vor dem Verfall bewahrt wird.

„Diesen jüdischen Friedhof in Steyr vor dem Verfall zu bewahren, ist eine Form des Widerstandes gegen die Gräueltaten der Nazis“, sagt Karl Ramsmaier, Vorsitzender des Mauthausen Komitees Steyr: „Es darf ihnen nicht gelingen, die jüdischen Mitbürger, die ein wesentlicher Teil unserer Stadt waren, aus unserem Gedächtnis zu löschen.“ Ende des 19. Jahrhunderts war Steyr die Heimat für rund 200 Juden. Großteils waren sie Kaufleute, Handwerker und Intellektuelle, und gut integriert in der Stadt. Doch schon wenige Wochen nach dem „Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland änderte sich die Situation für sie schlagartig, wurden erste Personen- und Vermögenslisten angelegt, und bald auch die ersten Steyrer Juden verhaftet. Am 1. Oktober 1938 wurde von der Gestapo schließlich die Israelitische Kultusgemeinde Steyr aufgelöst.

Die Erinnerungen an das jüdische Steyr wurden jedoch nicht gänzlich getilgt. Die ehemalige Synagoge in der Pachergasse ist das einzige Synagogengebäude Oberösterreichs, das die Nazi-Herrschaft überdauert hat. Und auch der jüdische Friedhof am Tabor, der heute der israelitischen Kultusgemeinde gehört und der auch den Gedenkstein an die 86 Holocaust-Opfer der Stadt beherbergt, ist ein Relikt in Steyr. Am 9. November 1989 enthüllte der damalige Bürgermeister Heinrich Schwarz eine Gedenktafel an der Außenmauer des Jüdischen Friedhofes, der vom Wieserfeldplatz aus über die Uprimny-Stiege erreichbar ist. Seit 1992 kümmert sich das Mauthausen Komitee Steyr um die Pflege der 144 Grabsteine.

„Wir sanieren jedes Jahr einige dieser Grabsteine, um sie für die Nachwelt zu erhalten und auch, damit die Sicherheit gewährleistet ist“, sagt Ramsmaier: „Unser Ziel ist es, dass der Friedhof während der Landesausstellung 2021 zugänglich ist, als letzte Erinnerung an das jüdische Bürgertum in Steyr.“

Kürzlich wurde vom Mauthausen Komitee nun auch eine Broschüre mit vielen Fotos und zahlreichen Infos über den jüdischen Friedhofs Steyr herausgegeben: „Wir wurden bei unseren Führungen immer wieder gefragt, ob es nicht eine kompakte Information dazu gibt“, sagt Ramsmaier. Die Broschüre ist um 5 Euro im Museum Arbeitswelt, im Tourismusbüro im Steyrer Rathaus und in der Buchhandlung Ennsthaler erhältlich.

Vorurteile gegenüber Juden seien aber nach wie vor in der Gesellschaft verankert, weiß Ramsmaier: „Wir sehen aber, dass Jugendliche ein völlig anderes Bewusstsein für die Geschichte der Stadt erhalten, wenn sie von den Schicksalen der verfolgten Menschen aus ihrer Stadt erfahren.“

Führungen auf den Spuren der Steyrer Juden werden nach Vereinbarung mit dem Mauthausen Komitee Steyr oder dem Museum Arbeitswelt angeboten. Am 7. November 2019 findet am Jüdischen Friedhof die 30. Gedenkfeier statt.

Quelle: OÖN – Steyrer Zeitung, 4.4.2019