Home Informationen Jüdisches Steyr Jüdischer Friedhof

Der jüdische Friedhof in Steyr

Im Jahre 1873 wurde der Bau des israelitischen Friedhofs beschlossen und eine Chewra Kadischa (Krankenpflege- und Beerdigungsverein) gegründet.

In einer Versammlung aller Mitglieder am 17. November 1873 wurde durch freiwillige Spenden das Geld aufgebracht und gleichzeitig eine Chewra Kadischa konstituiert. Als 1. Vorsteher wurde Isidor Weinwurm gewählt. 16 Namen scheinen als Gründungsmitglieder auf.

Im April 1874 wurde der Bau des Friedhofs in Angriff genommen. zum Bildmaterial #1 (Jüdischer Friedhof) Das Grabregister vermerkt die Gräber von 1874 bis 1899, während das Friedhofsregister 141 Gräber aus der Zeit von 1874 bzw. 1899 bis 1937 erfasst. Dazu kommen noch einige wenige Gräber aus späterer Zeit, die nicht mehr alle identifiziert werden können, da es darüber keine Aufzeichnungen gibt. Es handelt sich dabei vor allem um die Gräber der Bewohner/innen des jüdischen Flüchtlingslagers, das nach Kriegsende in Steyr bestand. Das letzte Grab gehört Friedrich und Elena Uprimny. zum Bildmaterial #2 (Uprimny Grab)

Auf dem Friedhofsgelände befindet sich auch ein Kinderfriedhof. Das Friedhofsregister weist von 1874-1924 51 Kindergräber aus, das letzte datiert vom 4. 11. 1924. Ein Grab ist das eines Erwachsenen, nämlich das von Moriz Zürner, einem Häftling der Frohnfeste in Steyr, der im St. Anna Spital im Juli 1892 im Alter von 26 Jahren verstorben ist.

Dieser Kinderfriedhof wurde leider im Zuge der Abrissarbeiten an der Zeremonienhalle in den sechziger Jahren zerstört und eingeebnet. Heute erinnert ein Gedenkstern an diesen Kinderfriedhof.

Weiters befindet sich auf dem Friedhof ein Massengrab mit über 100 ungarischen Juden und Jüdinnen, welche in den letzten Kriegstagen durch das Ennstal in Richtung KZ Mauthausen getrieben und auf diesem „Todesmarsch“ ermordet wurden. zum Bildmaterial #3 (Todesmarsch)

Gemäß jüdischer Tradition befindet sich ein Selbstmördergrab außerhalb des geschlossenen Gräberfeldes. Dabei handelt es sich um das Grab von Isidor Weinwurm, Gründungs- und Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa.

Am 9. November 1989 wurde an der Außenmauer des Friedhofs eine Gedenktafel vom Komitee Mauthausen gemeinsam mit der Stadt Steyr mit folgender Inschrift angebracht:

„Hier befindet sich der Friedhof unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Er erinnert an ihre jahrhundertelange Ansiedlung in Steyr bis zur Vertreibung und Ermordung in Konzentrationslagern durch das menschverachtende NS-Regime. Ein Massengrab von ungarischen Juden, die auf dem Weg nach Mauhausen 1945 ermordet wurden, mahnt uns, die unsagbare Leidensgeschichte der jüdischen Bevölkerung nie zu vergessen. 9. November 1989.“zum Bildmaterial #4 (Jüdischer Friedhof)

Der jüdische Friedhof wurde im Sommer 1990 von zwei internationalen Jugendsommerlagern renoviert, das Renovierungsprojekt im folgenden Jahr abgeschlossen.

Nach langwierigen Verhandlungen gelang es im Jahr 2002 die ehemalige Friehofstiege nach dem letzten Juden Friedrich Uprimny umzubenennen und 2003 eine Stele zur Erinnerung an die Familie Uprimny, die jüdische Kultusgemeinde und den jüdischen Friedhof zu errichten. zum Bildmaterial #5, #6 (Stele und Uprimnystiege)

Quelle:

Waltraud Neuhauser-Pfeiffer, Karl Ramsmaier: Vergessene Spuren. Die Geschichte der Juden in Steyr (Edition Geschichte der Heimat, 2. Auflage, Grünbach 1998)“