Home Informationen Jüdisches Steyr Die Sanierung des Jüdischen Friedhofes

Sanierung des Jüdischen Friedhofes

Renovierung durch ein internationales Jugendsommerlager 1990

Im Herbst 1989 wurde begonnen, für Sommer 1990 ein internationales Jugendlager zur Renovierung des Jüdischen Friedhofes in Steyr zu organisieren.

Die Mitarbeiter/innen von ‚Mauthausen Aktiv’ sind der Überzeugung, dass die Renovierung und Instandsetzung des jüdischen Friedhofes ein notwendiger und wichtiger Beitrag zur Erinnerung an die gewaltsam ausgelöschte jüdische Tradition und das Leiden der jüdischen Mitbürger/innen während der NS-Zeit ist. Darüber hinaus würde ein renovierter Friedhof ein würdiges Mahnmal für die Zukunft darstellen“,1 heißt es in einem Bericht.

Einladende Organisationen waren: Komitee Mauthausen Aktiv Steyr, Sozialistische Jugend Steyr, Katholische Jugend Land, Österreichische Gewerkschaftsjugend Steyr, Service Civil International, Verein Freiwillige Sommereinsätze.

Das Jugendlager fand von 16. bis 21. Juli 1990 und von 6. bis 18.August 1990 statt.

Es wurden die Wege vom Gras befreit, Grabsteine gesäubert, umgestürzte Grabsteine wieder aufgerichtet, Eisenteile an Gräbern entrostet und neu gestrichen, Sturmschäden an Bäumen behoben, die Bodenplatte der ehemaligen Aufbahrungshalle freigelegt, der Kinderfriedhof gekennzeichnet und bei fehlenden Grabsteinen ein Stein mit einem Davidstern angebracht.

Für die teilnehmenden Jugendlichen gab es auch ein Bildungs- und Freizeitprogramm. Der Besuch des KZ Mauthausen und Zeitzeugengespräche standen ebenso auf dem Programm wie Grillen und Baden.

Die Teilnehmer/innen kamen vor allem aus England, Deutschland, Russland, der Tschechoslowakei und Österreich. Finanziert wurde das Lager vom Land Oberösterreich, der Stadt Steyr, der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, dem Bundesministerium für Inneres und dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung. Landesrat Dr. Josef Pühringer, damals Jugendreferent der oberösterreichischen Landesregierung, überzeugte sich bei einem Besuch vom Forschritt der Arbeiten Zwei Briefe zeugen vom freundschaftlichen Klima unter den Teilnehmer/innen:

Wir erinnern uns oft ans Sommerlager bei euch. Es hat uns dort sehr gefallen. Dort sind einwandfreie Leute und viel Spaß gewesen. Wir hoffen, dass wir uns in den nächsten Sommerferien in Steyr wieder alle treffen.“2

Grüße aus der Tschechoslowakei, Martina und Peter

I miss very much the camp and people. I start to learn German at night school soon and hope to work for longer in Austria and visit you and the other friends. Please, say hello to Mr. Uprimny for me and say I shall write him.”3

Alan aus Kent, England

Renovierung durch ein Arbeitslosenprojekt 1991

Ein Ausbildungs- und Beschäftigungsprojekt des Vereines für Arbeit, Beratung und Bildung (VABB) renovierte 1991 die Außenmauern und die Mauerabdeckung. Dadurch entstanden dem Komitee nur die Materialkosten.

Mit Schwung holt das zierliche Mädchen eine Kelle grauen Zementverputz aus der Scheibtruhe. Klatschend landet die Masse an der abgeklopften Ziegelmauer. Ort der

Handlung: der jüdische Friedhof in Steyr“4, schrieb Heinz Steinbock in den Oberösterreichischen. Nachrichten.

An der Gedenktafel der Außenmauer des Friedhofes wurde die Schrift neu vergoldet. Nachdem die Schrift am Gedenkstein des Massengrabes – er erinnert an 100 Opfer des Todesmarsches der ungarischen Juden im April 1945 – kaum mehr leserlich war, wurden im Zuge der Renovierungsarbeiten neue Granitplatten mit demselben Text eingraviert und angebracht. Die Arbeiten gestalteten sich etwas schwierig, da ein Teil der Schrift in hebräischer Sprache abgefasst war. Für die korrekte Wiedergabe konnte Univ. Prof. Dr. Hubmann von der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz gewonnen werden. Damit war der Text in letzter Minute gerettet worden. Am 8. November 1991 fand die feierliche Enthüllung statt.

Sanierung von zwei Grabsteinen 1995

1995 mussten zwei Grabsteine, die umgefallen waren, saniert werden. Die Kosten in der Höhe von 8.280.- Schilling übernahm die Stadt Steyr.

Sanierung der Wege im Jüdischen Friedhof 2002

Da alle Wege im Friedhof schon sehr zugewachsen waren, sanierte die Stadt Steyr im Jahr 2002 alle Wege des Friedhofes in einem Kostenumfang von € 3.500.- Damit war der Friedhof für Besucher wieder gut begehbar.

Sanierung eines Grabsteines 2003

Aus Denkmalschutzgründen und um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, musste 2003 ein Grabstein mit einem neuen Fundament versehen und wieder aufgestellt werden. Die Kosten von nahezu € 1000.- übernahm das Land Oberösterreich.

Sanierung von 20 Grabsteinen 2008

Nachdem in den letzten Jahren einige Grabsteine umgefallen und andere in eine bedenkliche Schieflage geraten waren, musste aus Gründen des Denkmalschutzes und um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten, möglichst rasch ein umfassendes Sanierungsprojekt entwickelt werden. Im Jahr 2007 fand daher eine Begehung des Friedhofes mit einem Steinmetz statt, um die dringlichsten Sanierungsmaßnahmen festzustellen. Der Steinmetz erstellte dann einen Kostenvoranschlag für 20 dringend sanierungsbedürftige Grabsteine in der Höhe von € 12.732. Finanziert wurde die Sanierung vom Land Oberösterreich, dem Bundesdenkmalamt, der Stadt Steyr und einigen privaten Sponsoren. Durchgeführt wurden die Arbeiten im Sommer 2008. Bei den Arbeiten stellte sich heraus, dass in den nächsten Jahren noch weitere Sanierungsmaßnahmen an den Grabsteinen nötig sind.

Denkmal mit den Namen der Steyrer Shoah-Opfer 2008

Schon 1998 wurde bei der 10-Jahresfeier des Mauthausen Komitees Steyr die Errichtung einer Gedenktafel mit den Namen aller Steyrer Shoah-Opfer als Ziel genannt. Auch der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Linz DI George Wozasek befürwortete immer wieder diesen Plan. Im Mai 2006 wurde diese Idee erneut aufgegriffen und 2007 von Erich Aufreiter ein erster Entwurf und ein Kostenvoranschlag erarbeitet. Gleichzeitig wurden die Namen der Opfer recherchiert, die im Gebiet der ehemaligen Israelitischen Kultusgemeinde Steyr geboren wurden oder dort gewohnt haben. Dazu zählen die Stadt Steyr, der Bezirk Steyr-Land und der Bezirk Kirchdorf.

Auf einer Gedenktafel aus Glas wurden die Namen mit Geburtsjahr, Deportationsjahr bzw. Todesjahr und der Ort der Deportation bzw. Todesort vermerkt.

Direkt vor der Glasplatte ermöglicht ein Steintisch den Teilnehmern der jährlichen Gedenkfeier, Steine des Gedenkens und der Erinnerung niederzulegen. Finanziert wurde die Gedenktafel vom Nationalfonds der Republik Österreich und der Stadt Steyr. Die Enthüllung findet am 6. November 2008 statt.

Katalogisierung der Grabstätten 2009

2009 wurde eine Katalogisierung der Grabstätten des jüdischen Friedhofs vorgenommen. Es wurden alle Grabstätten überprüft, fotografiert und in verschiedene Kategorien eingeteilt. Diese Katalogisierung ist die Grundlage für alle Restaurierungen. Die Liste der Grabstellen wird laufend aktualisiert.

Sanierung 2010

Im Sommer 2010 wurden fünf Grabsteine mit einem Kostenaufwand von € 4.680.- saniert. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land OÖ. und dem Bundesdenkmalamt.

Sanierung 2011

Im Sommer 2011 konnten sechs Grabstätten mit einem Kostenaufwand von € 4.704.- saniert werden. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land OÖ. und dem Bundesdenkmalamt.

Sanierung 2012

Im Sommer 2012 wurden vier Grabstätten mit einem Kostenaufwand von € 4.422.- saniert. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land OÖ. und dem Bundesdenkmalamt.

Sanierung 2013

Im Sommer 2013 wurden sieben Grabstätten mit einem Kostenaufwand von € 4.082,40 saniert. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land OÖ. und dem Bundesdenkmalamt.

Sanierung 2014

Im Sommer 2014 wurden acht Grabstätten mit einem Kostenaufwand von € 2.400,- saniert. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land OÖ. und dem Bundesdenkmalamt.

Sanierung 2015

Im Sommer 2015 wurde mit einem Kostenaufwand von € 300.- bei zwei Gedenktafeln die Schrift erneuert. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr.

Sanierung 2016

Im Sommer 2016 wurden neuerlich vier Grabstätten mit einem Kostenaufwand von € 2.100.- saniert. Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land OÖ. und dem Bundesdenkmalamt.

Sanierung 2017

2017 wurden von der Lehrwerkstätte der Fa. MAN Bus & Trucks 36 neue Davidsterne für Gräber ohne Grabsteine angefertigt, beschriftet und montiert. Um mögliche Schäden bei einem Umsturz der für den kleinen Friedhof viel zu großen Fichte zu verhindern, wurde diese entfernt. Der Wurzelstock wurde abgeflacht, das Grab des Verstorbenen „Freund“ (Nr.116 – Reihe 8) mit Erde versehen und der dazugehörige Grabstein neu gesetzt.

Sanierung 2019

2019 wurden sechs weitere Grabstätten mit einem Kostenaufwand von € 4.500.- saniert.

Finanziert wurde die Sanierung von der Stadt Steyr, dem Land O.Ö. und dem Bundesdenkmalamt.

1 Bericht über das Sommerlager 1990, in: Akt „Sommerlager 1990“, Archiv Mauthausen Komitee Steyr

2 Brief von Martina und Peter, in: Akt „Sommerlager 1990“, Archiv Mauthausen Komitee Steyr

3 Brief von Alan, in: Akt „Sommerlager 1990“, Archiv Mauthausen Komitee Steyr

4 Heinz Steinbock, „Wir raufen ständig, dass es weitergeht“, in: OÖ. Nachrichten- extra XII, 06.06.1991