11. Oktober 2018

80 JAHRE NOVEMBERPOGROM

GEDENKFEIER am Jüdischen Friedhof in Steyr

Vor 80 Jahren, am 9. November 1938, inszenierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen zerstört, jüdische Bürgerinnen und Bürger misshandelt und verhaftet. 18 Steyrer Juden wurden in der Berggasse eingesperrt, darunter auch drei Kinder. Die Israelitische Kultusgemeinde Steyr wurde schon ein Monat davor aufgelöst. In Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten findet alljährlich eine Gedenkfeier am Jüdischen Friedhof Steyr statt. Der Friedhof weist 141 Gräber auf und wurde 1873 angelegt. Der Friedhof befindet sich am Taborweg, zwischen Schnallentor und Taborrestaurant.

Das Mauthausen Komitee Steyr veranstaltet die heurige Gedenkfeier am Donnerstag, 8.November 2018 um 17.00 Uhr. Die Gedenkrede hält die Chefredakteurin der Zeitschrift „Welt der Frauen“ und OÖN – Kolumnistin Dr. Christine Haiden. Musikalisch gestaltet wird die Feier von den „Chorreichen 17“ unter der Leitung von Luzia Faderl. Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

30 JAHRE GEGEN DAS VERGESSEN

Mauthausen Komitee Steyr feiert 30-jähriges Bestehen 1988 -2018

Das Mauthausen Komitee Steyr wurde 1988 gegründet und besteht heute aus 20 Personen. Im Zentrum der Aktivitäten steht die Erinnerung an das jüdische Steyr und das Schicksal der KZ-Häftlinge im Nebenlager Steyr-Münichholz. Das Buch „Vergessene Spuren“ und der 2013 eröffnete Gedenkort „STOLLEN DER ERINNERUNG“ machen mit Fotos und Dokumenten von ehemaligen KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern die Arbeit des Komitees für die Öffentlichkeit eindrucksvoll sichtbar. Die jährliche Gedenkfeier am jüdischen Friedhof und die Befreiungsfeier beim KZ-Denkmal wurden zu Fixpunkten des Erinnerns. Zahlreiche Gedenktafeln und Projekte rücken bis heute die Verfolgten und Ermordeten ins Bewusstsein der Menschen. Seit seiner Gründung tritt das Komitee auch immer wieder gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus öffentlich auf. „In den 30 Jahren wurde sehr viel erreicht. Angesichts der politischen Entwicklungen in Österreich und Europa werden die Aktivitäten unseres Komitees immer wichtiger“, meint Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.

Gleichzeitig wird auch 5 Jahre „Stollen der Erinnerung“ gefeiert. Er wurde am 25.Oktober 2013 eröffnet und hat schon mehrere Auszeichnungen bekommen. Zuletzt wurde darüber in einem renommierten deutschen Architekturbuch mit Top-Projekten aus aller Welt berichtet. „Mit 18.000 Besuchern und über 800 Führungen ist der ‚Stollen der Erinnerung’ ein großer Erfolg, nicht nur für das Mauthausen Komitee, sondern auch für die Stadt Steyr“, so Karl Ramsmaier.

Das Jubiläum wird am 25.Oktober 2018 um 19.00 Uhr im Museum Arbeitswelt gefeiert. Mitglieder werden von ihren Erfahrungen und Motiven berichten. Bilder geben Einblick in die Arbeit des Komitees. Bei einer Gesprächsrunde über die Bedeutung der Erinnerungsarbeit wird neben Bürgermeister Gerald Hackl, MKÖ-Vorstandsmitglied Martin Kranzl-Greinecker, Landesaustellungskuratorin Dr. Herta Neiß auch der Präsident des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf aus Luxemburg teilnehmen. Die Festrede hält der Schriftsteller Ludwig Laher. Auch der Musiker Paul Schubert wird zu hören sein.

2. August 2018

„Stollen der Erinnerung“ als einziges österreichisches Projekt in einem deutschen Architekturbuch

In dem kürzlich in Deutschland erschienen Architekturbuch „spaces of culture and art“ werden „Museen, Veranstaltungsräume und Bibliotheken, die sich als Sprachrohr und Schauplatz von Kultur auszeichnen, sich aber vor allem als Orte verstehen, die vereinen, Begegnung fördern, Diskussionen anregen und Plätze für einen interkulturellen Austausch schaffen“ vorgestellt. 42 besonders eindrucksvolle Projekte werden in dem Buch in Deutsch und Englisch präsentiert. Die Projekte stammen aus der ganzen Welt, aus Korea, Japan, Indien, China, Angola, Israel, Frankreich, Deutschland, Kanada, Norwegen, USA, Uruguay, der Schweiz, Polen , Spanien und der Türkei. Der „Stollen der Erinnerung“ von Architekt Bernhard Denkinger ist das einzige Projekt aus Österreich. Das Projekt eines zweiten österreichischen Architekten wurde in den Niederlanden gebaut. Mit der Aufnahme des „Stollens der Erinnerung“ als Ausstellung in einem unterirdischen Raum wird die hohe Qualität dieser Ausstellungsgestaltung gewürdigt. Mit diesem Projekt in einem Buch mit Architekturprojekten von internationalem Rang vertreten zu sein, zeigt, dass der „Stollen der Erinnerung“ nicht nur ein zeitgeschichtlich besonders gelungenes Projekt ist, sondern auch gestalterisch Anerkennung über die Grenzen Österreichs hinaus gefunden hat. Schon 2014 wurde der „Stollen der Erinnerung“ mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet und 2015 mit dem Hans Marsalek-Preis. 2016 war er unter den Preisträgern des German Design Award, des renommiertesten Designer-Preises in Deutschland.

Dieser Beitrag über den ‚Stollen der Erinnerung’ in dem Buch ‚spaces of culture and art’ ist für uns eine besondere Auszeichnung. Das wird einem umso mehr bewusst, wenn man das Buch durchblättert und die sensationellen Projekte sieht, die hier beschrieben werden“, meint der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier. „Dass dieses Projekt aus Steyr aufgenommen wurde, ist schon eine kleine Sensation“, so Ramsmaier weiter. Der „Stollen der Erinnerung“ existiert nun seit fünf Jahren. Er wurde am 25.Oktober 2013 eröffnet und bisher von mehr als 17.000 Personen besucht. Fast 800 Führungen wurden bereits durchgeführt. Das Buch hat 271 Seiten, kostet € 49,95 und ist im Deutschen Architektur Verlag erschienen. ISBN 978-3946154303