11. Oktober 2018

30 JAHRE GEGEN DAS VERGESSEN

Mauthausen Komitee Steyr feiert 30-jähriges Bestehen 1988 -2018

Das Mauthausen Komitee Steyr wurde 1988 gegründet und besteht heute aus 20 Personen. Im Zentrum der Aktivitäten steht die Erinnerung an das jüdische Steyr und das Schicksal der KZ-Häftlinge im Nebenlager Steyr-Münichholz. Das Buch „Vergessene Spuren“ und der 2013 eröffnete Gedenkort „STOLLEN DER ERINNERUNG“ machen mit Fotos und Dokumenten von ehemaligen KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern die Arbeit des Komitees für die Öffentlichkeit eindrucksvoll sichtbar. Die jährliche Gedenkfeier am jüdischen Friedhof und die Befreiungsfeier beim KZ-Denkmal wurden zu Fixpunkten des Erinnerns. Zahlreiche Gedenktafeln und Projekte rücken bis heute die Verfolgten und Ermordeten ins Bewusstsein der Menschen. Seit seiner Gründung tritt das Komitee auch immer wieder gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus öffentlich auf. „In den 30 Jahren wurde sehr viel erreicht. Angesichts der politischen Entwicklungen in Österreich und Europa werden die Aktivitäten unseres Komitees immer wichtiger“, meint Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.

Gleichzeitig wird auch 5 Jahre „Stollen der Erinnerung“ gefeiert. Er wurde am 25.Oktober 2013 eröffnet und hat schon mehrere Auszeichnungen bekommen. Zuletzt wurde darüber in einem renommierten deutschen Architekturbuch mit Top-Projekten aus aller Welt berichtet. „Mit 18.000 Besuchern und über 800 Führungen ist der ‚Stollen der Erinnerung’ ein großer Erfolg, nicht nur für das Mauthausen Komitee, sondern auch für die Stadt Steyr“, so Karl Ramsmaier.

Das Jubiläum wird am 25.Oktober 2018 um 19.00 Uhr im Museum Arbeitswelt gefeiert. Mitglieder werden von ihren Erfahrungen und Motiven berichten. Bilder geben Einblick in die Arbeit des Komitees. Bei einer Gesprächsrunde über die Bedeutung der Erinnerungsarbeit wird neben Bürgermeister Gerald Hackl, MKÖ-Vorstandsmitglied Martin Kranzl-Greinecker, Landesaustellungskuratorin Dr. Herta Neiß auch der Präsident des Internationalen Mauthausen Komitees Guy Dockendorf aus Luxemburg teilnehmen. Die Festrede hält der Schriftsteller Ludwig Laher. Auch der Musiker Paul Schubert wird zu hören sein.

2. August 2018

„Stollen der Erinnerung“ als einziges österreichisches Projekt in einem deutschen Architekturbuch

In dem kürzlich in Deutschland erschienen Architekturbuch „spaces of culture and art“ werden „Museen, Veranstaltungsräume und Bibliotheken, die sich als Sprachrohr und Schauplatz von Kultur auszeichnen, sich aber vor allem als Orte verstehen, die vereinen, Begegnung fördern, Diskussionen anregen und Plätze für einen interkulturellen Austausch schaffen“ vorgestellt. 42 besonders eindrucksvolle Projekte werden in dem Buch in Deutsch und Englisch präsentiert. Die Projekte stammen aus der ganzen Welt, aus Korea, Japan, Indien, China, Angola, Israel, Frankreich, Deutschland, Kanada, Norwegen, USA, Uruguay, der Schweiz, Polen , Spanien und der Türkei. Der „Stollen der Erinnerung“ von Architekt Bernhard Denkinger ist das einzige Projekt aus Österreich. Das Projekt eines zweiten österreichischen Architekten wurde in den Niederlanden gebaut. Mit der Aufnahme des „Stollens der Erinnerung“ als Ausstellung in einem unterirdischen Raum wird die hohe Qualität dieser Ausstellungsgestaltung gewürdigt. Mit diesem Projekt in einem Buch mit Architekturprojekten von internationalem Rang vertreten zu sein, zeigt, dass der „Stollen der Erinnerung“ nicht nur ein zeitgeschichtlich besonders gelungenes Projekt ist, sondern auch gestalterisch Anerkennung über die Grenzen Österreichs hinaus gefunden hat. Schon 2014 wurde der „Stollen der Erinnerung“ mit dem Österreichischen Museumspreis ausgezeichnet und 2015 mit dem Hans Marsalek-Preis. 2016 war er unter den Preisträgern des German Design Award, des renommiertesten Designer-Preises in Deutschland.

Dieser Beitrag über den ‚Stollen der Erinnerung’ in dem Buch ‚spaces of culture and art’ ist für uns eine besondere Auszeichnung. Das wird einem umso mehr bewusst, wenn man das Buch durchblättert und die sensationellen Projekte sieht, die hier beschrieben werden“, meint der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier. „Dass dieses Projekt aus Steyr aufgenommen wurde, ist schon eine kleine Sensation“, so Ramsmaier weiter. Der „Stollen der Erinnerung“ existiert nun seit fünf Jahren. Er wurde am 25.Oktober 2013 eröffnet und bisher von mehr als 17.000 Personen besucht. Fast 800 Führungen wurden bereits durchgeführt. Das Buch hat 271 Seiten, kostet € 49,95 und ist im Deutschen Architektur Verlag erschienen. ISBN 978-3946154303

26. Juli 2018

Buch „JUSTIZANSTALT GARSTEN 1938-1945“ erschienen

Am 14.März 2018, dem 80.Jahrestag der Ermordung des ehemaligen Anstaltsleiters Othmar Bereiter, wurden in der Justizanstalt Garsten zwei Gedenktafeln für die Gegner und Verfolgten des NS-Regimes enthüllt. Zu diesem Anlass verfasste der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr das Buch „Justizanstalt Garsten 1938-1945“

Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs an Hitlerdeutschland im März 1938 kam es im ‚Zuchthaus’ Garsten zu den ersten Verhaftungen von Gegnern des NS-Regimes. Strafanstaltsdirektor Othmar Bereiter wurde schon am 14.März 1938 ermordet. Die Suche nach den Mördern wurde nach dem Krieg eingestellt, die Hintergründe nie restlos aufgeklärt. Verhaftet wurden auch Assistent Paul Fessler, der später im KZ Buchenwald ermordet wurde, Staatsanwalt Franz Nicoladoni und der Anstaltsarzt Dr. Rudolf Wichtl.

Erstmals wird in dem Buch auch die Rolle des Anstaltsleiters während der NS-Zeit Georg Blecha näher beleuchtet.

Die Gefangenen fungierten als billige Arbeitskräfte für die Steyr-Werke, den Luftschutz-bunkerbau und den Kraftwerksbau in Ternberg. Biografische Spuren der Gefangenen stellen die unschuldig inhaftierten Menschen in den Mittelpunkt: Politische Gefangene, Jüdische Gefangene, Priester, Zeugen Jehovas und Menschen, die individuell Widerstand leisteten. Die Befreiung 1945, der Umgang mit der NS-Geschichte der Strafanstalt nach 1945 und die 2018 errichteten Gedenktafeln ergänzen die biografischen Spuren.

Das Buch umfasst 72 Seiten und ist beim Mauthausen Komitee Steyr erhältlich.

Fotos: Klaus Mader