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Hier finden Sie alle Beiträge die vor dem Jahr 2010 erstellt wurden.

Neuigkeiten eingetragen am 6. Dezember 2009

 

20. GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF

Landeshauptmann Pühringer hielt Gedenkrede

 

Zur Gedenkfeier am 9. November 2009, die bereits zum 20. Mal stattfand, waren diesmal ca. 200 Personen erschienen. Der Landeshauptmann, der schon 1990 als Jugendlandesrat ein internationales Jugendcamp zur Sanierung des Friedhofes unterstützt. hatte, betonte in seiner Rede die Notwendigkeit des Erinnerns gerade in der heutigen Zeit und bedankte sich beim Mauthausen Komitee für dessen Engagement.

Vertreter der Parteien und Organisationen gedachten der Opfer mit Kränzen. Musikalisch umrahmt wurde die Feier vom Garstner Chor „Daunundwaun“ unter der Leitung von Max Bramberger. Zum Abschluss legten die Teilnehmer/innen vor dem neuen Holocaust-Denkmal einen Stein des Erinnerns nieder.

Anschließend fand im Museum Arbeitswelt Steyr unter dem Titel „Erinnern Erkennen Ermutigen“ eine Veranstaltung zur Erinnerung an Joseph Roth statt. Der Joseph Roth-Biograph Wilhelm von Sternburg sprach und las aus seiner Biographie. Bernhard Schmalzl präsentierte auf eindrucksvolle Weise Passagen aus dem visionären Werk Roths „Das Spinnennetz“, begleitet auf dem Klavier von Margit Aufreiter mit Eigenkompositionen.

 

Zur Geschichte:

Vor 71 Jahren, am 9. November 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen zerstört und jüdische Bürger/innen verhaftet. 18 Steyrer Juden wurden in der Berggasse eingesperrt, darunter auch drei Kinder.

Bei der ersten Gedenkfeier im Jahre 1989 wurde an der Außenmauer des Friedhofes eine Gedenktafel enthüllt, die wenige Tage später von rechtsradikalen Jugendlichen beschmiert wurde. Das Gedenken galt neben den Opfern der Reichspogromnacht vor 71 Jahren auch allen 86 Steyrer Opfern des Holocaust.

 

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Neuigkeiten eingetragen am 20. Oktober 2009

 

20. GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF

Gedenken an die Opfer der „Reichkristallnacht“ vor 71 Jahren

 

Am Montag, 9. November 2009 findet um 18.00 die 20. Gedenkfeier am Jüdischen Friedhof in Steyr statt. Bei der ersten Gedenkfeier an die Opfer der sog. „Reichkristallnacht“ 1989 wurde an der Außenmauer des Friedhofes eine Gedenktafel enthüllt, die wenige Tage später von rechtsradikalen Jugendlichen beschmiert wurde.

Die Gedenkrede wird diesmal LH Dr. Josef Pühringer halten, der 1990 als Jugendlandesrat ein internationales Jugendcamp zur Sanierung des Friedhofes unterstützt hatte. Musikalisch gestaltet wird die Feier vom Garstner Chor „Daunundwaun“ unter der Leitung von Max Bramberger. Vertreter der Parteien und Organisationen werden mit Kränzen der Opfer gedenken. Die Teilnehmer können vor dem neuen Holocaust-Denkmal „Steine des Erinnerns“ niederlegen. Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Anschließend findet um 19.30 im Museum Arbeitswelt Steyr unter dem Titel „Erinnern – Erkennen – Ermutigen“ eine LESUNG aus „Das Spinnennetz“ von (Joseph Roth) statt. Lesen wird der Joseph Roth-Biograph Wilhelm von Sternburg und Bernhard Schmalzl.

Musik: Margit Aufreiter

 

Die offizielle Einladungskarte für die Gedenkfeier 2009.

 

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INTER.KULTUR.PREIS 2009

für das Mauthausen Komitee Steyr

 

Dem Mauthausen Komitee Steyr wurde kürzlich in der Arbeiterkammer Linz von der Gesellschaft für Kulturpolitik der INTER.KULTUR.PREIS 2009 überreicht. Ausgezeichnet werden dabei Projekte, die die Integration, Menschenrechte und soziale Sicherheit in den Vordergrund stellen. Unter den mehr als 100 Einreichungen konnte das Mauthausen Komitee Steyr mit seinem Projekt „Erinnerungskultur Steyr 2008“ neben weiteren drei Projekten die Jury unter dem Vorsitz von Bundesministerin Dr. Claudia Schmied überzeugen.

Das Projekt enthält die Sanierung des Jüdischen Friedhofes in Steyr, die Errichtung des neuen Holocaust-Denkmals, die internationalen Kontakte des Komitees, die Bildungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und die Dokumentation der 20-jährigen Arbeit des Mauthausen Komitees in Form des Buches „Erinnern und Gedenken“.

Die Festrede hielt Landesrat Josef Ackerl, überreicht wurde der Preis von Volkshilfe-Präsident Univ.Prof. Dr. Josef Weidenholzer. Als Vertreter des Steyrer Bürgermeisters nahm Stadtrat Willi Hauser an der Feier teil, auch Altbürgermeister Ing. David Forstenlechner war eigens zur Feier nach Linz gekommen. Nach dem Solidaritätspreis der Linzer Kirchenzeitung 2006 und dem Grünpreis 2007 wurde nun durch den Inter.Kultur.Preis 2009 die jahrelange Erinnerungsarbeit des Komitees erneut gewürdigt.

„Wir freuen uns über die Anerkennung der vielen Aktivitäten, die wir im 2008 gesetzt haben und über das Interesse an unserer Arbeit weit über Steyr hinaus“, so Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.

 

Ein Foto der Preisverleihung

 

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Neuigkeiten eingetragen am 7. Juni 2009

 

Tag des offenen Denkmals – JÜDISCHER FRIEDHOF STEYR

 

Besichtigt werden kann der sonst geschlossene, seit Herbst 2008 renovierte Jüdische Friedhof von Steyr. Angeboten wird auch eine Führung, die Einblick in die jüdische Geschichte von Steyr gibt.

Männliche Teilnehmer werden gebeten eine Kopfbedeckung zu tragen.

Sonntag, 27. September 2009 von 14.00 bis 16.00

Taborweg Steyr (zwischen Schnallentor und Taborrestaurant)

 

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Neuigkeiten eingetragen am 7. Juni 2009

 

Grußworte und Gedenkreden der Befreiungsfeier vom KZ-Denkmal am
Montag, 11. Mai 2009

 

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Grußworte der Bezirkshauptfrau Steyr-Land, Frau Mag. Cornelia Altreiter-Windsteiger

Sehr geehrter Herr Mag. Ramsmaier!
Sehr geehrter Herr Bürgermeister!
Sehr geehrte Ehren- und Festgäste!

Es macht Sinn, immer wieder mahnend an unsere Vergangenheit – an jene Tage – zu erinnern, an denen es zur Befreiung der Gefangenen im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen und seiner Nebenlager gekommen ist. Damit ist ein Abschnitt unfassbarer Verbrechen gegen die Menschlichkeit und sicherlich die schrecklichste Zeit unserer jüngsten Geschichte zu Ende gegangen.

Heute ist es wichtig, dass über diese Ereignisse nicht der Schleier des Vergessens fällt, sondern die Erinnerung wach gehalten wird, damit sich diese unfassbaren Verbrechen nicht wiederholen. Heute leben bereits einige Generationen in einer freien und demokratischen Gesellschaft und ist das höchste Gut Demokratie zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Es kommt leider immer häufiger vor, dass die Menschen nicht mehr zur Wahl gehen – es ist eine gewisse Politikverdrossenheit eingekehrt. Umso wichtiger ist es, dass wir zum 64. Jahrestag der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz zusammenkommen.

Gott sei Dank gibt es aber auch immer wieder sehr junge Menschen, die sich mit unserer Geschichte auseinandersetzen. Ganz besonders stolz bin ich dabei auf Mag. Rene Laglstorfer aus Dietach bei Steyr, der zum Auslandsdiener des Jahres 2008 ausgezeichnet wurde.

Seit der Gründung 1992 haben mehr als tausend Österreicher ihre Zivildienstpflicht in Form eines Gedenk-, Sozial- oder Friedensdienstes erfüllt. Mag. Laglstorfer leistete von Dezember 2007 bis November 2008 seinen Gedenkdienst am Centre de la Memoire d`Oradour-sur-Glane in Frankreich sowie am Shanghaier Zentrum für Jüdische Studien in China. Die heutige Gedenkfeier aber auch zahlreiche Initiativen, wie die die ich gerade vorgestellt habe tragen dazu bei, sich intensiv mit unserer Geschichte auseinanderzusetzen und nicht wegzusehen sondern hinzusehen und zu lernen.

Jeder Form von Widerstand, den viele Menschen mit Zivilcourage dem verbrecherischen Regime des Nationalsozialismus – oft unter Einsatz ihres eigenen Lebens – entgegengebracht haben, gebührt Anerkennung und kann nicht oft genug erwähnt werden. Das heutige Gedenken ist Mahnung für die Wahrung der Menschenrechte, für die Bewahrung einer demokratischen Werte- und Rechtsordnung und richtet sich gegen jede Form der Ausgrenzung und Rassismus.

Ich danke dem Mauthausen Komitee Steyr, dass ich einige Grußworte an sie richten darf. Ebenso bedanke ich mich für die unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit und für das Engagement zur Wahrung der Menschrechte sowie für die Erhaltung und Betreuung des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen und seiner Nebenlager, damit die Erinnerung wach und die Menschen wachsam bleiben.

Mag. Cornelia Altreiter-Windsteiger, Bezirkshauptfrau Steyr-Land

Grußworte des Bürgermeisters der Stadt Steyr, Herr Gerald Hackl

Sehr geehrter Herr Delegationsleiter, sehr geehrte Frau Bezirkshauptfrau,
werter Herr Mag. Ramsmaier, geschätzter Herr Dr. Wagner,
hochverehrte kirchliche Würdenträger,
werte Mitwirkende und werte Gäste!

Es ist für mich eine große Ehre mit Menschen zusammenzukommen, die den dunkelsten Abschnitt unserer Geschichte aufhellen. 64 Jahre ist es nun her, dass Steyr, Österreich, Europa, die Welt von den Gräueln des Nationalsozialismus befreit wurden. Dass ich nach diesen Jahrzehnten nun heute und hier Überlebende des Terrors, eine Delegation der französischen Lagergemeinschaft, begrüßen darf, freut mich sehr. Nochmals ein herzlicher Willkommensgruß!

Ich gedenke nun jedoch mit tiefem Respekt und mit Achtung der 86 jüdischen Opfer aus Steyr, die während der Shoa zusammen mit weiteren Millionen jüdischer Mitmenschen ermordet wurden. Ich verneige mich auch vor den KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern, die hier in ihre Jugend, ihre Gesundheit und oft auch ihr Leben gelassen haben.

Die vielen Aktivitäten des Mauthausen Komitees tragen wesentlich dazu bei, dass das wir in Steyr heute einen klaren Blick auf die nationalsozialistischen Verbrechen haben. Für die unermüdliche Bereitschaft, immer mehr zur Erinnerung an jene schreckliche Zeit beizutragen, dafür danke ich Herrn Vorsitzenden Mag. Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr und seinem Team. Sie machen es möglich, dass eine Versöhnung mit der Geschichte gelingt – herzlichen Dank!

Gerald Hackl, Bürgermeister der Stadt Steyr

Gedenkrede von Dr. Helmut Wagner

Helmut Wagner
WIDERSTAND AUS RELIGIÖSER MOTIVATION

Die Rede von „Widerstand aus religiöser Motivation“ verlangt eine kurze Begriffs-definiton. „Widerstand“ ist ein politischer Begriff und meint eine konspirativ ange-legte, nach außen wirksame Handlungs- und Verhaltensweise gegen ein totalitäres System unter der Gefahr drohender – unkalkulierbarer – Sanktionen. Mit der Unterscheidung verschiedener Motive von „Widerstand“ erfährt der Begriff auch ein religiöse Konnotation – am deutlichsten sichtbar im Falle Franz Jägerstätters. So wie in der politischen Widerstandsforschung werden heute auch im Falle des religiösen Widerstands verschiedene Abstufungen diskutiert. Neben dem expliziten religiös motivierten Widerstand (vgl. F. Jägerstätter) wurde vor allem der von Martin Broszat vorgeschlagene breite Begriff der Resistenz (Bewahrung der eigenen Lebensform und Wertewelt) diskutiert. Darüber hinaus werden heute weitere Formen religiös motivierten Widerstands wie z.B. nonkonformes Verhalten, widerwillige Loyalität dem Regime gegenüber u.a.m. unterschieden.

Ich möchte im folgenden drei Zuordnungen religiösen Widerstands treffen und damit auf wichtige Unterscheidungen hinsichtlich der Akteure religiösen Widerstands hinweisen.

1) DIE Kirche war nicht im Widerstand. Als Institution hatte sie – das mag man gutheißen oder auch nicht – in erster Linie an der Sicherung ihrer seelsorgli-chen Tätigkeit interessiert. Aus dieser Haltung erklären sich die Aufrufe an den Klerus, sich bei Predigten politischer Aussagen zu enthalten, den verschiedenen Vorschriften der Behörden Folge zu leisten etc. Trotz aller politischer Zurückhaltung entfaltete das NS-Regime einen „Kirchenkampf“, der die Kirche vieler Möglichkeiten ihres Wirkens beraubte. Allerdings muß kritisch gefragt werden, inwieweit die Tatsache, Adressat kirchenkämpfersicher Maßnahmen geworden zu sein, der Kirche eine Selbstzuschreibung von Widerstand erlaubt.

2) Dass es Widerstand IN der Kirche gab, ist evident. Widerstand wurde aller-dings von Einzelpersonen ohne Unterstützung der Institution, ja gegen deren ausdrückliches Anraten geleistet. Dies ist übrigens kein genuin kirchliches, sondern ein allgemeines institutionelles Phänomen. Hans Mommsen hat diese Reduktion politischen Handelns „Widerstand ohne Volk“ genannt. Die Kirche kann berechtigt auf Widerstand in ihren Reihen verweisen, die Selbstzuschreibung für die Gesamtinstitution bleibt aber problematisch und wird als unglaubwürdig erlebt. Alexander Groß, der Sohn des deutschen katholischen Arbeiterführers Nikolaus Groß hat 2001 genau aus diesem Grund die von der Kirche initiierte Seligsprechung seines Vaters abgelehnt. Die Kirche – so Groß – beanspruche immer wieder, Widerstand geleistet zu haben. Dieser habe jedoch in Wahrheit „ohne Segen der Kirche“ stattgefunden und die „oft einsamen Entscheidungen christlicher Männer und Frauen wurden gegen die Interessen und Weisungen der Bischöfe“ getroffen. Auch in der Kirche Oberösterreichs gab es eine ganze Reihe von Priestern und Ordensleuten, die – ganz auf sich allein gestellt oder in kleinen Gruppen – sich in der NS-Zeit für den „Widerstand“ entschieden haben. Dazu zählen aus der Gruppe der Ordensleute der Jesuit P. Josef Schwingshackl, der Marianist P. J. Gapp, der Marianhillerpater. E. Unzeitig, der Karmelit P. A. Wörndl, aber auch Diözesanpriester wie Pfr. Johann Steinbock in Steyr, Pfr. J. Arthofer (Kronstorf), die Jahre im KZ Dachau zubrachten. Mindestens 10 oberösterreichische Priester und Ordensleute waren in der Strafanstalt Garsten inhaftiert. Einige Diözesanpriester sind als Märtyrer in Konzentrationslagern gestorben. Dazu zählen: Pfr. M. Spanlang (+KZ Bu-chenwald), Dr. Johann Gruber (+ KZ Gusen), Josef Sommer/+ KZ Gusen, Franz Wenger + KZ Buchenwald). Ein Blick in die Häftlingsliste des KZ Maut-hausen zeigt ein Unzahl polnischer Priester, die hier starben. Wir kennen noch nicht einmal alle ihre Namen. Insgesamt waren mehr als 100 oberösterreichische Priester in Haft oder KZ.

3) So wie der Widerstand in der NS-Zeit der Initiative Einzelner entsprang, so blieb er nach 1945 vielfach deren individuelles Schicksal. Für den kirchlichen Bereich lässt sich zeigen, dass jene, die Opfer religiösen Widerstands (in wel-cher Form auch immer) geworden waren, nach 1945 keinerlei würdigende öf-fentliche Erwähnung fanden. Die Betroffenen mussten sogar den Eindruck gewinnen, dass sie „selber schuld waren“, in Haft oder KZ geraten zu sein. Die mentale Zustimmung und die seelsorgliche Empathie der Institution Kirche gehörte ab 1945 der großen Mehrheit der Kriegsteilnehmer. Wir wissen heute, dass diese dringend Riten und Symbole brauchten, ihre einschneidenden Erfahrungen aufzuarbeiten. Aber dass deswegen jene, die dem Widerstand zuzurechnen sind, als „Tölpel“ abgestempelt und mit neuer Missachtung bedacht wurden, kommt einer zweiten, nachträglichen und daher besonders bitteren Verurteilung ihres widerständigen Verhaltens gleich. Schließlich muss noch erwähnt werden, dass nicht nur religiöse Überzeugung nicht nur KatholikInnen zum Widerstand motiviert hat, sondern dass hier auch die evangelischen Geschwister zu Wort kommen müssten, weiters die Bibelforscher, Altkatholiken u.a.m. Was uns bleibt, ist, allen jenen Persönlichkeiten zu gedenken, die damals ein Zeugnis zur „Behauptung des Prinzips der Humanität gegenüber dem Unmenschlichen“ (W. Maderthaner) in der Lage waren. Dass auch Religion dazu zu motivieren mochte, zeugt vom politischen Potential christlicher Grundhaltung, die jederzeit in der Lage wäre, nein, in der Lage ist, das Europa von heute und von morgen vor inhumanen, tödlichen Gefährdungen zu bewahren – die Opfer des NS-Regimes haben es uns zu ihrer Zeit vorgelebt.

Gedenkrede von Daniel SIMON – Président de l’Amicale de Mauthausen (France) [Übersetzung]

Wir sind glücklich bei euch zu sein, um den 64. Jahrestag des Sieges über den Nationalsozialismus zu feiern, im Gedenken an das Steyrer Lager.

Wir sind natürlich hier um aufzuzeigen, was das System der Konzentrationslager in seiner Gesamtheit darstellte, nämlich kein bedauerliches Nebenprodukt des Krieges, sondern ein durchgeplantes System, das Zentrum der totalitären Macht. Es bedeutete für eine ausgehungerte Masse von versklavten Arbeitern Ausbeutung bis zum Tod und dies zum Profit der Industriellen des Reiches, es bedeutete auch, der mörderische Gewalt ständig ausgesetzt zu sein, es bedeutete Verachtung der Fremden und Verletzung der elementarsten Rechte des Menschen: Diese Grundsätze herrschten im Alltag der Lager. Millionen Männer und Frauen aus den von den deutschen Truppen militärisch besetzten Ländern schlossen sich den Widerstandskämpfern aus Deutschland und dem ehemaligen Österreich an und wurden in diese Hölle gestürzt.

Die Erinnerung hat immer konkrete Anhaltspunkte. – Zunächst, weil jeder Überlebende seine eigene Erinnerung an bestimmten Orten und Umständen festmacht. – Wir glauben auch, dass Steyr ein wenig anders ist. Wenn es auch keine Überreste des Lagers mehr gibt, so bewahrt Ihre schöne Stadt durch das Engagement Ihrer Gruppe besser als andere die Erinnerung an die Nazizeit.

Schließlich kommen auch wir zu euch mit unseren Eigenheiten, die sowohl die Gruppe widerspiegelt, die wir heute sind als auch diese Stele, die vor langer Zeit am Rande dieser Straße errichtet wurde. Ich spiele auf unsere 2 Gesichter bzw. Identitäten an, nämlich sowohl die spanische und die französische. Heute möchte ich nur von der ersteren sprechen.

Nicht nur in Steyr waren die spanischen Häftlinge zahlreich vertreten. Viele von Ihnen wissen, dass sie von Frankreich aus deportiert wurden. Ihr Weg führte in verschiedenen Richtungen. Sie haben sich 1936 erhoben, um die Republik – das Ergebnis freier Wahlen – zu verteidigen. Dies wollte die Armee durch einen Putsch rückgängig machen, ein Putsch, der sogleich von der katholischen Hierarchie und der konservativen Hälfte der spanischen Bevölkerungen unterstützt wurde.

Am Ende eines wahrhaft schrecklichen Krieges auf dem Boden von Spanien, bei dem Franco, unterstützt von Hitler und Mussolini als Sieger hervorging, überschritten Tausende von republikanischen Kämpfern die Pyrenäen, um Unterschlupf in Frankreich zu finden. Die Überlebenden haben im vergangenen Februar machtvoll den 70. Jahrestag ihres Exils gefeiert. Denn dieses Exil hat kein Ende genommen.

Diese Internierungslager, die man damals als Konzentrationslager bezeichnete, waren sicher nicht mit den Lagern der SS vergleichbar, auch wenn die sanitären Verhältnisse unwürdig waren und die erlittenen Erniedrigungen und die Traumata nicht heilbar sind. Frankreich hat in diesen Lagern damals neben den Spanienkämpfern auch Flüchtlinge aus Deutschland oder Österreich, jüdische und nichtjüdische Nazigegner, jüdische Migranten aus Osteuropa, die ihre Hoffnung in das sog. Land der Menschrechte setzte, eingepfercht.

Es gab Menschen, die schließlich aus den Lagern herauskamen. Dazu gehörten besonders jene im Kampf gestählten Spanier, die aber nur unter der Bedingung entlassen wurden, dass sie in französischer Uniform am Krieg gegen Hitlerdeutschland teilnahmen. So wurden sie in das größte militärische und politische Desaster das Frankreich jemals erlebt hat, hineingezogen.

Aber sie, diese spanischen Kämpfer, die seit 4 Jahren schon im Krieg die Demokratie verteidigt hatten, sahen sich nun ihres Status als Kriegsgefangene beraubt. Franco überließ diese „Roten“ Hitler. Seit August 1940 finden wir Hunderte von ihnen in Mauthausen, aus Frankreich oder aus den sog. Stammlagern kommend, trugen sie das entwürdigende blaue Dreieck der Staatenlosen. Insgesamt waren es mehr als 7000.

Jene, die im Mai 1945 noch am Leben waren, wurden nur halb befreit, da Franco seine Macht bis zu seinem Tod im Jahre 1975 ausübte. Fast alle Überlebenden von Mauthausen sind nach Frankreich zurückgekehrt, wo sie einige ihrer Verwandten zurückgelassen hatten. Die französische Amicale wurde in gewisser Weise ihr Asylland.

Nun sehen Sie also unsere Gruppe, die zur Hälfte Spanier sind: 3 Spanienkämpfer, darunter unser Fahnenträger Pablo und Herr Canette, der in diesem Lager inhaftiert war. Diese Stele, ist selbstverständlich zweisprachig. Hier in Steyr kann man diese aus dem gemeinsamen Kampf hervorgegangene Solidarität verstehen lernen, eine Solidarität, die im Lager entstanden ist, aber deren Symbol die « Internationalen Brigaden » gewesen waren, eine Solidarität unter all jenen, die aus ganz Europa gekommen waren und auf spanischem Boden den bewaffneten Widerstand gegen den Faschismus und Nazismus begonnen hatten.

Wir kennen auf dem städtischen Friedhof von Steyr die Gedenktafel, die die Erinnerung an die österreichischen Freiwilligen, die der spanischen Republik zu Hilfe eilten, wach hält. Wir wissen auch, dass gewisse europäische Staaten heute versuchen, die Erinnerung an die Kämpfer der Brigaden, zu verdrängen, weil sie glauben, dass es heutzutage opportun sei, die „Linken“ aller Richtungen zu stigmatisieren und mit dem totalitären System in Verbindung zu bringen. Doch gegen diese Vereinnahmung wehren wir uns.

Daniel SIMON
Président de l’Amicale de Mauthausen (France)

 


Neuigkeiten eingetragen am 17. Jänner 2009

 

Buch „ERINNERN UND GEDENKEN. 20 Jahre Mauthausen Komitee Steyr“

Eine Dokumentation der Arbeit gegen das Vergessen in Steyr

Im Herbst 1988 wurde das Mauthausen Komitee Steyr gegründet und hat seither viele Initiativen gegen das Vergessen gesetzt. Zahlreiche Projekte werden in dem Buch dokumentiert und beschrieben. Schwerpunkt der Arbeit war zweifellos die jüdische Geschichte von Steyr: die Sanierung und Betreuung des Jüdischen Friedhofes, die historische Erforschung des jüdischen Lebens in Steyr und 1993 die Einladung ehemaliger Steyrer Jüdinnen und Juden nach Steyr. Briefe aus der ganzen Welt, die erstmals veröffentlicht wurden, zeigen, welche Wertschätzung dieser Arbeit auch international entgegengebracht wird. Grußworte von Künstlern und Kulturschaffenden, von Politikern, Kirchenleuten und Journalisten lassen erkennen, dass die Arbeit des Komitees immer mehr auch in der Stadt Steyr geschätzt wird. Das Buch enthält zudem die auf den neuesten Forschungsstand gebrachte Liste der Holocaust-Opfer von Steyr.

Aufgenommen wurden auch Spuren, die das Komitee in literarischen Veröffentlichungen hinterlassen hat sowie Beispiele aus den Medien. Die politischen Auseinandersetzungen im Steyrer Gemeinderat, die Ideen des Komitees ausgelöst haben, blieben ebenso wenig ausgespart wie Konflikte bei der Umsetzung mancher Ideen. Eine Chronik gibt einen Überblick über die wichtigsten Veranstaltungen des Komitees. Selbstverständlich werden auch die Redner und Rednerinnen der 19 Gedenkfeiern am Jüdischen Friedhof und bei den 17 Befreiungsfeiern beim KZ-Denkmal aufgelistet. Kurzberichte über die 13 Gedenktafeln, die das Komitee initiiert hat, kommen ebenfalls vor. Auch Beschreibungen der Publikationen und Materialien für Schule und Erwachsenenbildung sind zu finden. Genannt seien hier das Buch „Vergessene Spuren“, „Fluchtspuren“, „Schwere Tage-dunkle Zeiten. Die NS-Zeit in Garsten“, die Tondiaschau über die Juden in Steyr und das Video über das KZ-Nebenlager Steyr-Münichholz. Dokumentiert sind auch Erinnerungsprojekte von Künstlern und Aktionen gegen rechtsextreme Aktivitäten in Steyr.

Mehr als 30 „Reden des Erinnerns“ und Gedenkens geben Einblick in die jährlichen Gedenk-und Befreiungsfeiern. Unter den Rednern und Rednerinnen finden sich Namen wie Erich Hackl, Walter Wippersberg, Anna Mitgutsch, Andreas Gruber, Johannes Riedl, Antonia Rahofer und Maximilian Aichern.

Das Buch dokumentiert viele wichtige Projekte gegen das Vergessen in Steyr und zeigt, dass mit Zivilcourage und Mut eine neue Kultur des Erinnerns und Gedenkens möglich ist.

Erschienen ist das Buch in der Edition Mauthausen. Es kostet € 16,90 und ist bei Karl Ramsmaier, k.ramsmaier@eduhi.at und im guten Buchhandel erhältlich.

ISBN 978-3-902605-11-5

 

Karl Ramsmaier (*1961), Studium der Theologie und Religionspädagogik in Linz. Pastoralassistent, Jugendleiter, seit 1996 Religionslehrer an der HTL Steyr. Seit 1990 Vorsitzender des Mauthausen Komitees Steyr. Verfasser zahlreicher zeitgeschichtlicher Artikel und Initiator von Aktivitäten zur Erinnerung an die Opfer der Nazi-Herrschaft in Steyr.

Buchveröffentlichungen gemeinsam mit Waltraud Neuhauser-Pfeiffer:
„Vergessene Spuren. Die Geschichte der Juden in Steyr“ (1993/1998)
„Schwere Tage – dunkle Zeiten. Die NS-Zeit in Garsten 1938-1945“ (2006).

Er lebt in Garsten, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

 

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Neuigkeiten eingetragen am 30. November 2008

 

Neues Holocaust-Denkmal in Steyr

150 Besucher bei der Enthüllung am Jüdischen Friedhof Steyr

Vor 70 Jahren wurde die Jüdische Gemeinde von Steyr aufgelöst, viele Juden vertrieben und noch mehr in Konzentrationslagern ermordet. Am Donnerstag, 6. November 2008 wurde von Bürgermeister David Forstenlechner und dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Linz George Wozasek am Jüdischen Friedhof in Steyr das neue Holocaust-Denkmal mit den 86 Namen der Steyrer Opfer enthüllt. „Die Namen der Opfer sollen bleibend aufgezeichnet sein und es soll damit an die Menschen erinnert werden, die einst Teil dieser Stadt waren“, so Mauthausen Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.

Die Namen stehen auf einer Glasplatte. Glas steht für die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens und stellt einen Bezug zur sog. ‚Reichskristallnacht’ her, den 9. November 1938.

Bei dem Granitstein des Denkmals ist der obere Teil weggebrochen. Das soll zeigen, dass seit dem nationalsozialistischen Terror etwas fehlt in der Stadt Steyr, die Jüdische Gemeinde und ihre Menschen. „Die Jüdische Gemeinde war ein Teil der Stadt Steyr, die Menschen, die einen wichtigen Beitrag zum Leben in Steyr geleistet haben, fehlen für immer“, so Bürgermeister Forstenlechner. Der große Granitstein vor der Glasplatte mit den Namen der Opfer lädt in Zukunft alle Besucher des Friedhofes ein, kleine Steine des Gedenkens abzulegen.

Die Feier hatte auch eine internationale Note. Tammy Cohen, Lehrerin einer Schülergruppe aus Israel sprach davon, dass das menschliche Leben ‚heilig’ sein müsse und daher jede Form von Rassismus und Intoleranz abzulehnen sei. Ben Abeles – sein Großvater war Lederhändler in Steyr – schickte Grußworte zu Feier, ebenso George Landers, der Sohn einer Steyrer Apothekerfamilie, aus Kreta.

Zur Feier waren so viele Besucher gekommen wie noch nie. Sie waren beeindruckt von der Würde der Feier und dem gelungenen neuen Holocaust-Denkmal, das von Erich Aufreiter künstlerisch gestaltet wurde.

 

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Neuigkeiten eingetragen am 30. November 2008

 

Erfolgreiche Arbeit gegen das Vergessen

Mauthausen Komitee Steyr feiert 20-jähriges Bestehen

Am 6. November 2008 feierte das Mauthausen Komitee Steyr im Museum Arbeitswelt sein 20-jähriges Bestehen. Es wurde im Herbst 1988 von Günter Decker und Dr. Christoph Jungwirth gegründet. Anfangs noch von vielen angefeindet, konnte es im Laufe der 20 Jahre viele Projekte durchführen und nun eine erfolgreiche Bilanz vorlegen. Insgesamt wurden an die 200 Sitzungen abgehalten, 19 Gedenkfeiern am Jüdischen Friedhof und 17 Befreiungsfeiern beim KZ-Denkmal organisiert. Mehr als 20 Kulturveranstaltungen wurden organisiert und 13 Gedenktafeln errichtet. 1990, 1991 und 2008 konnten drei große Projekte zur Sanierung des Jüdischen Friedhofes durchgeführt werden. Neben einer Reihe von Artikeln in Zeitschriften wurden auch 5 Bücher publiziert: „Vergessene Spuren“ 1993 und 1998 – mit jeweils 1000 Stück Auflage -, „Fluchtspuren“ 1998, „Schwere Tage – dunkle Zeiten. Die NS-Zeit in Garsten“ 2006 und „Erinnern und Gedenken“ im November 2008. Für Schulen wurde 1994 ein Tonbild über das Leben der Juden in Steyr erstellt. Im Jahr 2001 kam ein Video über das KZ Steyr-Münichholz heraus. Auch unzählige Führungen am Jüdischen Friedhof wurden durchgeführt. Vom Komitee ging auch die Initiative zur Zeitwerkstatt des Museums Arbeitswelt aus und zu fünf Kunstprojekten, zuletzt zur Ausstellung „Untitelt“ in der Galerie Steyrdorf im Jahr 2007. Einer der Höhepunkte war das „Requiem 05“ im Jahr 2005 in der Münichholzer Kirche, bei dem der Opfer des KZ-Nebenlagers Münichholz gedacht wurde. Ein zweiter Höhepunkt war sicherlich der Besuch der ehemaligen Steyr Juden im Jahr 1993. Das Komitee setzte auch sechs wichtige Aktivitäten gegen rechtsextreme Umtriebe, zuletzt 2005 gegen verharmlosendes Kriegergedenken der Kameradschaft IV am Steyrer Friedhof. Neben 17 Beiträgen im RTV kann das Komitee auch auf ca. 500 Zeitungsberichte über Projekte und Aktivitäten des Komitees verweisen. In den letzten Jahren wurde die Arbeit des Komitees durch drei Preise gewürdigt, den Elfriede Grünberg-Preis 2002, den Solidaritäts-preis der Linzer Kirchenzeitung 2006 und den Grün-Preis 2007.

Bürgermeister David Forstenlechner dankte dem Komitee für die jahrelange Arbeit und sprach in seinen sehr persönlichen Grußworten davon, dass die Beschäftigung mit der jüngsten Vergangenheit nötiger den je sei. Willi Mernyi vom Mauthausen Komitee Österreich würdigte die Arbeit es Komitees als vorbildlich und wünschte weiter soviel Elan wie bisher. Auch Dechant Ludwig Walch bedankte sich beim Komitee für die geleistete Arbeit. Präsentiert wurde bei der Feier auch das neue Buch „Erinnern und Gedenken. 20 Jahre Mauthausen Komitee Steyr“, in dem die Arbeit des Komitees dokumentiert wird und mehr als 30 Reden, die bei den verschiedenen Gedenkfeiern gehalten wurden, abgedruckt sind. „Es ging mir um die Dokumentation unserer Arbeit und darum, die Gedenkreden einem breiteren Publikum bekannt zu machen“, so Autor Karl Ramsmaier.

 

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Neuigkeiten eingetragen am 23. Oktober 2008

 

Überraschend viele Besucher am Jüdischen Friedhof in Steyr

Fast 150 Interessierte am Tag des offenen Denkmals

Viele Interessierte aus Steyr und Umgebung nutzten am Sonntag, 28.September 2008 die Gelegenheit den normalerweise aus Sicherheitsgründen geschlossenen Jüdischen Friedhof in Steyr zu besuchen. Es war der einzige Beitrag Steyrs zum Tag des offenen Denkmals und ein wunderbarer Herbsttag. Aufmerksam wurden die Menschen vor allem durch vier Berichte in verschiedenen Zeitungen. Laufend wurden Führungen angeboten und viele Fragen der Besucher konnten beantwortet werden. Es ging um die Geschichte des Friedhofes, jüdische Begräbnisbräuche und das Leben der hier begrabenen jüdischen Familien. Neu war für viele Besucher auch, dass ein jüdischer Friedhof an einem Sabbat – Freitagabend bis Samstagabend – grundsätzlich nicht betreten werden darf.

Der Jüdische Friedhof Steyr wurde 1873 angelegt, nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts eine Reihe jüdischer Familien aus Böhmen und Mähren nach Steyr zog. In der Nazizeit wollte der Bürgermeister den Friedhof völlig zerstören. Aufgrund des Kriegsendes konnte er seinen Plan nicht mehr ausführen. Nach dem Krieg wurde ein Teil der Grabsteine entwendet und der Friedhof verwilderte immer mehr. Nach der Errichtung einer Gedenktafel an der Außenmauer des Friedhofes 1989 organisierte das Mauthausen Komitee 1990 und 1991 eine gründliche Sanierung des Friedhofes. In den folgenden Jahren wurden immer wieder Grabsteine und Wege in Stand gesetzt. Im August und September 2008 wurden insgesamt 20 Grabsteine saniert.

Anfang November findet alljährlich eine Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust statt. Ein Massengrab von 100 Opfern des Todesmarsches der ungarischen Juden, die im April 1945 durch das Ennstal getrieben wurden, mahnt zum Einsatz für Toleranz und Menschenrechte.

„Am Anfang dachte ich, dass dieser Friedhof eigentlich nichts besonderes ist, aber je länger ich bei der Führung zuhörte, desto mehr wurde für mich die jüdische Geschichte von Steyr lebendig“, erzählte eine Besucherin. Eine ältere Frau berichtete, dass ihr Vater mit einem Steyrer Juden gut bekannt war und dass die beiden in den 1930-Jahren immer zusammen Schach gespielt hätten.

 

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Archivierte Kurznachrichten vom 23. Oktober 2008

 

NEUES HOLOCAUST-DENKMAL WIRD ENTHÜLLT

Gedenken an die Opfer der „Reichkristallnacht“ vor 70 Jahren

Am 9. November 1938 inszenierten die Nationalsozialisten ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Geschäfte wurden geplündert, Synagogen zerstört und jüdische Bürger verhaftet. 18 Steyrer Juden wurden in der Berggasse eingesperrt, darunter auch drei Kinder.

Am Donnerstag, 6. November 2008 findet um 17.00 auf dem Jüdischen Friedhof in Steyr – Taborweg – eine Gedenkfeier für alle Opfer des Holocaust statt.

Enthüllt wird dabei auch das neue Holocaust-Denkmal, ein Glasplatte mit 86 Namen. „Wir haben lange und intensiv recherchiert, um eine möglichst vollständige Liste der Steyrer Opfer zu bekommen“, so Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr. Aufgenommen wurden Personen, die in Steyr geboren sind oder in Steyr bzw. im Gebiet der Israelitischen Kultusgemeinde Steyr gewohnt haben. Mit den Namen soll den Opfern auch ihre Würde wieder zurückgegeben werden. 70 Jahre nach der Auflösung der Israelitischen Kultusgemeinde Steyr setzt das Mauthausen Komitee Steyr – es besteht seit 20 Jahren – damit ein wichtiges Zeichen.

Die Gedenkfeier wird seit 19 Jahren durchgeführt und erstmals hält der Bürgermeister der Stadt Steyr, Ing. David Forstenlechner, die Gedenkrede. Vertreter der Parteien und Organisationen werden mit Kränzen der Opfer Gedenken. Die Teilnehmer können vor dem neuen Holocaust-Denkmal „Steine des Erinnerns“ niederlegen. Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.

Auch die Sanierung von 20 Grabsteinen, die schon umgefallen waren oder in nächster umzustürzen drohten, ist abgeschlossen.


Neuigkeiten eingetragen am 17. Oktober 2008

 

Steyrer Synagoge unter Denkmalschutz

Die Steyrer Synagoge ist die einzige erhaltene Synagoge in Oberösterreich. Sie hat als Gebäude die NS-Herrschaft überdauert, da sie schon im September 1938 arisiert wurde. „Auch wenn der Bau nicht als Synagoge errichtet wurde, kommt ihm mit dieser Nutzung hoher Seltenheitswert und entsprechende geschichtliche und kulturelle Bedeutung zu. Konservierte Oberflächenbefunde im Inneren legen die Vermutung nahe, dass noch weitere Aufschlüsse über die Gestaltung eines jüdischen Betraums in der Zeit zwischen 1894 und 1938 möglich sind“, heißt es in der Stellungnahme des Bundesdenkmalamtes.

Im August 2006 brachte das Mauthausen Komitee Steyr beim Bundesdenkmalamt den Antrag ein, die ehemalige Synagoge in Steyr unter Denkmalschutz zu stellen. Das Komitee übergab dem Bundesdenkmalamt auch alle nötigen historischen Hintergrundinformationen. Unterstützt wurde das Anliegen von vielen Organisationen und Privatpersonen, u.a. von der Israelitischen Kultusgemeinde Linz und Wien, dem Mauthausen Komitee Österreich, dem OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus und dem Dekanat Steyr.

Nun wurde die Steyrer Synagoge offiziell unter Denkmalschutz gestellt.
„Am 1. Oktober 1938 wurde die Israelitischen Kultusgemeinde Steyr von den Nationalsozialisten aufgelöst. Am 70. Jahrestag der Zerstörung der Jüdischen Gemeinde von Steyr wird mit der Unterschutzstellung der Synagoge ein wichtiges symbolisches Zeichen des Nichtvergessens gesetzt“, so Mauthausen Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.
Eine Gedenkstele in der Pachergasse erinnert an die frühere Nutzung des Gebäudes und das Schicksal der Steyrer Juden.

 

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ZEITZEUGIN IN STEYR

Helga Weissova berichtet vom Ghetto Theresienstadt

Die heute 79-jährige Helga Weissova-Hoskova wurde mit ihren Eltern als 12-jährige in das Ghetto Theresienstadt, 60<nbsp;>km nordwestlich von Prag, deportiert. Die Menschen im Ghetto lebten in der ständigen Angst vor der Deportation in eines der Vernichtungszentren Treblinka, Auschwitz und Maly Trostinec. Gleichzeitig waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen denkbar schlecht. Hunger, fehlende sanitäre Einrichtungen, mangelhafte Kleidung forderten viele Todesopfer.

Auf Einladung der Steyrer Religionslehrer und Maturanten der HAK Steyr berichtet Helga Weissova-Hoskova am Montag, 20. Oktober 2008 um 19.30 in einem Zeitzeugengespräch im Dominikanerhaus Steyr über ihren Aufenthalt im Ghetto und wie sie als eines der wenigen Kinder überlebt hat. „Zeichne, was Du siehst!“, sagte ihr Vater zu ihr und sie malte das Schreckliche des Ghettos, aber auch die Hoffnung zu überleben. Sie konnte ihre Zeichnungen in einer kleinen Zigarrenschachtel verstecken und wie durch ein Wunder konnten sie gerettet werden. Sie werden zurzeit in einer Ausstellung im Dominikanerhaus Steyr gezeigt.

Von den über 15.000 Österreichern und Österreicherinnen, die nach Theresienstadt deportiert wurden, kamen ca. 6.200 dort ums Leben, ca. 7.500 wurden in die Vernichtungslager weiterdeportiert. Auch fünf Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde Steyr kamen in Theresienstadt um. Emma Wurmfeld betrieb mit ihrem Sohn Emil in der Sierningerstraße ein Schuhgeschäft und wurde 1942 ermordet. Ihr Mann Moritz Wurmfeld war Tempelvorstand in Steyr und einer der Spender für die Steyrer Synagoge. Isidor Spielmann besaß in der Neuschönau das Ausflugsgasthaus „Isabellenhof“. Er wurde 1943 in Theresienstadt ermordet.

Helga Weissova-Hoskova lebt und arbeitet heute als international anerkannte Künstlerin in Prag. „Dieses Zeitzeugengespräch ist eine einmalige Chance, eine Überlebende des Ghettos Theresienstadt in Steyr zu hören“, so Religionslehrer und Mauthausen Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.

Die Ausstellung „Zeichne, was Du siehst!“ ist wochentags noch bis 22. Oktober und von 28. Oktober bis 12. November 2008 jeweils von 14.00 bis 18.00 im Treffpunkt Dominikanerhaus Steyr zu sehen. Samstags kann sie von 9.00 bis 12.00 besichtigt werden. Schulklassen können die Ausstellung nach Voranmeldung im Dominikanerhaus auch vormittags ab 8.30 besuchen.

(Treffpunkt Dominikanerhaus: Tel. 07252 / 45 400)

 

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Neuigkeiten eingetragen im September 2008

 

Jüdischer Friedhof geöffnet
Einziger Beitrag Steyrs zum Tag des offenen Denkmals

Aus Sicherheitsgründen ist der Jüdische Friedhof in Steyr normalerweise geschlossen. Am Sonntag, 28.September 2008, dem Tag des offenen Denkmals ist der Friedhof von 14.00 bis 16.00 zu besichtigen.
Laufend werden Führungen angeboten. Die männlichen Besucher werden dem jüdischen Brauch entsprechend gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.
Die Besucher können dabei mehr über die Geschichte des Friedhofes und jüdische Begräbnisbräuche erfahren. An einem Sabbat – Freitagabend bis Samstagabend – darf ein jüdischer Friedhof grundsätzlich nicht betreten werden.
Der Jüdische Friedhof Steyr wurde 1873 angelegt, nachdem Mitte des 19. Jahrhunderts eine Reihe jüdischer Familien aus Böhmen und Mähren nach Steyr zog. In der Nazizeit wollte der Bürgermeister den Friedhof völlig zerstören. Aufgrund des Kriegsendes konnte er seinen Plan nicht mehr ausführen. Nach dem Krieg wurde ein Teil der Grabsteine entwendet und der Friedhof verwilderte immer mehr. Nach der Errichtung einer Gedenktafel an der Außenmauer des Friedhofes 1989 organisierte das Mauthausen Komitee 1990 und 1991 eine gründliche Sanierung des Friedhofes. In den folgenden Jahren wurden immer wieder Grabsteine und Wege in Stand gesetzt. Im August und September 2008 wurden 20 Grabsteine saniert.
Anfang November findet alljährlich eine Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust statt. Ein Massengrab von 100 Opfern des Todesmarsches der ungarischen Juden, die im April 1945 durch das Ennstal getrieben wurden, mahnt zum Einsatz für Toleranz und Menschenrechte.
„Ich werde immer wieder gefragt, ob und wann man den Jüdischen Friedhof besichtigen kann. Dieser Tag des offenen Denkmals ist eine gute Chance dazu“, meint Mauthausen-Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier.


Neuigkeiten eingetragen am 12. Juni 2008

 

Gedenktafel für erschossenen Vater

Anlässlich des 63. Jahrestages der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz kamen heuer mehr als 200 Italiener nach Steyr. Bei einem Essen im Gasthaus Mader wurde die Freundschaft zwischen dem Mauthausen Komitee Steyr und der Associazione nazionale ex deportati nei lager nazisti (ANED) aus Sesto San Giovanni, einer Stadt im Norden von Mailand, besiegelt. Anwesend war dabei auch der Bürgermeister der Stadt Sesto San Giovanni. Eine Delegation nahm auch an der Steyrer Befreiungsfeier teil. Delegationsleiter Guiseppe Valota erinnerte dabei an seinen Vater Guido Valota – er wurde auf einem Todesmarsch von Wien nach Mauthausen getrieben -, der Anfang April 1945 in Steyr bei Zwischenbrücken erschossen wurde, weil er nicht mehr weiter konnte. Vermutlich wurde seine Leiche im Steyrer Krematorium verbrannt. „ Nach 63 Jahren“, so Guiseppe Valota, „kann ich sagen, dass ich den Kreis der Geschichte meines Vaters geschlossen habe, denn wenigstens seine Asche ist hier, es ist ein physischer Platz, wo wir uns wieder treffen.“

Tief bewegt enthüllten er und sein Bruder Stefano – er war 11 Jahre als sein Vater deportiert wurde- nach der Befreiungsfeier in Münichholz am Friedhof in Steyr eine Gedenktafel für ihren Vater und seine Kameraden. 15 Jahre hat Valota gebraucht, um den Todesort seines Vaters herauszufinden. Das Mauthausen Komitee Steyr unterstützte die Italiener bei der Realisierung der Gedenktafel. „Das Engagement für die Erinnerung hat eine herzliche Freundschaft mit der Delegation aus Sesto San Giovanni entstehen lassen“, ist Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr erfreut.

 

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Widerstand endete oft im KZ

Befreiungsfeier 2008 beim KZ-Denkmal in Steyr-Münichholz

Am Montag, den 19. Mai, fand auf der Wiese unterhalb des KZ-Denkmals in der Haagerstraße in Steyr die Befreiungsfeier 2008 statt. Anlass war der 63. Jahrestag der Befreiung des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz durch amerikanische Truppen am 5. Mai 1945.

Mauthausen Komitee-Vorsitzender Karl Ramsmaier konnte Vertreter der französischen Lagergemeinschaft „Amicale de Mauthausen“, Vertreter des österreichischen KZ-Verbandes und eine Delegation der Associazione nazionale ex deportati nei lager nazisti (ANED) aus Sesto San Giovanni in Italien begrüßen. Guido Valota, der Vater von Delegationsleiter Guiseppe Valota wurde im April 1945 in Steyr erschossen. Gekommen waren auch Gerda Weichsler, Zweite Präsidentin des Oö. Landtages, Bürgermeister Ing. David Forstenlechner, die drei Vizebürgermeister der Stadt Steyr, zahlreiche Stadt- und Gemeinderäte und Vertreter der Parteien und Kirchen. Als Vertreter des Innenministeriums nahm Mag. Jochen Wollner an der Feier teil. Musikalisch wurden die Opfer durch die Chorgemeinschaft „Stahlklang“ unter der Leitung von Thomas Schanovsky gewürdigt. Schüler und Schülerinnen der Berufsschule 2 – Steyr-Münichholz beteiligten sich mit einer eigenen Aktion. 228 weiß gestrichene Holzpfähle erinnerten an die Opfer des KZ-Nebenlagers Münichholz. Dr. Robert Eiter, Sprecher des Oö. Netzwerkes gegen Rassismus und Rechtsextremismus aus Wels, machte in seiner Gedenkrede vor allem auf den kleinen, bisher oft nicht gewürdigten Widerstand aufmerksam und strich besonders den Anteil der Frauen daran heraus. Das Thema der heurigen Befreiungsfeiern lautete „Europäischer Widerstand in Mauthausen“.

Auch im KZ-Nebenlager Steyr, in dem von 1942 bis 1945 zwischen 1000 und 3000 Häftlinge untergebracht waren, gab es Widerstandskämpfer. Einerseits waren es republikanische Spanier, die gegen die faschistische Diktatur Francos kämpften und anderseits Mitglieder der „Resistance“, die in Frankreich gegen die deutsche Besatzung Widerstand leisteten. Sicherlich gab es auch Widerstandskämpfer aus anderen Ländern im KZ Steyr. Von ihnen ist bisher noch wenig bekannt. In Steyr leisteten hauptsächlich die Kommunisten Widerstand gegen die Nazis, vereinzelt aber auch andere. Viele Straßen in Münichholz sind nach dem Krieg nach ihnen benannt worden: Fritz Derflinger, Willi Gruber, Bertl Konrad, Herta Schweiger, Otto Pensl und andere. Nach Karl Punzer, der 1944 enthauptet wurde, ist nicht nur eine Straße, sondern auch die Hauptschule in Münichholz benannt.

Nach der Feier führte ein Gedenkmarsch zum KZ-Denkmal, wo die verschiedenen Organisationen Kränze niederlegten.

 


Neuigkeiten eingetragen im Mai 2007

BEFREIUNGSFEIER
anlässlich des 63. Jahrestages der Befreiung
des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz

am Montag 19.Mai 2008 um 17.30 beim KZ-Denkmal Steyr
Haagerstraße/ Münichholz

Programm auf der Wiese unterhalb des KZ-Denkmals

Begrüßung: Mag. Karl Ramsmaier (Mauthausen Komitee Steyr)

Grußworte: Ing. David Forstenlechner (Bürgermeister der Stadt Steyr)

Gedenkrede: Dr. Robert Eiter ( Sprecher OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus / Koordinator Mauthausen Komitee OÖ.)

Grußworte: Vertreter der französischen Lagergemeinschaft Mauthausen
Aktion: Berufsschule Steyr

Kranzniederlegung beim KZ-Denkmal

Gedenkminute

Musik: „Stahlklang“ Leitung: Thomas Schanovsky

Übersetzung: Mag. Waltraud Neuhauser


GRÜN-PREIS 2007 für das MAUTHAUSEN KOMITEE STEYR

Am 8.12.2007 wurde in Linz der von Landesrat Rudi Anschober gestiftete Grün-Preis 2007 vergeben. In der Kategorie „Kultur“ wurde das Mauthausen Komitee Steyr für das Projekt „Garsten.erinnern“ ausgezeichnet. Karl Ramsmaier und Waltraud Neuhauser arbeiteten in den Jahren 2005 bis 2007 in unzähligen Arbeitsstunden die Geschichte der Marktgemeinde Garsten von 1938 – 1945 wissenschaftlich auf.

Das Projekt bestand aus:
• einem Vortrag über die NS-Zeit in Garsten mit 150 Teilnehmern,

• einem Artikel im neuen „Garstner Buch“,

• dem Buch „Schwere Tage – dunkle Zeiten. Die NS-Zeit in Garsten 1938-1945“,

• einem Gespräch zwischen Zeitzeugen und Jugendlichen und
• der Gedenkstele für zehn Garstner Behinderte, die in der NS-Zeit in der Euthanasieanstalt Hartheim ermordet wurden.
Die Stele wurde von Bernadette Uttenthaler, einer Schülerin der HTL Steyr, entworfen und vom Steyrer Kunstschmied Mario Werndl gefertigt. Enthüllt wurde sie Ende Juni 2007 am Garstner Friedhof. Das Projekt der Gedenkstele Garsten wurde vom Unterrichtsministerium ausgezeichnet.
Für Karl Ramsmaier und Waltraud Neuhauser ist der Grün-Preis nach dem Elfriede Grünberg-Preis 2002 und dem Solidaritätspreis der Linzer Kirchenzeitung 2006 bereits die dritte Auszeichnung.
„Wir freuen uns“, so die beiden, „dass unsere Arbeit über Steyr und Garsten hinaus Anerkennung und Beachtung findet.“

2008 feiert das Mauthausen Komitee sein zwanzigjähriges Bestehen.
Eine Gedenktafel mit den Namen der Steyrer Holocaust-Opfer und die Wiederaufstellung umgestürzter Grabsteine am Jüdischen Friedhof sind die nächsten Projekte des Komitees.


Neuigkeiten eingetragen am 7. November 2007

 

Neue Gedenkstele bei Synagoge enthüllt

Bei strömenden Regen enthüllten am Dienstag, 11. September 2007 Bürgermeister David Forstenlechner, Karl Ramsmaier vom Mauthausen Komitee Steyr und George Wozasek, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Linz, eine neue Erinnerungs-Stele vor der ehemaligen Synagoge in der Pachergasse in Steyr. Die alte Gedenkstele aus Beton stand vierzehn Jahre lang – von 1992 bis 2006 – bis sie bei Umbauarbeiten entfernt und beschädigt wurde, sodass sie nicht mehr aufgestellt werden konnte. Eigentlich sollte die neue Gedenkstele aus Stahl und Glas vor der Hauptfassade der eh. Synagoge stehen, aber mit dem Besitzer, der Raiffeisenbank Region Steyr, war darüber keine Einigung zu erzielen. Die Gestaltung ähnelt der Stele auf der Uprimny-Stiege, die an den letzten Steyrer Juden Friedrich Uprimny erinnert. Friedrich Uprimny starb 1992. Die Stiege vom Wieserfeldplatz zum Taborweg wurde 2002 nach ihm benannt.

Die neue Gedenkstele soll nicht nur informieren, sondern auch die Steyrer Opfer der Shoa würdigen. 62 jüdische Bürger und Mitglieder der IKG Steyr wurden von den Nationalsozialisten in den verschiedensten Konzentrationslagern ermordet. Die Synagoge in Steyr war ihr Gotteshaus und auch das Zentrum ihrer Identität als Minderheit in Steyr. Hier wohnte auch der Rabbiner mit seiner Familie. Dreißig Jahre hindurch war das Heinrich Schön, dessen Enkelin heute achtzigjährig in Australien lebt. In den 1930-er Jahren stand Chaim Nürnberger der Gemeinde vor, dessen Sohn Willi bis zu seinem Tod 2005 immer wieder nach Steyr kam. Er erzählte gerne von seiner Jugendzeit in Steyr, vom Leben der Rabbinerfamilie und von der Synagoge im ersten Stock des Gebäudes. Die blaue Färbelung der Decke mit den goldenen Sternen, die den Himmel symbolisieren sollte, blieb ihm besonders in Erinnerung. Leider existiert sie nicht mehr. Das Gebäude wurde 1894 von der IKG Steyr gekauft und diente bis zur Arisierung 1938 als Synagoge. Nach dem Krieg wurde die Kultusgemeinde neu gegründet und bestand noch wenige Jahre. Das Gebäude ist die einzige erhalten gebliebene Synagoge in Oberösterreich. Die Linzer Synagoge wurde ja 1938 von den Nationalsozialisten angezündet. Ende der 1960 er Jahre wurde in Linz eine moderne Synagoge gebaut. Diese Besonderheit in Steyr erfordert einen sehr sensiblen Umgang mit diesem Gebäude. Eine kulturelle Nutzung des Gebäudes mit einer Dauerausstellung über Jüdisches Leben in Steyr wäre wünschenswert gewesen.


Neuigkeiten eingetragen am 8. November 2007

 

Gedenkrede anlässlich der Enthüllung der Gedenkstele am Friedhof in Garsten

29. Juni 2007

Sg. Damen und Herrn !

Anfang der 1990-er Jahre wurde in Garsten das Theaterstück „Kein Platz für Idioten“ gespielt. Manche werden sich noch erinnern können. Es handelt von einem 17-jährigen Burschen, den seine Eltern hassen, weil er behindert ist. Ein alter Mann nimmt ihn zu sich und kümmert sich um ihn. Als er ihn ins Dorfwirtshaus mitnimmt, kommt es zu Protesten. Er würde mit dem Behinderten im Gasthaus dem örtlichen Fremdenverkehr schaden. Der alte Mann lässt sich aber nicht beirren, organisiert im Wunschkonzert des Radios ein Lied für den 17-jährigen Sebastian. Als der sich das Lied an seinem Geburtstag anhört, wird er wegen des Vorwurfs der Belästigung eines Mädchens im Bad abgeholt und in einer Anstalt gebracht.

Noch unbekannt war bei Aufführung dieses Stückes, dass in der Realität 50 Jahre davor zehn Menschen aus Garsten abgeholt und in eine Anstalt gebracht wurden, aus der sie nie wieder zurückkamen. Niemand hat diese Anstalt überlebt. Daher können auch keine Zeitzeugen über die Geschehnisse berichten.

Im Mai 1940 begannen die ersten Transporte in die Euthanasieanstalt Hartheim. Bis Ende Juni 1940 wurden ca. 500 Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Niedernhart, ungefähr die Hälfte des Patientenstandes, nach Hartheim gebracht und getötet. Die Transportbegleiter und Bürokräfte brachten sie in den Entkleidungsraum. Kleider, Schmuck und persönliche Gegenstände wurden mit Nummern versehen und aufbewahrt. In den ersten Monaten wurden dazu auch Bürokräfte herangezogen. Eine davon war die Sekretärin Karoline B., genannt „Lilli“, aus Steyr, die in Garsten BDM-Führerin war. Im Aufnahmeraum überprüfte dann der Arzt die Identität, Menschen mit einem goldenen Zahnersatz wurden speziell gekennzeichnet. Dann kamen die Opfer mit 30 bis 60 anderen in die Gaskammer, die als Brausebad gekennzeichnet war. Nach ca. 10 bis 15 Minuten trat der Tod ein und die Leichen wurden im Krematorium verbrannt. Ein Teil der Asche wurde in Urnen gefüllt, ein anderer Teil einfach in die vier Kilometer entfernte Donau geschüttet. Die Bürokräfte mussten die massenhafte Ermordung tarnen und es wurden daher natürliche Todesursachen erfunden. Die Todes-meldung kam oft aus weit entfernten Anstalten, um die Angehörigen nicht auf die Idee zu bringen genauer nachzuforschen. Der ärztliche Leiter von Hartheim bestimmte die offizielle Todesursache und bediente den Gashahn für die Gaskammer. Der „Büroleiter“ war für den verwaltungstechnischen Ablauf der Massentötungen verantwortlich. Nach dem Aufstieg von Franz Stangl zum „Büroleiter“ von Hartheim Ende 1940 wurde der Steyrer Kriminalbeamter Franz Reichleitner stellvertretender Büroleiter. Reichleitner hatte 1933 die Garstnerin Anna B. geheiratet. In Hartheim lernte er Organisation, Durchführung und Methode der Massen-tötungen. Er wurde beschrieben als perfekter Bürokrat, der seine Tötungsmaschinerie mit Präzision vom Schreibtisch aus steuerte. Im September 1942 wurde Reichleitner Kommandant des polnischen Vernichtungslagers Sobibor. Bis Oktober 1943 dürften unter seinem Kommando zwischen 150.000 und 200.00 Juden ermordet worden sein.

Im August 1941 stoppte Hitler die „Aktion T4“ in Hartheim. Danach wurden in Hartheim KZ-Häftlinge ermordet, insgesamt 8.066. Der Jüngste war erst 14 Jahre alt. Im Dezember 1944 wurde die Tötung von Häftlingen beendet und alles wieder rückgebaut. Auch der Krematoriumsofen wurde entfernt. Es sollten alle Spuren des Verbrechens beseitigt werden. Insgesamt wurden in Hartheim ca. 30. 000 Menschen ermordet, darunter auch jene zehn Garstner, für die wir heute diese Gedenkstele enthüllen.

Warum, so frage ich mich immer wieder, war das alles in einem als zivilisiert geltenden Land möglich? Warum war es in einem Land, das über Jahrhunderte vom Christentum geprägt war, möglich Menschen einfach umzubringen, weil sie behindert waren?

Eine befriedigende Antwort habe ich bis heute nicht gefunden, aber vielleicht einige bescheidene Antwortversuche:

    • Es war möglich, weil die Nationalsozialisten über eine funktionierende Bürokratie verfügten. Die Gesundheitsämter lieferten die Vorarbeit für die Vernichtung.

 

    • Es war möglich, weil in der Gesellschaft eine Art ‚moralische Gleichgültigkeit‘ erzeugt werden konnte.

 

    • Es war möglich, weil einem Teil der Gesellschaft – Behinderten, sog. Asozialen, Juden, Roma und Sinti – die Persönlichkeit und die personale Würde abgesprochen wurde. Es wurde zwischen lebenswertem und lebensunwertem Leben unterschieden.

 

    • Es war möglich, weil alles dem Kriterium der ökonomischen Nützlichkeit unterworfen wurde, schon lange vor den Nationalsozialisten. Lebensrecht hatte damit nur mehr der, der nützlich war für die Gesellschaft.

 

    • Es war möglich, weil es die Utopie einer neuen, schönen gesunden Welt gab, die ‚gereinigt‘ sein sollte von allem was anders war. Eine behindertenfreie, ‚judenfreie‘ und Roma und Sintifreie Welt war der Traum der Nationalsozialisten. Wer anders war oder ein Gebrechen hatte, störte das Ziel eine perfekte Gesellschaft zu werden.

 

  • Es war möglich, weil die Nationalsozialisten den unbedingten Willen hatten, diesen verbrecherischen Traum in die Tat umzusetzen.

Aber auch trotz dieser Erklärungsversuche bleibt es für uns schwer vorstellbar, was damals möglich war und tatsächlich auch getan wurde. „Ich kann mir nicht vorstellen wie man so etwas grausames Seinesgleichen antun kann“, schrieb eine Schülerin der HTL Steyr nach dem Besuch in Hartheim. Uns bleibt das Erinnern und das Gedenken.

Gedenken heißt Fragen zu stellen.

„Was ist lebenswertes Leben? Wer entscheidet, was lebenswertes Leben ist? Wer maßt sich an, das entscheiden zu können ?“ Fragen, die der ehemalige Innenminister Caspar Einem 1998 bei einer Rede in Hartheim stellte. Und er fragt weiter:

„Welcher Maßstab wird herangezogen, wenn wir entscheiden, was normal und was abnormal, was krank ist? Und wer entscheidet über diese Art von Normen?“ Ist es normal, dass Behinderte in einem Gasthaus nichts verloren haben, weil sie den Fremdenverkehr stören könnten, wie in dem Stück „Kein Platz für Idioten“ von Felix Mitterer ein Teil der Dorfbewohner meint? Oder ist es nicht vielmehr normal, dass Behinderte selbstverständlich in unsere Gesellschaft integriert sind?

Sind wir nicht allzu schnell in der Gefahr, unsere Art zu leben zur Norm zu machen und alles andere für abnormal, nicht der Norm entsprechend, zu erklären? Der leistungsfähige, fitte Mensch als Norm.

Ist es nicht gefährlich überhaupt die Unterscheidung zwischen lebenswertem Leben und lebensunwertem Leben zuzulassen? Mit der Unterscheidung sagt man ja schon indirekt aus, das es lebensunwertes Leben geben könnte.

Hat sich nicht heute die Meinung, dass es Behinderung nicht geben sollte oder dürfte bzw. dass man sie unter allen Umständen verhindern sollte, durchgesetzt?

Josef Fragner, der Direktor der Pädagogischen Akademie des Bundes in Linz schreibt vor einer Woche in den OÖN über das Linzer Kulturfestival „sicht:wechsel“, an dem viele Menschen mit Down-Syndrom beteiligt sind, es bestehe die Gefahr, dass diese Menschen nicht mehr willkommen sind, da ihre Krankheit vor der Geburt feststellbar sei. „Schon jetzt wird nur mehr eines von 1000 Kindern mit Down-Syndrom bewusst zur Welt gebracht. Wir kämpfen zu Recht gegen die Bedrohung der Vielfalt der Pflanzen und Tiere, doch gegen die Bedrohung der menschlichen Vielfalt scheinen wir blind zu sein“, so Fragner.

Gedenken heißt lernen für Gegenwart und Zukunft.

    • Wir müssen aus den Geschehnissen von damals lernen, dass jeder Mensch eine unschätzbare Würde hat, die nicht von Gesundheit oder Krankheit, nicht vom Alter, nicht von Klugheit und Schönheit und auch nicht von der Nützlichkeit für die Gesellschaft abhängt. Wie wir diese Würde begründen, ob religiös – der Mensch als Ebenbild Gottes – oder human – mit den Menschenrechten – ist nicht so wichtig. Der deutsche Bischof Kamphaus meinte einmal „Der Mensch hat nicht Wert, der Mensch hat Würde“. Im Bekenntnis zu dieser Würde sind wir uns schnell einig, aber in der realen Umsetzung spüren wir oft unsere Defizite.

 

    • Wir müssen wieder lernen, dass nicht alles Leben Leistung ist und der Nützlichkeit unterliegt. Vieles, was das Leben so wertvoll macht, ist nicht mit den Kategorien der Leistung und Nützlichkeit erfassbar.

 

    • Wir müssen lernen, das Anderssein des Anderen anzuerkennen und auszuhalten. Das geschieht am besten, wenn es zu einer direkten Begegnung kommt, mit Behinderten, mit Ausländern, mit anderen Religionen, mit Menschen, die einen anderen Lebensentwurf haben als ich selbst.

 

    • Die rechtliche Anerkennung und die Abschaffung der Diskriminierung führen noch nicht automatisch zu einer positiven Einstellung gegenüber der anderen Person. Es braucht Empathie, den Geist der Solidarität. Toleranz allein ist zuwenig. Es braucht vermehrt die Solidarität in unserer Gesellschaft, nicht die Ausgrenzung jener, die nicht mithalten können in unserer Leistungsgesellschaft.

 

  • Wir müssen lernen neuen Heilsversprechen kritisch und auch mit einem gesunden Maß an Misstrauen gegenüberzustehen. Durch pränatale Diagnostik und Genetik haben sich neue Möglichkeiten für den Menschen aufgetan. Allzu leicht wird mit dem Argument der Kosten zukünftig behinderten Menschen das Lebensrecht abgesprochen. Die Utopie einer weitgehend leidfreien Gesellschaft durch genetische Optimierung des Menschen steht im Raum. Sensibilisiert durch die Geschichte ist hier Vorsicht und Skepsis am Platz. Ähnliches gilt für die Sterbehilfe, die ja schon in manchen europäischen Staaten Praxis ist.

Gedenken heißt Zeichen setzen

Im Bezirk Steyr-Land kamen die meisten Opfer der Euthanasieanstalt Hartheim aus Garsten, dicht gefolgt von Sierning mit 7 Opfern. Wir setzen heute ein Zeichen für diese 10 behinderten Menschen aus Garsten, die über 60 Jahre vergessen waren, für die es kein Gedenken gab. Sie standen am Rand, zählten wohl zu den Schwächsten der Gesellschaft. Garsten ist die erste Gemeinde und Pfarre, die diesen Menschen ein Erinnerungszeichen widmet.

Mit dieser Gedenkstele setzen wir ein Zeichen des Gedenkens, ein Zeichen der Würdigung. Die Namen, wenn auch aus Datenschutzgründen in abgekürzter Form, weisen auf die Menschenwürde hin, auf die menschliche Person, auf die Einzigartigkeit jedes Menschen. „Der Mensch hat nicht Wert, der Mensch hat Würde“, sagte Bischof Kamphaus.

Junge Menschen haben diese Gedenkstele gestaltet. Bernadette Uttenthaler als Künstlerin und Mario Werndl als Kunstschmied.

Möge der erste Satz der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte “ Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, der in das Eisen dieser Gedenkstele hineingeschrieben wurde, für uns heute und für zukünftige Generationen immer mehr zur Wirklichkeit werden.

Möge die Menschenwürde nie mehr so mit Füßen getreten werden wie damals.

Möge dieses Zeichen der Menschenwürde hier am Garstner Friedhof viele Menschen zum Nachdenken anregen.

Mag. Karl Ramsmaier


Neuigkeiten eingetragen am 26. Juni 2007

 

Nach
60 Jahren gewürdigt

 

HTL-Schülerin
entwarf Gedenkstele für Garstner Hartheim-Opfer

 

 

Über
60 Jahre gab es kein Gedenken, kein Erinnern und keine Würdigung
.
Zeitgeschichtliche Forschungsarbeiten von Karl
Ramsmaier und Waltraud Neuhauser in den Jahren 2005 und 2006 brachten
erstmals ans Tageslicht, dass in der NS-Zeit auch zehn Garstner
Behinderte in der Euthanasieanstalt Hartheim ermordet wurden. Auf
Initiative des Mauthausen Komitees Steyr beschloss daher der
Pfarrgemeinderat Garsten diesen Opfern auf dem Garstner Friedhof eine
Gedenkstele zu widmen. Unter der Leitung von Mag. Klaus Pichler und
Mag. Alfons Stimpfl übernahm die 4. Klasse der HTL
Steyr/Abteilung für Metalldesign die künstlerische
Gestaltung.

 

Die
Schüler /-innen besuchten deshalb im November 2006 die Lern- und
Gedenkstätte Hartheim.
„Wie
können andere Menschen jemanden so etwas antun,“ fragte sich
etwa eine Schülerin.
„Ich
war von den Inhalten, die mir dort vor Augen geführt wurden,
zutiefst betroffen,“ meinte eine andere.

„Der Tag hat mich auf viele gute Ideen für meine Stele
gebracht,“ fasste wieder eine andere Schülerin das Ergebnis
dieses Tages zusammen. Mit ihrem Religionslehrer Mag. Karl Reiter
konnten sie auch die Kunstwerkstätte des Institutes Hartheim
besichtigen. Im Februar 2007 wählte eine Jury von den 25
exzellenten Entwürfen der Schüler/-innen die beste Arbeit
aus. Die Jury, bestehend aus Vertretern der Pfarre Garsten, der
Gemeinde Garsten, des Mauthausen Komitees Steyr und der Kunst,
entschied sich für Bernadette Uttenthalers Entwurf. „Es gibt
sowohl das Perfekte als auch das Geknickte, Gekrümmte, das
Nichtgeradlinige und eines steht immer in Verbindung mit dem
anderen,“ beschreibt sie ihre Idee.

 

Finanziert
wird die Stele von der Diözese Linz, der Gemeinde Garsten, dem
Land OÖ. und dem Bundesministerium für Unterricht und
Kunst. Das Projekt wurde auch bei der Schulaktion „Kulturelles
Erbe. Tradition mit Zukunft“ des Ministeriums eingereicht und für
förderungswürdig befunden. Mit der Realisierung ist der
ehemalige HTL-Schüler und Kunstschmied Mario Werndl beauftragt.
Am Freitag, 29. Juni 2007 um 19.00 wird sie am Garstner Friedhof
feierlich enthüllt. „Einerseits werden damit die Opfer nach 60
Jahren erstmals gewürdigt und andererseits ist der erste Satz
der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ‚Alle Menschen
sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren‘ auf dieser
Gedenkstele ein Auftrag für Gegenwart und Zukunft,“ meint
Initiator Karl Ramsmaier.

 

 

Mag.
Karl Ramsmaier

 


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Neuigkeiten eingetragen am 26. Juni 2007

 

Gedenkrede von Antonia Rahofer anlässlich der
Befreiungsfeier am 7.5.2007

 

 

Es gibt nichts auf der Welt, was so unsichtbar wäre wie
Denkmäler“
, schreibt Robert Musil. Vielleicht liegt uns
gerade deshalb einiges daran, die steinernen Sockel, Statuen und
Grabsteine sicht- und einsehbar zu halten: Goldgravuren auf Marmor
werden erneuert, frische Blumen gepflanzt und wuchernde Äste
ausgeschnitten.

 

„Ich schreibe gerade an einem Text über Erinnerung, Literatur
und die Shoah“, erzähle ich einem Jungen aus meinem Dorf. Er
aber erwidert mir unverwandt, sie hätten beim Bundesheer im
ehemaligen KZ Mauthausen die jungen Bäume und frisch gewachsenen
Sträucher nieder schneiden müssen, damit der Blick auf den
Steinbruch unverstellt bleibe. Und auch die Stufenabstände der
Todesstiege wurden für die Besucher angeglichen und begradigt.
Leichter steigen geht also vor, denke ich, und der Ausblick vom
Inneren der Baracken hinaus auf den Steinbruch soll haargenau der
gleiche bleiben.

 

„Der Blick soll der gleiche bleiben“, hallt es noch lange in mir
nach. Natürlich, Baracken und Todesstiege bleiben an ihrem Ort
und das Grün mag den Ausblick behindern, aber: Jeder einzelne
wird mit seinem inneren Auge dennoch immer anders auf die
Vergangenheit blicken. Die äußere Platzierung bleibt, der
Blick aber wandert weiter. Ganz unabhängig von der Höhe der
Bäume oder den Abständen der Stufen, die in ihrer
Inszenierung erstarren.

 

 

Ein Denkmal entsteht neu – mit jedem Betrachter, der sich auf seine
Zeichensprache einlässt. Es fordert auf, zu erinnern und
Ereignisse zu vergegenwärtigen, die zu einer Zeit geschahen, als
ich selbst noch gar nicht auf der Welt war. Bilder aus zweiter Hand
schieben sich zwischen mich und eine Erinnerung, auf die ich nicht
mehr direkt zugreifen kann. Ihr Klang aber ist eindringlich und
schmerzt, er breitet sich träge und lahm über die Jahre.
Fragmente von Bildern der Vernichtung tauchen auf, brechen weg in
unfassbare Richtungen und holen mich ein – jetzt.

 

 

Das Denkmal darf nicht in einer konkreten Anweisung zur Betrachtung
und einer von außen festgeschriebenen Bedeutung erstarren, denn
darin liegt die Gefahr, sich doppelt zu entfremden: einerseits
zeitlich – als eine Vergangenheit, die als abgeschlossen
besiegelt wird, andererseits räumlich – als ein Ort der
„Anderen“, den wir von uns wegschieben und der die Debatte um ein
gemeinsames „Wir“ unterbindet. Vielmehr kann das Mahnmal als
Gedächtnisort den Dialog verbreitern, verändern,
verunsichern, aber niemals ersetzen. Nie sagt es uns im Dickicht der
Schuldzuweisungen los von der Verantwortung, auch wenn seine
Erinnerungsarbeit entlasten und Trauer lösen kann. Das Denkmal
bleibt ein Fingerzeig auf etwas Abwesendes, für das es Symbol
sein möchte. Ohne uns aber bleibt es bei einem leeren Zeichen,
sichtbar wird es nur, wenn wir selbst es mit Bedeutung füllen.

 

Denn unsichtbar ist nur, was wir uns nicht vorstellen können.
Und die Vorstellung selbst ist unangreifbar.

 

Denkmäler müssen nicht aus Stein sein, sie können auch
unangetastet im Kopf entstehen: Ob Schrift, Körper, Bilder,
Klänge oder Wortspuren, die Kunst hat die Kraft, auf die Shoah
als eine gemeinsame Wunde hinzuweisen. Gerade die Literatur
ruft unnachgiebig nach dem Namen der Toten und holt die verborgenen
Geschichten dort hervor, wo auf den Sockeln Ziffern und Gedenkformeln
in ihrer Allgemeinheit festgeschrieben bleiben. Wenn wir lesen,
drängen sich Erinnerungen und Geschichten vom Schicksal
Einzelner ins Jetzt und rufen dir leise, aber unnachgiebig ins Ohr:
„Vergiss mich nicht!“.

 

In der Literatur ist der Dialog offen, vielfältig und manchmal
verunsichernd. Geschichten und Erzählungen machen uns als Leser
bekannt mit einer Welt, die den nächsten normierten
Treppenabsatz, den nächsten zurechtgeschnittenen Strauch getrost
hinter sich lässt. Die Geschichten schreiben sich mit jedem
Leser neu, strahlen durch ihn ab in die äußere Welt und
lassen so auch die „offizielle“ Geschichtsschreibung nicht ganz
unberührt.

 

 

Während also die große Erzählung der
Geschichtswissenschaft vor- und nachschreibt, was nicht vergessen
werden darf, gibt die Literatur der Leere des Unbenannten einen Raum.
Sie schafft einen Ort des Nicht-Seins, an dem das Denken die
verwirrten Spuren der Opfer und ihrer abgebrochenen Erzählungen
wieder aufnehmen kann.

 

Denn der Massenmord hat in unserem Gedächtnis einen blinden
Fleck hinterlassen. Lebensgeschichten setzten jäh aus, liegen
als stumm schreiende Abgründe aufgerissen vor uns. Ihre
Gesamtheit können wir nicht fassen, weil es kein Außerhalb
der Geschichte und kein Außerhalb der Sprache gibt. Mit den
Ermordeten wurde die Erinnerungskette gewaltsam unterbrochen und die
Generationen verbindende Übertragung von Geschichten begann zu
hinken, hinterlässt auch heute Lücken im Gedächtnis.
Und es fällt nicht leicht, zu begreifen, was nicht mehr ist.

 

 

Die Literatur aber verknüpft die Lücken dieser Erzählungen,
sie speichert und trägt weiter. Sie nimmt das Trauma als offen
liegende Wunde in sich auf, und lindert es, indem sie erzählt.
Vergessen geglaubte Verbindungen werden so lesbar und machen den
Verlust stets in Fragmenten erfahrbar. Die Herausforderung der
Sprache ist es, eine Darstellungsform zu finden, die sich nicht im
vereinfachenden Gegensatz von „Uns“ und den „Anderen“, von
Gut und Böse ergeht. Das Feld der Literatur liegt im grauen und
namenlosen Bereich zwischen den Fronten, zwischen den Zeilen.

 

Und dort, wo sie kräftig und unbändig spricht, lauert klein
und verschreckt, der, den sie ertappt: Die Aussagekraft der Dichtung
birgt auch ein Potential der Angst. Denn ihre Stimme ist frei (das
ist die oberste Prämisse ihrer Entstehung) und ihre Wirkung
nicht zu lenken. Ungezähmt entzieht sie sich der Vereinnahmung
durch Politik und Ideologien, will nicht bezwungen oder gestriegelt
sein. Aus der Autorität der Zeugenschaft erhebt sie sich zur
Stimme der Gegen-Erinnerung, die dort zerklüftet und dort
zerstreut, wo nur eine einzige und eingeengte Meinung um
Aufmerksamkeit heischt.

 

 

Dort, wo die Möglichkeit einer faktisch vollkommenen
Repräsentation endet, beginnt der Spielraum der Literatur. Ihr
scheinbarer Mangel, nämlich immer nur Teile vom Ganzen zeigen zu
können, wird nun zum Schatz. Und der lässt sich für
jeden heben, an jedem nur denkbaren Ort, ob im Stillen und Geheimen,
oder im betäubenden Gebrause des Alltags: An die Leerstelle, die
die Wörter zu schließen versuchen und dabei dennoch Raum
für den Einzelnen offen halten, kann ich auch in der Welt, in
der ich heute lebe und lese, anknüpfen. Indem ich mich hinwende
und lese, schreibe ich die Geschichte weiter. Werde selbst zum
Denk-Mal.

 

 

Der Raum der Erzählung ist jener der Nachträglichkeit. Ob
von Zeitzeugen oder nachfolgenden Generationen geschrieben, erzählt
sie Geschichten einer gemeinsamen Vergangenheit, baut aber auch mit
an dem möglichen „Wir“ einer gegenwärtigen
„Erinnerungsgemeinschaft“. Dabei verfährt sie wie eine
Taschenlampe: Im Dunkeln leuchten die Wörter eine möglichst
kleine Fläche möglichst hell aus, bringen zerklüftete
Erinnerungssplitter ans Licht. Sprachbilder beseelen mein Gedächtnis
und verwandeln einen unbewohnten Speicher der Vergangenheit zu einem
lebendigen Ort der Erinnerung. Geschützte Winkel der
Sprache tun sich da auf, heimelige Horte, an denen es sich verweilen
lässt. Im Sammeln der Geschichten sammelt man sich selbst.

 

 

Jede Erzählung geht aber auch über sich selbst hinaus,
trägt mit sich eine Utopie jener Geschichten, die noch zu
erzählen bleiben. Vielleicht sind es vergnügliche,
genussvolle und unbeschwerte Geschichten, vielleicht sogar versehen
mit einem glücklichen Ende, das sein hätte können: Es
könnten Geschichten geschrieben werden, die nie stattgefunden
haben – denn letztendlich verweisen auch sie darauf, was ihre
Verwirklichung behindert hat. Die Leerstelle, die die Shoah bedeutet,
ist ihnen stets eingeschrieben.

 

Dem Verlust immer wieder andere Namen zu geben, knüpft das
lückenhafte Netz der Bedeutungen wieder dichter. Die Wörter
flicken und fangen auf, wo Benennungen fehlen, oder man könnte
auch sagen: wo der Sinn fällig wurde.

 

Wörter fordern die Erinnerung nicht nur heraus, sie trösten
auch und tragen uns durch geheime Räume, durch die Zeit. Und
vielleicht tragen sie uns (und wir sie!) in eine Zukunft, in der die
gemeinsame Geschichte von Betroffenen und Verschonten, von Zeitzeugen
und neuen Generationen, von Tätern und Opfern nicht mehr eigens
benannt werden muss, weil wir ganz selbstverständlich in ihr
leben. Die Literatur ist dieser Zukunft Nahrung, sie kann die
Möglichkeit dieser gemeinsamen Geschichte les- und denkbar
machen, Vorstellung und Wirklichkeit ineinander greifen lassen.

 

Und dann, um auf Robert Musil zurückzukommen, gäbe es
plötzlich nichts auf der Welt, was so sichtbar seine
Wirkung getan hätte, wie Denkmäler es tun.

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Neuigkeiten eingetragen am 18. Jänner 2007

 

Buchpräsentation in Garsten:

„Schwere Tage – dunkle Zeiten“

 

Am 23. November 2006 fand im Sitzungssaal des Marktgemeindeamtes Garsten die Präsentation des neuesten Buches
des Autorenduos Mag. Karl Ramsmaier und Mag.a Waltraud Neuhauser
statt. Zahlreiche Garstner, aber auch andere Interessierte (insgesamt an die
130 Personen), waren der Einladung gefolgt, sodass der Saal übervoll war.

 

Während Vizebürgermeister und Kulturreferent
Mag. Anton Silber in seinen Grußworten von einem wichtigen Beitrag zur Ortsgeschichte
sprach, verstand Pfarrmoderator Dr. Alfred Habichler das Buch als Beitrag zu
einer Kultur der Versöhnung. Dazu müsse die Wahrheit zu ihrem Recht kommen und
die Opfer dem Vergessen entrissen werden. Nachdem die Autoren die Forschungs-ergebnisse
bereits im Herbst des Vorjahres vorgestellt hatten, präsentierten sie nun
Zeitzeugenberichte, umrahmt von der Musikgruppe „Daunundwaun“ unter der Leitung
von Max Bramberger. Anschließend wurden historische Fotos -erstmals auch von
Zwangsarbeitern – gezeigt, die bei vielen Garstnern Erinnerungen wachriefen. Am
Ende des Abends überreichten die Autoren den Zeitzeugen als Dank ein
Buchexemplar.

 

Das Buch „SCHWERE TAGE – DUNKLE ZEITEN. Die NS-Zeit in Garsten
1938-1945“ ist im Verlag Denkmayr erschienen. Erhältlich ist es bei den
Autoren, in der öffentlichen Bibliothek
der Pfarre Garsten, im Bürgerservice des Marktgemeindeamtes Garsten und im Buchhandel. Der Preis beträgt € 16.-.

 

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Neuigkeiten eingetragen am 16. Jänner 2007

 

GEDENKTAFEL für JÜDISCHE SCHÜLER

BRG Steyr setzt ein Zeichen

 

Neun ehemalige Schüler/innen des BRG Steyr wurden in den Jahren 1939
-1944 in Konzentrationslagern deportiert und ermordet. Angeregt durch das
Mauthausen Komitee Steyr beschäftigten sich neun Schüler und Schülerinnen der
siebten und achten Klassen unter der Leitung von Mag.a Angela Stockhammer intensiv mit deren Schicksal.
Das war aber dem Projektteam nicht genug – ein öffentliches Zeichen der
Erinnerung sollte gesetzt werden.

 

Am Mittwoch, 8. November 2006, fand daher um
16.00 Uhr im Festsaal des BRG Steyr eine Gedenkfeier statt, bei der auch die
erforschten biographischen Daten der ehemaligen Schüler/innen der
Öffentlichkeit präsentiert werden. Die bekannte Linzer Schriftstellerin Anna
Mitgutsch hielt die Gedenkrede. Anschließend wurde von Bürgermeister Ing. David
Forstenlechner an der Außenmauer der Schule eine Gedenktafel enthüllt, die an
die jüdischen Opfer der Schule erinnert. Der Präsident der Israelitischen
Kultusgemeinde Linz DI George Wozasek sprach das jüdische Totengebet Kaddisch
und die Schülerinnen und Schüler legten Blumen bei der Gedenktafel nieder.

 

An der Feier nahmen ca. 200 Personen teil,
darunter viele Schüler/innen, Eltern, Lehrer/innen und Persönlichkeiten des
öffentlichen Lebens. Von den Schülerinnen und Schülern wurde auch eine
Gedenkbroschüre erstellt. In den regionalen Medien und im Regionalfernsehen
wurde darüber ausführlich berichtet.

 

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Neuigkeiten eingetragen am 28. September 2006

 

 

erscheint im November 2006 im Verlag Denkmayr

 

 

Karl Ramsmaier /
Waltraud Neuhauser

„Schwere Tage –
dunkle Zeiten . Die NS-Zeit in Garsten 1938 – 1945“

 

Genau recherchiert und wissenschaftlich fundiert legen die beiden Autoren,
Karl Ramsmaier und Waltraud Neuhauser, einen bisher unerforschten Teil der
Ortsgeschichte von Garsten frei.

Zusätzlich interessant macht das Buch die Tatsache, dass in der dortigen
Strafanstalt in den 1930-iger Jahren illegale Nationalsozialisten eingesperrt
waren, in der NS-Zeit Gegner der Nazis
und nach dem Krieg NS-Täter. Den Autoren schien es unerlässlich die
wirtschaftliche und politische Situation der 1930-iger Jahre zu analysieren und
zu beschreiben, um die NS-Zeit in Garsten verstehen zu können.

 

Schon Anfang der 1930-iger Jahre gab es in dem 6000 Einwohner zählenden Ort
zwischen 40 und 60 Stimmen für die NSDAP. Wirtschaftlich katastrophal wirkte
sich 1933 die Schließung des Gummiwerkes Reithoffer aus. Im April 1933 hatte
die Ortsgruppe der NSDAP bereits 100 Mitglieder. Immer wieder kam es zu
illegalen Propagandamaßnahmen der Nazis. Die Kämpfe im Februar 1934
konzentrierten sich zwar auf Steyr, waren aber auch in Garsten spürbar. 27
Garstner wurden verhaftet und 58 beteiligte Steyrer wurden in die Strafanstalt
Garsten eingewiesen. Viele Sozialdemokraten wendeten sich daraufhin der NSDAP
zu und die illegalen Aktivitäten der Nazis verstärkten sich. Der Ortsplatz,
genannt „Platzl“ wurde nach dem Juliputsch 1934 in „Dollfuß-Platz“ umbenannt.

Nach dem Anschluss im März 1938, der durchaus begrüßt wurde, gab es
NS-Kundgebungen und die ersten Verhaftungen. Strafanstaltsdirektor Othmar
Bereiter, der von den Nazis besonders gehasst wurde, weil unter seiner Leitung
in den 1930-iger viele illegale Nationalsozialisten eingesperrt waren, wurde
verhaftet und am 16.März auf der Fahrt
zu einem Gestapo-Verhör erschossen. Bei der Volksabstimmung am 10.April 1938
stimmte Garsten mit 99,9 % mit Ja.

Egon Meindl, der schon vor dem Anschluss illegaler Nationalsozialist war,
wurde Bürgermeister und brachte das „Führerprinzip“ auch in Garsten zur
Anwendung. Er wurde später von Lambert Lötsch und Anton Brandner abgelöst. Der
bisherige Leiter der Volkschule Karl Fritsch wurde abgesetzt, neuer Leiter
wurde der regimetreue Oberlehrer Hubert Huber. Anstelle des ermordeten Othmar
Bereiter wurde Georg Blecha neuer Leiter der Strafanstalt. Katholische Vereine
wurden aufgelöst und deren Vermögenswerte beschlagnahmt. Eine ganze Reihe von
nationalsozialistischen Propagandaveranstaltungen fand statt. Der ehemalige Dollfuß-Platz
im Ortszentrum wurde in Otto Planetta-Platz umbenannt, jenem Putschisten, der
auf Dollfuß den tödlichen Schuss abgab. Der wirtschaftliche Aufschwung und der
Rückgang der Arbeitslosenzahlen spiegelte sich in der Begeisterung der
Bevölkerung. Potentielle Gegner wurden genau beobachtet und die Maßnahmen gegen
Juden gutgeheißen, obwohl im Ort praktisch keine Juden wohnten. Mit der
Fortdauer des Krieges sank die Stimmung in der Bevölkerung. Im Juli 1942 waren
182 Zwangsarbeiter in der Landwirtschaft eingesetzt. 158 Garstner verloren im
2. Weltkrieg ihr Leben, 86 wurden als „vermisst“ gemeldet. Heinrich Lenzenweger
aus Garsten wurde 1938/39 als Direktor in das Erziehungsheim Gleink berufen, wo
er seine nationalsozialistische Gesinnung an den Kindern auslebte. Für
Ausreißer richtete er ein Haftzimmer ein und ordnete spezielle Kleidung an. Oppositionelle
Äußerungen
wurden mit aller Härte verfolgt. Schon ab 1938 wurden Garstner wegen „Beleidigung des Führers“,
„staatsfeindlichen Äußerungen“, „Verfassen eines Briefes mit staatsfeindlichem
Inhalt“, „kommunistischer Einstellung“ und Ähnlichem nach damaligem Recht wegen
Vergehens gegen das „Heimtückegesetz“ einvernommen, verwarnt und zu Geldstrafen
und/oder Haft verurteilt. Denunzierungen bildeten meist die Grundlage für die
Verfolgung. Im Februar 1942 wurde beim Kraftwerksbau „Rosenau“ ein Lager für
600 Zwangsarbeiter errichtet. Zwangsarbeiter waren auch in der
Landwirtschaft eingesetzt. Nach dem Krieg plünderten manche Zwangsarbeiter jene
Bauernhäuser, in denen sie während des Krieges schlecht behandelt wurden.
Nachdem Steyr zu einer großen Rüstungsproduktions-stätte ausgebaut werden
sollte, wurden viele Gebiete von Garsten in die Stadt Steyr eingemeindet.

In der Strafanstalt Garsten waren in den 1930-iger Jahren viele
illegale Nationalsozialisten eingesperrt. 1937 wollten sie durch einen
Hungerstreik ihre Freilassung erpressen, 30 wurden im Februar 1938 durch eine
Vereinbarung Schuschniggs mit Hitler amnestiert. Strafanstaltsdirektor Bereiter
wurde für ihre Haft verantwortlich gemacht und daher kurz nach dem Anschluss
hinterrücks erschossen. 1941 gab es den Plan die Strafanstalt in eine
Nebenlager des KZ Mauthausen umzuwandeln und die Häftlinge in der
Rüstungsproduktion einzusetzen. Nachdem die Justiz den Plan vereitelte, wurde
es 1942 im Steyrer Stadtteil Münichholz gebaut. Die Strafgefangenen von Garsten
wurden beim Bau von Luftschutzbunkern, im Bahnbau und beim Kraftwerksbau in
Ternberg eingesetzt. Unter den politischen Gefangenen in Garsten waren sehr
viele Kommunisten, die wegen Vorbereitung zum Hochverrat inhaftiert waren, aber
auch eine ganze Reihe von Priestern., darunter der Abt des Trappistenklosters
Engelszell Gregor Eisvogel und Dr. Johann Gruber, der 1944 in Gusen grausam
ermordet und als „Papa Gruber“ bekannt wurde. Viele Strafgefangene wurden nach
Absitzen der Haft in das KZ Mauthausen überstellt. Kurz vor Kriegsende sollten
alle Insassen in die Enns geschossen werden, was aber verhindert wurde. Nach
dem Krieg wurden Nazi-Täter in Großraming interniert. Das ehemalige Nebenlager
von Mauthausen wurde in eine Außenstelle von Garsten umfunktioniert.

Das Verhalten der Geistlichen der Pfarre Garsten wurde schon im
Mai 1938 überwacht. Hitler selbst besuchte während seiner Steyrer Schulzeit
1904/05 des öfteren die Stiftskirche Garsten. Das kirchliche Kinderheim wurde
1938 aufgelöst, von der NSDAP übernommen und in eine nationalsozialistisches
Schülerheim umgewandelt. Pfarrliche Einrichtungen wie z.B. die Pfarrbücherei
und der Pfarrhof wurden beschlagnahmt, der Kindergarten aufgelöst. Die unteren
Räume des Pfarrhofes wurden der Hitlerjugend zur Verfügung gestellt. Ein Teil
der Kapläne hatte Schulverbot. Der Linzer Bischof versuchte die Kapläne vor der
Einberufung zur Wehrmacht zu schützen indem er in Mühlbach und Dambach neue
Kaplaneien errichten ließ. Nach dem Krieg gab es im Pfarrgebiet Garsten eine
russische und eine amerikanische Zone. Die Brücken über die Enns waren
gesperrt.

Der ehemalige Garstner Bahnhofsvorstand Ottokar Waldes und seine Frau
Pauline wurden in Auschwitz ermordet. Zehn Garstner Behinderte wurden in der
Euthanasieanstalt Hartheim umgebracht. KZ-Häftlinge aus Steyr wurden in Garsten
in einer Schottergrube eingesetzt. Der Todesmarsch der ungarischen Juden im
April 1945 führte auch durch das Garstner Gemeindegebiet nach Steyr. Im Februar
1944 fielen auch Bomben auf Garsten. KZ-Häftlinge mussten Blindgänger
ausgraben. Im Kinderheim wurde ein Notspital eingerichtet.

Ab Februar 1945 kamen viele Flüchtlinge nach Garsten, die in der Schule
und im Kinderheim untergebracht wurden. Am 5. Mai 1945 marschierten
amerikanische Truppen in Garsten ein und befreiten es vom Regime der
Nationalsozialisten. Die entlassenen Strafgefangenen brachte man in der
Volksschule unter. Am 27. Juli 1945 wurde die Zweiteilung Garstens durch den
Rückzug der Russen beendet.

In den Monaten nach dem Krieg gab es große Lebensmittelknappheit
und Armut. Es kam immer wieder zu Plünderungen. In Lahrndorf bewachten 150
amerikanische Soldaten ca. 20.000 ehemalige deutsche Soldaten. Der amerikanische
General Mark Clark wurde zum Ehrenbürger der Gemeinde Garsten ernannt.

Die ehemaligen Nationalsozialisten wurden noch im Mai 1945 zu
verschiedenen Arbeiten herangezogen, um ein Stück Wiedergutmachung zu leisten.
Zwei Lehrer wurden entlassen und ehemalige Nationalsozialisten sollten 2 %
ihres Vermögens als Sühne leisten. Zehn Geschäfte, Gewerbebetriebe und
Gaststätten kamen auf die Liste jener Einrichtungen, die unter das
Verbotsgesetz fielen. 1958 wurde im Zentrum des Ortes ein Kriegerdenkmal errichtet.
Eine wirkliche geschichtliche Aufarbeitung dieser Zeit geschah erst 60 Jahre
nach Kriegsende. Bisher hatten alle Publikationen dieses Kapitel tunlichst
vermieden. 2005 erschien eine Kurzfassung dieses Buches im Gemeindebuch
Garsten. 2007 soll auf Initiative des Mauthausen Komitees Steyr am Garstner
Friedhof eine Gedenkstele für die zehn Garstner Opfer von Hartheim errichtet
werden.

 

 

Das Buch enthält auch eine Reihe von Zeitzeugenberichten und viele
Fotos, die erstmals veröffentlicht werden. Viele unbekannte Seiten von Garsten
werden durch dieses Buch ans Tageslicht befördert. Interessant nicht nur für
Bewohner der Gemeinde Garsten.

Neuigkeiten eingetragen am 13. Juni 2006

 

Gedenkrede 8. Mai 2006, Steyr

Martina Gugglberger

 

Sehr geehrte anwesende Damen und Herren!

 

Zum 61. Mal jährt sich heuer das Ende der Nationalsozialistischen
Gewaltherrschaft in Österreich, Deutschland und weiten Teilen Europas. Wir
gedenken heute aus diesem Anlass den Millionen Opfern, die grausam von den
Nationalsozialisten ermordet wurden, wir gedenken aber auch all jener, die
dieses Terrorregime überlebt haben und fortan mit der schweren Last des
Erlebten, des Gesehenen und des Verlorenen weiterleben mussten und müssen. In
heurigen Jahr steht im besonderen Maße das Gedenken und Erinnern an Frauen und
Mädchen, die während der NS-Diktatur verfolgt und ermordet wurden im
Mittelpunkt der österreichischen Gedenkfeierlichkeiten.

 

Das Schicksal von verfolgten Frauen fand lange in der historischen
Betrachtung aber auch in der Kultur des Gedenkens und Erinnerns nur wenig
explizite Beachtung. Das hat zum einen mit dem generell langen Schweigen über
die Grausamkeit des NS-Terrors und die Beteiligung vieler Österreicherinnen und
Österreicher an Hitlers Verfolgungs-System zu tun. Zum anderen wurden Haft,
Zwangsarbeit, Verfolgung aber auch Widerstand lange Zeit als männliche Räume
betrachtet. Damals wie heute unterscheiden sich die gesellschaftlichen
Positionierungen und Handlungsspielräume von Männern und Frauen – ebenso wie
die damit verknüpften Lebensbedingungen.

 

Wer waren jene Frauen und
Mädchen, an deren Schicksal wir uns heute erinnern?

Wir gedenken all jener Frauen, die auf Grund ihrer ethnischen Herkunft,
ihrer politischen oder religiösen Einstellung, ihrer sexuellen Orientierung,
auf Grund körperlicher oder geistiger Krankheit verfolgt und ausgebeutet
wurden. Wir gedenken vor allem jenen Frauen, die Opfer der
nationalsozialistischen Mordmaschinerie geworden sind: Die größten für
weibliche Häftlinge eingerichteten Lager waren Ravensbrück, Auschwitz-Birkenau
und Bergen-Belsen. Im Konzentrationslager Mauthausen waren von 1942 bis 1945
insgesamt ca. 8500 weibliche Häftlinge inhaftiert. Für viele von ihnen war das Lager
eine Zwischenstation auf dem Transport in andere Konzentrationslager.
Zahlreiche Frauen wurden gleich nach Ankunft im Lager hingerichtet. Darunter
waren eine große Anzahl Jüdinnen, Romni und Sinzezas, Frauen aus ganz Europa,
vor allem aus Ungarn, Deutschland, Frankreich, Russland und Tschechien. Das
Konzentrationslager Mauthausen war zudem eines der ersten Lager, dass ein so
genanntes Häftlingsbordell zur fixen Einrichtung machte. Ab Juni 1942 wurden
dafür Frauen aus Ravensbrück nach Mauthausen und auch Gusen überstellt und hier
zu sexueller Zwangsarbeit missbraucht. Sexuelle Ausbeutung von verfolgten und
inhaftierten Frauen war fester Bestandteil der nationalsozialistischen
Unterdrückungs- und Vernichtungspolitik. Die Liste schwerer physischer Gewaltformen
ist lang: Erzwungene sexuelle Kontakte zu Häftlingen aber auch zu SS-Männern,
Zwangssterilisation, Zwangsabtreibung, medizinische Versuche, Vergewaltigungen,
das Abrasieren der Haare.

Sexualisierte Gewalt war jedoch nicht nur Bestandteil des Terrors, den
Frauen in KZ-Haft erlebten.

 

Wir gedenken heute auch der tausenden Frauen, die aus dem Osten Europas
verschleppt und nach Österreich gebracht wurden und hier auf unmenschliche
Weise in Rüstungsbetrieben aber auch in der Landwirtschaft durch Zwangsarbeit
ausgebeutet zu werden. Ab 1942 begann diese Zwangsaushebung von Arbeitskräften
im Osten Europas. Es wurden nicht nur massenhaft Männer beispielsweise aus den
besetzten Gebieten der ehemaligen Sowjetunion nach Oberösterreich gebracht,
sondern auch eine große Anzahl von jungen Frauen, die zeitweise mehr als die
Hälfte der eingeschleppten Zwangsarbeitskräfte aus Osteuropa ausmachten. Sie
wurden nicht als Menschen, sie wurden nicht als Frauen betrachtet und
behandelt, was zählte war allein ihre Arbeitskraft und ihr ökonomischer Nutzen
für die sog. „Volksgemeinschaft“. Besonders problematisch war die Situation von
Russinnen, Ukrainerinnen und anderen Osteuropäischen Frauen, die schwanger
wurden bzw. kurz vor der Geburt standen. Im Gegensatz zu deutschen und so
genannten „arischen“ Frauen, die durch Ehrungen und Auszeichnungen für
zahlreiche Geburten eine Belohnung erhielten, waren Kinder von Ostarbeiterinnen
unerwünscht und wurden als „unwertes Leben“ bezeichnet. Oberdonau war einer der
ersten Gaue, die versuchten durch spezifische Institutionen dem Problem der
schwangeren Zwangsarbeiterinnen beizukommen.

In Linz standen eigene Baracken vor der Frauenklinik für Entbindungen,
aber auch für Abtreibungen von Ostarbeiterinnen bereit. Zuletzt wurde sogar
eine eigens gekennzeichnete Kartei angelegt, in der über die zahlreichen
chirurgischen Eingriffe an Zwangsarbeiterinnen Buch geführt wurde. In Spital am
Pyhrn und in Schloss Etzelsdorf bei Wels richtete man eigene Heime für
Säuglinge und Kinder von Zwangsarbeiterinnen ein: „Fremdvölkische Säuglings-
und Kinderheime“. Die Kinder wurden den Frauen kurz nach der Geburt
weggenommen. Ein Großteil von ihnen verstarb schlecht ernährt und unzureichend
versorgt nach kurzer Zeit.

 

Wir gedenken heute auch jener Frauen, die durch ihre persönliche
Einstellung, ihr Handeln und ihr Engagement dem Nationalsozialistischen System
Widerstand entgegengesetzt haben. In den meisten Fällen blieben Frauen in
Widerstandsorganisationen im Hintergrund, ihre Aktivitäten waren jedoch ein
unersetzbarer Beitrag in allen Bereichen des antinationalsozialistischen
Widerstands. Sie entwickelten unter den Bedingungen ihrer weiblichen
Lebenswelt, d.h. in erster Linie in der Familie und im Kontext der
„Privatsphäre“, ihre eigenen Formen der Widerständigkeit. Dieser Widerstand war
alltäglich und unauffällig, zugleich auch vielfältig und effektiv. Sie
verweigerten den „deutschen Gruß“, lehnten das Mutterkreuz ab, übten
Systemkritik, manifestierten öffentlich ihren Glauben, hörten ausländischen
Rundfunksendungen und gaben die gehörten Informationen weiter. Sie leisteten
Kurierdienste, tippten und verteilten Flugblätter, stellten ihre Wohnungen als
Widerstandstreffpunkt zur Verfügung, versteckten Verfolgte, verübten Sabotage
in Rüstungsfabriken, leisteten Fluchthilfe oder unterstützten den Widerstand
ihrer Männer, Väter und Brüder. Vielfach bildeten Frauen die Basis für
organisierten Widerstand. Trotzdem blieben ihre Leistungen lange Zeit unerwähnt
oder wurden völlig vergessen.

Es finden sich viele mutige Frauen in Oberösterreich und auch in Steyr
und Umgebung: z.B. Paula M. aus der Nähe von Steyr: Bereits als Schülerin
verweigerte sie den Hitler-Gruß und wurde deshalb von der Schule verwiesen. Als
16jährige schrieb sie verschlüsselte Briefe an ihren Verlobten an die Front. In
diesen Briefen äußerte sie ihre negative Meinung über Hitler und den Krieg.
Einer dieser Briefe wurde von der Zensur abgefangen. Die Folge war eine
Hausdurchsuchung, bei der die Polizei ein regimefeindliches Flugblatt fand.
Paula M. wurde verhaftet. In Steyr wurde sie im Gefängnis scharfen
Kreuzverhören unterzogen und misshandelt. Die weiteren Stationen ihrer Haft
waren Linz, Wels und schließlich die Jugendstrafanstalt Hirtenberg in
Niederösterreich. Paula M. überlebte die Haft geschwächt und krank und kam im
Mai 1945 wieder in ihren Heimatort zurück. Hier musste sie schmerzhaft
feststellen, dass ihre Mutter, die gleichzeitig mit ihr verhaftet worden war,
die Gefängnishaft nicht überlebt hatte.

 

Wir gedenken auch der aus Steyr stammenden Widerstandskämpferin Hertha
Schweiger, die 1916 hier geboren wurde. Sie ließ sich 1938 als
Rotkreuz-Schwester ausbilden, um der Dienstverpflichtung in der
Waffenproduktion zu entgehen. Mit dem Krieg der Nationalsozialisten wollte sie
nichts zu tun haben. Sie setzte sich für Hinterbliebene von Verfolgten ein und
unterhielt Kontakte mit Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, deren Leid sie
zu lindern versuchte. Die überzeugte Kommunistin wurde 1940 denunziert und von
der Gestapo verhaftet. Nach schweren Misshandlungen und Folterungen im
Gestapo-Gefängnis in Linz starb sie dort 1941.

 

Wir gedenken heute diesen beiden Frauen, die uns auch in der Gegenwart
ein Vorbild sein sollen für ihre Standhaftigkeit, ihren Idealismus, ihren Mut,
ihre Zivilcourage und ihren Einsatz für die Menschlichkeit! Ihre Schicksale
sollen uns auch eine Mahnung an unsere Verantwortung sein! Verantwortung dafür
Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Rassismus ebenso entschieden
entgegenzutreten wie den Versuchen, die Geschichte des Nationalsozialismus zu
relativieren. Wir dürfen nicht hinnehmen, dass Hetze, Leugnung und
diskirminierende Stimmungsmache Einzug in die politische Kultur halten.

Wer Menschen diskriminiert und anfeindet aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer
Kultur oder ihres Geschlechts, gefährdet die Grundwerte einer demokratischen
Gesellschaft und missachtet Menschenrechte. Dagegen sollten wir, Frauen wie
Männer antreten und auftreten. Schließlich, sind wir nicht nur für das
verantwortlich, was wir tun, sondern auch für das, was wir nicht tun.

Oder um es mit den Worten der österreichischen Widerstandskämpferin
Agnes Primocic zu sagen: „Wir dürfen nicht wegsehen, wenn Unrecht geschieht!“

 

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Neuigkeiten eingetragen am 21. April 2006

 

Einladung

zur

BEFREIUNGSFEIER

anlässlich des 61. Jahrestages
der Befreiung

des KZ-Nebenlagers
Steyr-Münichholz

am Montag 08.Mai 2006 um 17.00

beim KZ-Denkmal Steyr

Haagerstraße/ Münichholz

 

Programm

 

Musik

Begrüßung: Mag. Karl
Ramsmaier (Mauthausen Komitee Steyr)

Grußworte: Ing. David Forstenlechner (Bürgermeister der Stadt Steyr)

Gedenkrede: Mag.a Martina Gugglberger, (Institut für Frauen-
und

                   „“““““““““““““““““““““ Geschlechterforschung
der Johannes Kepler Universität Linz)

Musik

Grußworte: Vertreter der
französischen Lagergemeinschaft Mauthausen

Kranzniederlegung
Gedenkkerzen der Frauen

Gedenkminute

Musik

Musik: women4voices Leitung: Martin Fialla

Mitveranstalter: Frauenstiftung, Grüne Frauen Steyr, Katholische
Frauenbewegung/ Dekanat Steyr, ÖGB – Frauen, ÖVP-Frauen, SPÖ-Frauen

 

Im Namen des Mauthausen Komitees Steyr und
der mitveranstaltenden Frauenorganisationen lade ich Sie zur Befreiungsfeier
2006 ganz herzlich ein. Die Parteien und Interessensverbände ersuche ich, sich
bei der Befreiungsfeier mit Kränzen an der Kranzniederlegung zu beteiligen.

 

Mag. Karl Ramsmaier

Neuigkeiten eingetragen am 12. März 2006

 

ERFOLGREICHES GEDENKJAHR 2005

Das Mauthausen Komitee Steyr zieht eine erfolgreiche Bilanz des Gedenkjahres 2005

Das Gedenkjahr 2005 – 60 Jahre Befreiung vom Nationalsozialismus – war für das Mauthausen Komitee Steyr ein besonders arbeitsintensives Jahr. Es wurden große Veranstaltungen durchgeführt, es wurde geforscht und es wurde viel über diese Zeit geschrieben. Die größte und beeindruckendste Veranstaltung zum Gedenkjahr in Steyr war das „Requiem 05“ am 9. Mai 2005 in der Pfarrkirche Münichholz. Fast 100 Musiker und Sänger führten zum Gedenken an die KZ-Opfer von Steyr das Requiem des französischen Komponisten Gabriel Faure auf. 309 Namen dieser Opfer waren auf der Betonwand der Kirche zu lesen, 309 brennende Granitsteine erinnerten an ihr Schicksal. Über 700 Menschen, darunter eine Delegation aus Frankreich und der Ukraine, nahmen daran teil. Fast 50 Steyrer Organisationen traten als Mitveranstalter auf.

 

Initiiert und mitgearbeitet hat das Mauthausen Komitee auch bei der Sondernummer des Steyrer Amtsblattes, die im Mai anlässlich des Gedenkjahres in einer Auflage von 25.000 Stück erschien. Berichte von KZ-Häftlingen, Zwangsarbeitern, dem Schicksal der Juden in Steyr und dem Todesmarsch der ungarischen Juden durch die Stadt wurden neben vielen Fotos zur Verfügung gestellt. Erstmals sprach im Vorwort ein Steyrer Bürgermeister davon, dass es in Steyr Opfer und Täter gab.

 

Im Sommer wurde unter dem Titel „Schwere Tage – dunkle Zeiten. Die NS-Zeit in Garsten 1938-1945“ ein eigenes Projekt zur Erforschung der NS-Zeit in Garsten durchgeführt. Anlass dazu war die Neuauflage des Garstner Heimatbuches. Erforscht wurden dabei auch die 1930-iger Jahre und die Strafanstalt Garsten in dieser Zeit. Am 9. November 2005 wurden die Forschungsergebnisse der Garstner Bevölkerung erstmals präsentiert. Niemand hatte mit dem überwältigenden Besuch von mehr als 140 Interessierten gerechnet. Eine Kurzfassung der Forschungsergebnisse wird Anfang April 2006 im Garstner Heimatbuch erscheinen. Die Gemeinde war trotz des Aufwandes von mehr als 300 Arbeitsstunden leider nicht einmal bereit den Autoren die Unkosten für Fahrten in Archive, Kopien und Fotoreproduktionen in der Höhe von 230.- zurückzuerstatten.

 

Am 9.November 2005 wurde am Jüdischen Friedhof in Steyr eine Gedenkfeier mit Gästen von Los Angeles (USA), Großbritannien, Spanien und Australien abgehalten. Mitglieder der jüdischen Familie Pollak, die in der Enge in Steyr ein Kleidergeschäft betrieb, standen erstmals am Grab ihres Großvaters bzw. Urgroßvaters Nathan Pollak.

 

Geforscht wurde auch weiter über das KZ – Steyr, eine Diplomarbeit über die Zwangsarbeiter in der Steyrer Rüstungsindustrie wurde initiiert und umfangreiches Fotomaterial über Arbeitslager in Steyr wurde dem Komitee anvertraut. Immer wieder griffen auch Medien in ihrer Berichterstattung über das Gedenkjahr auf das Fachwissen des Mauthausen Komitees zurück. Zwei Initiativen zur Errichtung von Gedenktafeln konnten gesetzt werden, einerseits für Steyrer Holocaust-Opfer und andererseits für zehn Garstner Opfer der Euthanasieanstalt Hartheim.

 

Im Steyrer Lesebuch von Erich Hackl und Till Mairhofer, erschienen im Dezember, behandelt ein Artikel von Karl Ramsmaier unter dem Titel „Hannas Familie“ die Geschichte der Steyrer Rabbinerfamilie Schön, während Waltraud und Georg Neuhauser unter dem Titel „So wenig hat genügt“ das Schicksal des Steyr-Werke- Arbeiters Max Petek in den Mittelpunkt stellen.

 

„Das Gedenkjahr 2005 war anstrengend und arbeitsintensiv, aber wir haben viel bewegt, damit das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen wird“, zieht Karl Ramsmaier, der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr, eine positive Bilanz.

Neuigkeiten eingetragen am 27. November 2005

 

GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF STEYR

mit Gästen aus Australien, den USA, Großbritannien und
Spanien

Am 9. November 2005 veranstaltete das Mauthausen Komitee Steyr auf dem
Jüdischen Friedhof in Steyr anlässlich des 67. Jahrestages der
Reichspogromnacht eine Gedenkfeier.
Gekommen waren dazu auch sechs Mitglieder der Familie Pollak von
Australien, den USA, Großbritannien und Spanien, deren Großvater bzw.
Urgroßvater Nathan Pollak ehemals Kultusvorsteher war und in der Enge
in Steyr ein Herrenkleidergeschäft betrieb, das 1938 arisiert wurde.
Als Enkel und Urenkel standen sie an diesem Abend tief bewegt das erste
Mal an seinem Grab. Begrüßt wurden sie auch vom Steyrer Bürgermeister
Ing. David Forstenlechner, der sie schon zuvor offiziell im Rathaus
empfangen hatte.
„Ich stehe heute hier als Zeugin, mit meiner Schwester und anderen
Familienmitgliedern, denn Steyr ist der Geburtsort meines Vaters Alois
Pollak. Nathan Pollak, mein Großvater, ist hier im Friedhof begraben“,
so Daphne Lera von Australien in ihren Gedenkworten. „Als Arzt und
Chirurg hat mein Vater viele Überlebende des Holocaust behandelt und
half ihnen ihre Kraft zurückzugewinnen und weiter zu leben…Meine
Mutter hat uns beigebracht, Rassismus zu erkennen und zu verdammen, in
jeglichem Zusammenhang, in dem wir ihn fanden. Es wurde uns beigebracht
zu verzeihen, aber nicht zu vergessen. Diese Zeremonie der Erinnerung
dient dazu, uns miteinander zu vereinigen und erbaut eine Brücke aus
einer besonders peinlichen Periode der Vergangenheit Österreichs“, sagt
sie am Schluss ihrer Rede.
Ihr Vater Alois Pollak besuchte die Staats-Oberrealschule Steyr (heute
BRG), wurde Arzt, musste 1938 mit 36 Jahren vor den Nazis nach Amerika
flüchten und war dort ein berühmter Chirurg.
Gerda Weichsler, die Zweite Präsidentin zum Oö. Landtag, versuchte in
ihrer Gedenkrede die Frage zu beantworten, wie in einem Jahrhundert des
Fortschritts und der sozialen Gerechtigkeit die totale Barbarei des
Nationalsozialismus möglich war und schließt mit dem Satz des
Auschwitz-Überlebenden Primo Levi „Es ist geschehen, und folglich kann
es wieder geschehen!“
Der Präsident der IKG-Linz DI George Wozasek traf seinen
Jugendkameraden Ludwig Surkin, der mit seinen Söhnen Ethan und Uri aus
Los Angeles gekommen war. Wozasek sprach das Kaddisch und nannte alle
62 Holocaust-Opfer der Israelitischen Kultusgemeinde Steyr.
Eingeschlossen in das Kaddisch wurde auch Willi Nürnberger, der Sohn
des letzten Steyrer Rabbiners Chaim Nürnberger, der einen Tag zuvor in
Israel mit 89 Jahren verstorben war. Nach einer Gedenkminute wurden
Kränze niedergelegt und die besinnliche Feier, zu der 50 Personen
gekommen waren, klang mit Musik von Schülerinnen der HLW Steyr aus.
Unsere Gäste waren sichtlich bewegt von der Feierlichkeit,
Besinnlichkeit und dem Ernst des Gedenkens und Erinnerns.

Der 9. November 1938: Menschen wurden gejagt, Synagogen gingen in
Flammen auf, Schaufenster jüdischer Geschäfte wurden eingeschlagen, es
wurde geplündert und es gab Zuschauer. In Steyr wollte man bei den
Ersten sein, die gegen die Juden vorgingen und begann daher mit den
Verhaftungen schon einen Tag früher. 18 Steyrer Juden wurden im
Gefängnis in der Berggasse eingesperrt, darunter auch 3 Kinder Man
wollte die Stadt  „vollkommen judenfrei“ haben. (Steyrer Volksstimme am 2.September 1938)  Franz Pollak
und Dr. Julius Stössl, der Mann von Hedwig Stössl, geb. Pollak, wurden
schon im Juli 1938 verhaftet. Häuser und Geschäfte wurden arisiert.
Über den Kaufpreis konnten sie nicht verfügen oder er fiel dem
Deutschen Reich zu, wie das Beispiel der Familie Pollak zeigt. Vielen
blieb nur noch die Flucht. Die Steyrer Synagoge blieb verschont, da sie
schon im September 1938 arisiert worden war.

Drei Wochen vor dem Ende des Krieges erreicht die Grausamkeit noch
einmal einen Höhepunkt. Tausende ungarische Juden wurden durch das
Enns- und Steyrtal getrieben. Von den 100 ermordeten ungarischen Juden,
die in einem Massengrab am Jüdischen Friedhof in Steyr bestattet sind,
weiß man nicht einmal die Namen. Es gab Menschen in Steyr, die zu
helfen versuchten und es gab Täter.
Erstmals – nach 60 Jahren – hat ein Bürgermeister der Stadt Steyr, Ing.
David Forstenlechner, in seinem Vorwort zu einer Sondernummer des
Steyrer Amtsblattes anlässlich des Gedenkjahres 2005 davon gesprochen,
dass es in dieser Stadt Opfer und Täter gab. Dieses Vorwort hat für
Steyr eine ähnliche Bedeutung wie die berühmte Rede von Bundeskanzler
Franz Vranitzky 1991, wo er erstmals davon spricht, dass Österreich
nicht nur Opfer hatte, sondern auch Täter. Gewicht und Bedeutung dieses
Vorwortes ist vielen Steyrern aber noch nicht bewusst.

Hätten die Nationalsozialisten diese jüdischen Familien nicht aus Steyr
vertrieben, – viele wurden auch in Konzentrationslagern ermordet-,
würden vielleicht einige der Gäste heute in Steyr wohnen und wir hätten
eine blühende jüdische Gemeinde in Steyr.

 

Garsten, 15.11.05 Mag. Karl Ramsmaier

 

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Literatur zur jüdischen
Gemeinde Steyr:

 

  • Waltraud Neuhauser-Pfeiffer/ Karl Ramsmaier, Vergessene
    Spuren. Die Geschichte der Juden in Steyr, Grünbach 1998 (derzeit
    leider vergriffen)
  • Waltraud / Georg Neuhauser, Fluchtspuren, Grünbach 1998
  • Tondiaschau „Vergessene Spuren“
  • Karl Ramsmaier, „Hannas Familie“ , in: Erich Hackl und
    Till Mairhofer, Das Y im Namen dieser Stadt. Ein Steyr Lesebuch, Steyr
    2005

Schwere Tage – dunkle Tage. Die NS-Zeit in Garsten 1938-1945

Vortrag von Mag. Karl Ramsmaier und Mag. Waltraud
Neuhauser-Pfeiffer

9.11.2005, 19.30 Uhr, Öffentliche Bücherei der Pfarre Garsten

Im Anschluss an die Gedenkfeier referierten wir vor ca. 140 Personen
über unsere Forschungsergebnisse, die wir im Sommer 2005 über die
NS-Zeit der Gemeinde Garsten gesammelt und aufgezeichnet hatten. Da die
Veranstalter, das Mauthausen Komitee Steyr und die Öffentliche
Bibliothek der Pfarre Garsten mit 9 weiteren Mitveranstaltern nicht mit
so vielen Interessierten gerechnet hatten, musste in den Pfarrsaal
ausgewichen werden.
Anlass für unsere Forschungsarbeit war die Überarbeitung des
Heimatbuches über Garsten, das im nächsten Jahr erscheinen soll. Eine
ausführliche Broschüre soll ebenfalls 2006 publiziert werden.
Archive, Gemeinderatsprotokolle, Pfarr-, Schul- und Vereinschroniken
haben wir durchforstet, und dabei stießen wir auf Überraschendes und
bislang Unbekanntes: Schon in den dreißiger Jahren waren illegale Nazis
sehr aktiv, und bei der Volksabstimmung im April 1938 stimmten
schließlich 99,9 % der Bevökerung mit „Ja“, damit für den bereits
vollzogenen Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland. Das Kinderheim
wurde von der NSDAP übernommen und in ein NS-Schülerheim
umfunktioniert, auch gab es den Plan, die Strafanstalt in ein
Konzentrationslager umzuwandeln. Eines der ersten Opfer war der
Strafanstaltsdirektor Othmar Bereiter, der von der Gestapo kurz nach
dem Anschluss ermordet wurde. Politische Gefangene, vor allem
Kommunisten, aber auch Priester, wie der Abt des Klosters Engelszell
und Dr. Johann Gruber, dessen Seligsprechung zur Zeit geprüft wird,
waren im hiesigen Gefängnis eingesperrt. Auch der Todesmarsch
ungarischer Juden führte 1945 durch Garsten. Der 2. Weltkrieg forderte
in dieser Gemeinde 158 Menschenleben, 9 Garstner wurden in der
Euthanasieanstalt Hartheim ermordet.
Der Lehrer und Historiker Dr. Adi Brunnthaler führte durch das Programm
und lud das Publikum anschließend zur Diskussion ein. Einige Zeitzeugen
meldeten sich zu Wort und berichteten eindrucksvoll, was sie erlebt und
gesehen hatten.
Wir freuen uns über den zahlreichen Besuch und die gelungene
Veranstaltung!

 

Garsten, 20.11.05 Mag. Waltraud Neuhauser-Pfeiffer

 

Neuigkeiten eingetragen am 21. Oktober 2005

E I N L A D U N G

GEDENKFEIER

anlässlich des
67.Jahrestages der „Reichspogromnacht“

MITTWOCH, 9. NOVEMBER 2005 um 17.00

JÜDISCHER FRIEDHOF, STEYR, Taborweg

Programm

Musik
Begrüßung: Mag. Karl
Ramsmaier, Mauthausen Komitee Steyr
Gedenkrede: Irmgard
Schmidleithner, ÖGB-Vizepräsidentin a.D.
Musik
Kranzniederlegung
Gedenkminute
Musik

Die männlichen Teilnehmer 
werden gebeten, nach jüdischem Brauch am
Friedhof eine Kopfbedeckung zu
tragen. Die Parteien, Vereine und
Organisationen bitten wir, sich mit Kränzen an der Kranzniederlegung zu
beteiligen.

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„SCHWERE TAGE – DUNKLE ZEITEN“

Die NS-Zeit in Garsten 1938 – 1945

Präsentation der neuesten
Forschungsergebnisse

 

MITTWOCH, 9. NOVEMBER 2005, 19.30

Öffentliche Bibliothek der Pfarre
Garsten

Referenten:

Mag. Karl Ramsmaier
Mag. Waltraud Neuhauser-Pfeiffer

Im Sommer 2005 wurde von den beiden Referenten in einem eigenen
Projekt  für das Heimatbuch Garsten viel Forschungsarbeit
geleistet.
Erstmals wird damit nach über 60 Jahren eine umfassende,
wissenschaftliche Darstellung dieser Zeit geboten.
Viel Überraschendes und bisher Unbekanntes wurde dabei entdeckt, auch
neue Fotos kamen zum Vorschein.

Eintritt: € 4.- (Erwachsene),  € 2.- (Schüler-/innen, Zivildiener,
Präsenzdiener)

Veranstalter: Mauthausen Komitee Steyr / Öffentliche Bibliothek der
Pfarre Garsten
Mitveranstalter:

Pfarre Garsten, KBW Garsten,
Referat Gefangenenpastoral der Diözese Linz, Grüne Garsten,
SPÖ Garsten, KFB Garsten, KMB
Garsten, ÖVP Garsten.

Neuigkeiten eingetragen am 2. Juli 2005


Um eine vergrößerte Ansicht des Textes des Zeitungsartikels zu sehen, bitte hier klicken.


Veranstaltung eingetragen am 2. April 2005


„R E Q U I E M 05“
In memoriam

60. Jahrestag der Befreiung des KZ Steyr-Münichholz
60 Jahre Befreiung Steyrs

am Montag 9. Mai 2005 um 19.00
in der Pfarrkirche Münichholz

Komposition

Gabriel Fauré
Collegium Vocale Linz
SinfonieOrchester Steyr
Dirigent: Josef Habringer

Solisten

Daniel Ohlenschläger
Andrea Stumbauer

Lichtinstallation: Projektion der Namen der Steyrer KZ-Opfer
Symbolinstallation: Granitsteine mit Kerzen zum Gedenken an die Opfer

anschließend

Gedenkmarsch zum KZ-Denkmal (Haagerstraße)
Kranzniederlegung beim KZ-Denkmal
Gedenkrede: Bürgermeister Ing. David Forstenlechner


„REQUIEM 05“ würdigt KZ-Opfer von Steyr

60 Jahre Befreiung Steyrs, 60 Jahre Befreiung des KZ-Nebenlagers
Steyr-Münichholz. Aus diesem Anlass wird am Montag 9.Mai 2005 um 19.00 in der
Pfarrkirche Steyr-Münichholz das Requiem des französischen Komponisten Gabriel
Fauré aufgeführt. Das „Collegium Vocale Linz “ und das
SymphonieOrchester Steyr unter dem Dirigenten Josef Habringer haben die
musikalische Gestaltung übernommen. Als Solisten treten Daniel Ohlenschläger
und Andrea Stumbauer auf. Zwischen den Musikstücken werden Texte von
Überlebenden vorgetragen. Eine Lichtinstallation mit den Namen der 226 bisher
namentlich bekannten Opfer des KZ-Nebenlagers Steyr-Münichholz und der 83 Opfer
des Faschismus und Nationalsozialismus in Steyr wird während dem Requiem zu
sehen sein. 309 Granitwürfel mit Kerzen sollen symbolisch an die Opfer
erinnern. „Nach 60 Jahren soll diesen Menschen, die nie ein Begräbnis
erhalten haben, durch dieses Requiem eine musikalische Würdigung
zukommen“, so die Veranstalter vom Mauthausen Komitee Steyr. Neben dem
Mauthausen Komitee tritt erstmals auch die Stadt Steyr offiziell als
Hauptveranstalter, weitere 47 Organisationen als Mitveranstalter auf.

Anschließend führt ein Gedenkmarsch von der Münichholzer Kirche zum
KZ-Denkmal in der Haagerstraße in Steyr, wo die verschiedenen Organisationen
Kränze zum Gedenken an die Opfer niederlegen. Die Gedenkrede hält
Bürgermeister Ing. David Forstenlechner. Eingeladen zur Teilnahme sind alle
Vereine, Pfarren, Parteien, Gemeinden, Gewerkschaften, Bildungseinrichtungen,
Schulen, Kammern und Interessens-verbände, Jugendorganisationen,
Hilfseinrichtungen, Menschenrechts -und Friedensorganisationen und die ganze
Bevölkerung.

Das KZ Steyr-Münichholz wurde ab 14.März 1942 offiziell als Nebenlager von
Mauthausen geführt. Bis zu 3000 Häftlinge aus vielen europäischen Ländern
waren hier untergebracht, die in den Steyr-Werken und im Straßen- und
Luftschutzbunkerbau eingesetzt waren. Steyr-Münichholz stand dem KZ-Mauthausen
an Brutalität um nichts nach. Am 5.Mai 1945 wurde es von amerikanischen Truppen
befreit. 226 Opfer dieses Lagers konnten bisher namentlich erfasst werden.

Montag, 8. November 2004

 

PRESSEAUSSENDUNG

GEDENKFEIER AM JÜDISCHEN FRIEDHOF STEYR
Mag. Adolf Brunnthaler, der Autor des Buches „Strom für den Führer“
hält Gedenkrede

Zum Gedenken an die Opfer der sog. „Reichskristallnacht“ vor 66
Jahren und aller Opfer des Holocaust findet am Dienstag 9. November 2004 um
17.00 auf dem Jüdischen Friedhof in Steyr, Taborweg, eine Gedenkfeier statt.
Die Gedenkrede hält der Autor des Buches „Strom für den Führer“,
Mag. Adolf Brunnthaler aus Weyer.
„Die Israelitische Kultusgemeinde Steyr“, so der Vorsitzende des
Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier, „umfasste neben der Stadt Steyr
auch das Enns- und Steyrtal. Das soll mit einem Redner aus dem Ennstal
verdeutlicht werden. Außerdem soll heuer besonders der Opfer des Todesmarsches
der ungarischen Juden gedacht werden, im April 1945 durch das Ennstal führte.
Näheres über diesen Todesmarsch ist auf der neuen Homepage des
Mauthausenkomitees Steyr zu finden: www.mkoe-steyr.net
Die männlichen Teilnehmer werden gebeten, nach jüdischem Brauch am Friedhof
eine Kopfbedeckung zu tragen.

Neuere Forschungen ergaben, dass auch neun Schüler der damaligen k. k.
Staats-Oberrealschule Steyr, heute BRG Steyr, Michaelerplatz Opfer des Holocaust
wurden. Auch drei Töchter des Steyrer Rabbiners Heinrich Schön wurden
ermordet, eine davon 1940 in Schloss Hartheim. Vor einigen Wochen bekam das
Mauthausen Komitee Steyr neue Fotos aus den USA über die nach dem Krieg aus
Flüchtlingen kurz bestehende Israelitische Kultusgemeinde Steyr.

Dass in Steyr heute keine Jüdische Kultusgemeinde mehr existiert, ist auf
die Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der Juden durch die
Nationalsozialisten zurückzuführen.
Am 9.November 1938, bekannt geworden als „Reichskristallnacht“,
erreichte die Verfolgung einen ersten Höhepunkt. Auch in Steyr gab es
Verhaftungen. Die Steyrer Synagoge blieb verschont, da sie schon vorher arisiert
worden war.

VERNISSAGE der SONDERAUSSSTELLUNG „Die Verfolgung und Ermordung der
europäischen Juden 1933-1945“ im MUSEUM ARBEITSWELT STEYR

Am Dienstag 9.November 2004 um 19.00 wird im Museum Arbeitswelt in Steyr die
Ausstellung „Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden
1933-1945“ eröffnet. Dr. Robert Streibel, bekannt durch sein Buch über
die Juden in Krems, wird die Eröffnungsworte sprechen. Die Ausstellung
thematisiert das dunkelste Kapitel der europäischen Geschichte und will zeigen,
wie es dazu kommen konnte.

KONZERT Bernd Luef & Jazztett Forum Graz
im MUSEUM ARBEITSWELT STEYR

Am Dienstag 9.November 2004 um 20.00 versucht Bernd Luef mit seinem Jazztett
Forum Graz ein musikalisches Gedenken an die Opfer der Nazi-Gräuel. EPITAPH –
eine Komposition in sechs Teilen, versteht sich als musikalische Grabinschrift
gegen das Vergessen. In der anschließenden JAZZPERFORMANCE wird er eine
musikalische Kommunikation darbieten, die die Grenzen zwischen Menschen
überwindet. Damit soll ein bewusster Kontrapunkt zu einer Politik der
Ausgrenzung damals wie heute gesetzt werden.